Achim H. Pollert: Damit das Kind einen Namen hat

Achim H. Pollert (*) über die Namensgebung für Kinder ///—///

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Wir kennen das.

Wir warten an der Ladenkasse, und ein Vater oder eine Mutter ruft sehr ungehalten einem Kind hinterher. Und das heisst dann „Kevin“, „Justin“, „Dustin“, „Soeren“, woran wir uns ohnehin gewöhnt haben.

Tatsächlich gibt es ja auch Eltern, die es nicht wirklich von Grund auf gut mit ihren Kindern meinen. Stellt man sich etwa vor, man hätte eine Tochter und würde die dann „Winnetou“ mit Vornamen taufen, dann kommt man schon ins Grübeln.

Aber im grossen und ganzen dürfte es wohl so sein, dass die meisten Eltern nicht weiter über die Namensgebung für ihren Nachwuchs nachdenken und da dann Ueberlegungen wie „schön“, „passend“, „harmonisch“ u.s.w. eine Rolle spielen.

Der Gedanke mag nun für viele Menschen gewöhnungsbedürftig sein, aber tatsächlich ist es doch wohl so, dass

OBJEKTIVE UEBERLEGUNGEN

bei der Namensvergabe für die Kinder eine ganz wichtige Rolle spielen.

Ob ein Name „schön“ ist, hat nichts weiter zu bedeuten. Was für manche schön ist, ist für andere merkwürdig. Die Mode nennt heute den einen Namen schön, morgen den anderen. Nicht zu unterschätzen auch das Bestreben vielen Menschen, sich möglichst von allen anderen zu unterscheiden… was meist dann doch danebengeht.

Ein ernsthaftes Problem daran ist, dass wir es beim Kind mit einem Menschen zu tun haben – und wir sollten das Schicksal eines Menschen nicht zum Spielball solcher Ueberlegungen machen (modische Schönheit, persönliche Profilierung u.s.w.).

Ich persönlich heisse beispielsweise Achim, weil meine Mutter seinerzeit sehr beeindruckt war von einem griechischstämmigen Kinderarzt, der wohl Achilles hiess. Damals war dieser Name in weiten Teilen des deutschen Sprachraums noch recht ungewöhnlich. Und es gab sicher Zeiten in meinem Leben, in denen ich lieber Martin, Anton, Michael oder Peter geheissen hätte.

HAEUFIGE UND SELTENE NAMEN

Man erinnert sich gut: Es gab Jahrgänge, in denen sich bestimmte Namen häuften. Da fanden sich in bestimmten Regionen in jeder Schulklasse gleich mehrere Rainers, Michaels, Sabines und Monikas. An und für sich ist das nicht schlecht.

Ein gebräuchlicher Vorname ist gut. Er vereinfacht den Weg durch das Leben. Man muss weniger buchstabieren und sich weniger fragen lassen, wenn man so heisst.

Je häufiger nun aber ein Nachname ist, desto eher empfiehlt sich, dem Kind einen ungewöhnlichen Vornamen zu verabreichen. Denn heisst man mit Familiennamen schon Müller, Meier, Schmidt, Sommer, Lenz, Weber u.s.w., dann könnte das Kind mit einem ebenso gebräuchlichen Vornamen im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Dutzend anderer Leute in der Gegend heissen.

Man heisst dann wie ein paar Handwerksmeister am Ort, vielleicht auch noch wie der Pfarrer, ein Lehrer, zwei Mitschüler an der Berufsschule und womöglich auch noch wie ein gesuchter Krimineller.

Eine Hypothek, die den betreffenden Menschen möglicherweise sodann einLeben lang begleiten wird.

Somit sind alle Eltern gefragt, ob sie ihren Kindern eher etwas Gutes tun, wenn sie ihnen einen besonders „schönen“ Namen aussuchen. Oder vielleicht doch eher, wenn sie sich zunächst einmal mit einem Blick ins Telefonbuch oder in die Suchmaschine, wie viele Leute denn schon so heissen.

So etwa nehme ich zum Beispiel nicht an, dass ich die Zahl der „Monika Weber“, die mir in meinem Leben bisher begegnet sind, an einer Hand abzählen kann.

Es wäre also eine erste objektive Ueberlegung, seinem Kind nicht einen in der Zusammensetzung zu grossen Allerweltsnamen zu geben.

DER VORNAME UND DER NACHNAME

Und auch hier erinnern wir uns an die Schulzeit. Bei den Schülern, die mit Familienname „Werner“, „Peter“, „Siegfried“ u.s.w. hiessen, wurde immer gerne die Aufforderung abgeliefert, sie sollten gefälligst ihren Nachnahmen unterstreichen. Natürlich wurde das auch von missliebigen, kritisüchtigen Paukern stets gerne zum Anlass genommen, um ein wenig herumzumaulen.

Aber grundsätzlich ändert auch das am Problem nichts.

Das Problem nämlich, dass es zu erheblichen Komplikationen kommen kann, wenn die Umgebung nicht ohne weiteres erkennt, was Vor- und was Nachname ist.

Bei „Achim Pollert“ ist es im deutschen Sprachraum heute wohl klar erkennbar. In Frankreich oder England dagegen kaum.

Oft sind sich die Menschen dessen gar nicht so recht bewusst, weil bestimmte Vornamen eben nur in bestimmten Regionen gebräuchlich sind. Wie wäre es beispielsweise mit „Balz Peter“, „Urs Valentin“ oder „Reto Vinzenz“?

Wenn ich nun weiss, dass ich selber einen solchen „Vornamen“ als Nachnamen habe, dann kann ich in Betracht ziehen, mein Kind eben so zu taufen, dass es weniger Verwechslungen gibt. Wenn das Kind der Familie Günther mit Vornamen Jean-Paul, Karl-Heinz, Hansjörg u.ä. heisst, dann dürfte für eine grosse Mehrheit der Umwelt klar sein, was Vor- und was Nachname ist.

Gerade auch in fremdsprachigen Umgebungen kann das von Bedeutung sein. So habe ich eher gebildete Chinesen in der englischsprachigen Welt getroffen, die ihre ursprünglichen Vornamen abgelegt hatten und sich „Raymond“, „Andrew“, „Paul“ und „Vincent“ nannten, weil man sich in London oder New York unter „Kwai-Chan Li“ eben nichts vorstellen konnte.

Nicht nur, was hier Vor- und was Familienname ist. Sondern durchaus auch, ob es sich um

EINEN MANN ODER EINE FRAU

handelt. Dies wäre eine weitere objektive Ueberlegung, die bei der Namenswahl eine Rolle spielt. Beispielsweise beim einen oder anderen türkischen Namen etwa kommt man ja heute noch in diese Verlegenheit.

Man weiss nicht, was hier welcher Name ist. Und wenn man es weiss, weiss man nicht, ob man die betreffende Person schriftlich mit Herr oder Frau ansprechen soll. Ist jemand mit Vornamen Tansu eine Frau?

Also auch aus diesem Gesichtspunkt mag es eine Ueberlegung wert sein, ob ein anvisierter Name in einer breiteren Oeffentlichkeit eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden kann. Das braucht keineswegs nur bei Türken und Chinesen so zu sein.

Denkt man an manchen Regionalnamen in Europa, dann kann auch dies einige Probleme bereiten. Ob „Helge“ oder „Eike“ Mann oder Frau sind, ist möglicherweise im südlichen deutschen Sprachraum eben nicht ohne weiteres zuzuordnen. Auch hier könnte im Zweifelsfall dem Kind mehr gedient sein mit einem anderen Namen.

Und das wäre doch wohl das Wesentliche: Dass dem Kind gedient ist.

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Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
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