Achim H. Pollert: Der verbale Terroranschlag

Achim H. Pollert (*) über eine Diskussionsmasche ///—///

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Die meisten Menschen werden das kennen.

Im persönlichen Umgang begegnen einem immer mal wieder solche Leute, die diese Verhaltensweise an den Tag legen: Plötzlich stehen sie vor einem, oft hochgradig wutentbrannt oder sonstwie mit der spürbaren Ausstrahlung von negativen Empfindungen, und stossen irgend eine Gemeinheit, Ruppigkeit und Boshaftigkeit aus.

Allerdings warten sie danach die Reaktion ihres Gegenübers nicht ab. Vielmehr drehen sie sich auf dem Absatz um und laufen davon. Bevor der dermassen Angepöbelte sich irgendwie zu diesem Anwurf äussern kann.

Bevor man seine Gedanken irgendwie ordnen könnte, um etwas dazu zu sagen.

Bevor man sich ein Benehmen in dieser Form etwas verbitten könnte. Bevor man irgendwie darauf reagieren könnte, ist das Gegenüber schon wieder entschwunden.

Mit dem eigenen Frust alleine

Sicher gibt es eine ganze Reihe von Erklärungen für solches Verhalten.

Natürlich hat es etwas damit zu tun, dass ein solcher Mensch charakterlich eher schwach ist und die sachliche Diskussion eher scheut. Das bringt ihn zu diesem Verhaltensmuster, meist sicher auch ohne dass er das ganz ausdrücklich und vorsätzlich geplant hätte. Diese verbalen „Terroranschläge“ müssen die Betreffenden sich dann eben nicht mehr besonders vornehmen. Vielmehr werden sie zu ihrem gewohnheitsmässigen Verhalten.

Längerfristig steckt dahinter allerdings ein klar erkennbares Bestreben. Das da lautet: Zermürbung des Gegenübers.

Ist man mit einem solchen Menschen auf Dauer konfrontiert – durch familiäres Zusammenleben, durch berufliche Partnerschaft oder am Arbeitsplatz -, dann wird man immer wieder dieses Erlebnis haben, dass man regelrecht mit Dreck beworfen wird, dass einem die schlimmsten Dinge unterstellt werden, dass einem die gemeinsten Vorwürfe gemacht werden.

Und bevor man darauf reagieren kann, bevor man um einen angemessenen Ton ersuchen, bevor man darauf etwas entgegnen kann, ist der „Werfer“ aber schon wieder verschwunden. Da ist er davongelaufen, das Telefon ist aufgehängt, die Sitzung ist beendet u.s.w.

Selber – als Geschädigter – bleibt man zurück mit dem eigenen Frust.

Man ärgert sich. Man regt sich auf. Je nach persönlicher Lage ist man möglicherweise auch recht verzweifelt. Man empfindet vielleicht Verachtung für einen Menschen, den man eigentlich lieben oder wertschätzen wollte. Man ist mit einer ganzen Palette von negativen Empfindungen befasst.

Und das alles, ohne dass der Verbal-Terrorist selber noch irgend etwas persönlich damit zu tun hätte.

Das Opfer macht sich selber fertig, indem es für sich alleine all den Frust bewältigen muss.

Die Wirkungsweise ist damit durchaus ähnlich dem politischen Terrorismus, wenn auch nur im kleinen. Mit einem vergleichsweise kleinen gewalttätigen Aufwand wird dafür gesorgt, dass die Opfer sich massiv bedroht fühlen und sich durch ihre Reaktionen selber schaden.

Ein „normaler“ Streit – ebenso wie ein militärischer Konflikt im politischen Bereich – würde dagegen ja beide Seiten schädigen. Ein echter Krach daheim oder am Arbeitsplatz geht selbstverständlich ebenso an die Substanz – aber eben von beiden.

Ziel der Sache

Beim verbalen Terroranschlag dagegen ist das Opfer häufig mit den eigenen auszehrenden Reaktionen beschäftigt, während der Täter keinen weiteren Aufwand damit hat. Schlimmer noch: Je nach der individuellen Lage des Opfers kann es auch längere Zeit dauern, bis es die den eigenen Frust bewältigt hat.

Falls dann der „Terrorist“ alle paar Tage wieder eine neue Aktion startet, die ihn selber nur wenig kostet, kann das darauf hinauslaufen, dass sein Gegenüber unter einer ständigen, nie endenden Beeinträchtigung zu leiden hat.

Obwohl dieses verbal-terroristische Benehmen im Alltag, wie gesagt, als Verhaltensmuster in die Charakterstruktur des Täters eingeht und so nicht eigentlich geplant ist, steckt dahinter trotzdem natürlich
ein klar erkennbares Ziel.

Der grundlegende Zweck besteht darin, jedes Gegenüber klein zu halten und zu schwächen.

Das kann nachvollziehbare Gründe haben wie z.B. ein eigenes Schwäche- oder Minderwertigkeitsgefühl. In diesem Fall ist der Verbal-Terrorist bestrebt, ein vermeintlich stark überlegenes Gegenüber zu beeinflussen und zu schwächen. Oft geht es auch nur darum, überhaupt einer Debatte mit jemandem aus dem Weg zu gehen, den man für überlegen hält.

Darüber hinaus deckt die Auswahl der denkbaren Gründe natürlich die gesamte Bandbreite von möglichen Gemeinheiten ab. Das reicht vielleicht von vielversprechenden Erfahrungen, die der Verbal-Terrorist im Laufe vieler Jahre damit gemacht hat, kurz angebundene Ruppigkeiten von sich zu geben und seine Opfer dann damit
alleine zu lassen. Bis hin zu einer wirklich boshaften sadistischen Charakterstruktur, der es Befriedigung verschafft, seine Mitmenschen zu quälen – besonders wenn sie überlegen erscheinen.

Wenn man persönlich mit so einem Verbal-Terroristen in seinem Leben konfrontiert ist, bringt es einen selber ganz und gar nicht weiter, im einzelnen über dessen Motive zu sinnieren.

Eher im Gegenteil: Je mehr man der Warum-Frage überhaupt nachgeht, desto mehr ist man alleine mit sich beschäftigt, weil man auch hier immer neue Problemkreise und negative Empfindungen bewältigt, die in erster Linie einen selber nur aushöhlen.

Selbstschutz

Wie aber schafft man eine wirkungsvolle Strategie, um sich selber zu schützen?

Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten.

Natürlich gibt es allgemeine Weisheiten wie der Umstand, dass man solchen Menschen von vorne herein am besten ausweichen sollte – insbesondere auch im Bereich des Privatlebens. Zeichnet sich also bei einer Person im eigenen Umfeld dieser Hang zum Verbal-Terrorismus ab, dann ist es besser, sich von ihr zu trennen.

Das ist aber nicht immer ohne weiteres möglich – schon gar nicht in all den häufigen Fällen, in denen man keine grosse Wahl hat.

Besonders tragische Formen kann dergleichen annehmen, wenn man etwa an Lehrer oder Eltern denkt, die ihren minderjährigen Kindern so begegnen. Auch hier haben die bedauernswerten Betroffenen kaum eine Möglichkeit, solchen Attacken auszuweichen. Was etwa soll ein Jugendlicher tun, wenn ihm von einem Erwachsenen Diebstahl, Betrug oder Körperverletzung unterstellt werden, und er dann nicht einmal Gelegenheit bekommt, von sich aus etwas dazu zu sagen?

Für den Erwachsenenalltag ist man wohl am besten beraten, wenn man sich in dieser Lage darauf besinnt, dass man selber der Mensch ist, den man am einfachsten verändern kann.

Und da der Verbal-Terrorismus darauf zielt, dass ich selber mich kaputt mache, habe ich die Möglichkeit, an mir selber so viel zu verändern, dass mir diese „Anschläge“ nicht mehr weh tun.

Hilfreich kann es sein, den Verbal-Terroristen in die Kategorie „Schachtelteufel“ einzureihen, ihn als „Schiessbudenfigur“ anzusehen, die man nicht für voll nimmt. Anstatt mit Aerger und Frust, mag einem selber viel besser geholfen sein, mit Belustigung und Kopfschütteln zu reagieren.

Nicht ganz von ungefähr kommt vielleicht auch, dass Generationen von ansonsten machtlosen Schülern so auf entsprechend veranlagte Lehrer reagierten. Mit schrägen Spitznamen, mit der Lächerlichmachung und mit Spott.

Je weiter man von der betreffenden Situation entfernt ist, desto mehr gelingt uns das schliesslich auch.

Wenn wir zum Beispiel hören vom Abteilungsleiter einer Grossbank, der sich in die Damentoilette seines Arbeitsplatzes stellte und dort laut rief, die Frauen sollten allesamt zurück an ihre Plätze und weiterarbeiten, um dann davonzurennen, dann reagieren wir mit dieser Belustigung.

Aber dazu braucht man eben etwas, zu dem jeder Mensch nur für sich und auf eigenen Wegen findet: die persönliche Distanz..

 

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Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
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