Achim H. Pollert: „Das ist aber nicht schön gemalt, Pablo…“

Achim H. Pollert (*) über Kunst und ihre Förderung ///—///

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Haben Sie das auch so erlebt?

Sie hatten als Kind etwas gezeichnet. Und als Sie es einem Erwachsenen zeigten, erhielten Sie den Kommentar: „Das ist aber nicht schön gemalt…“

Da waren dann die einzelnen Backsteine der Hausfassade ganz krumm gemalt, gar nicht so schön gerade gefugt wie in Wirklichkeit. Und das Grün und Blau stimmten nicht. Und überhaupt: So ein wüstes Bild von seiner eigenen Grossmutter zu zeichnen!

Ob die Mutter von Picasso dergleichen zum kleinen Pablo damals wohl auch gesagt hat?

Und dann natürlich das Erlebnis, als ich etwa zwölfjährig war und ein Onkel von mir in einem Ort irgendwo in den Bergen in einer Papeterie fragte, ob denn „der Picasso“, der da im Schaufenster stünde, „echt“ wäre. Selten habe ich als Kind einen erwachsenen Menschen so lange und hemmungslos lachen sehen wie die Inhaberin dieses Ladens damals.

Eine weitere Begegnung mit Kunst hatte ich dann, als ich erkannte, wie scheusslich die so enorm gepriesenen Machwerke der Nazis waren. Zunächst dachte ich seinerzeit, die Vorliebe für abscheuliche Kunst gehöre untrennbar zum Unmensch-Sein dazu. Das muss ich dann aber revidieren, als mir klar wurde, dass es in der Geschichte durchaus auch gemeingefährliche Drecksäcke auf dem Herrscherthron gab, die mit ihrem Kunstgeschmack vorbildlich und der Zeit weit voraus waren. Zudem sind all die einfachen Leute , die sich Kitsch aus dem Möbelhaus an die Wand hängen, keineswegs alles Unmenschen.

Und schliesslich das Beispiel des ewig grinsenden Unternehmers, eines menschenverachtenden Grosshändlers, der eine eigene Kunstsammlung unterhält und dort auch wieder peinliche Scheusslichkeit um Scheusslichkeit erwirbt. Beinahe schon wieder eine Bestätigung, dass die Liebhaber von Kitsch eben doch nicht ganz so charakterlich integer sein können – wie gesagt: wenn man es nicht besser wüsste.

TUN KUNSTFOERDERER EIGENTLICH GUTES?

Die Frage ist nicht einfach.

Und für Stammtischbrüder mag die Antwort auf der Hand liegen.

Natürlich kann man auf dem Standpunkt stehen: Jeder gemeinnützige Rappen, der für Kunst ausgegeben wird, ist verschwendet, solange irgendwo auf der Welt noch ein Mensch verhungert.

Mit diesem Gedanken allerdings gäbe es dann ein für allemal heute keine Kunst mehr.

Dann wäre Kunst als solches womöglich Ausdruck einer primitiven Gesellschaft, in der einfältige Machthaber-Ambitionen mehr als ein Menschenleben gelten. Ein Zeichen für Primitivität ähnlich wie, sagen wir, die Todesstrafe.

Wer weiss, ob die Förderung von Malereien und Bildhauereien mit den Ideen einer modernen Gesellschaft und ihren Vorstellungen von Gleichheit und Gemeinwohl überhaupt vereinbar wäre. Denn solange es Heerscharen von Arbeitslosen gibt, sonstige soziale Probleme, unerforschte Krankheiten, Investitionsbedarf in neue Technologien u.s.w. werden viele Menschen die Ansicht vertreten, gemeinnützige Millionenbeträge sollten eher für solche Zwecke ausgegeben werden anstatt für einen neuen Van Gogh im städtischen Museum.

Das gilt aber für jede Ausgabe, deren Nutzen nicht ganz auf der Hand liegt.

Der Bau eines Fussballstadions. Der Betrieb von öffentlichen Berufsschulen für Coiffeure. Subventionen für verschiedenste Wirtschaftszweige.

Stets wird sich jemand finden, der einen sinnvolleren Verwendungszweck zu kennen meint.

Tatsache ist allerdings, dass die Kunst etwas Urmenschliches ist. Von den steinzeitlichen Urwaldbewohnern bis zur absoluten High-Tech-Gesellschaft kennt der Mensch die Kunst. Und zwar nur der Mensch. Sie gehört mit zu seinen kennzeichnenden Aeusserungsformen.

Sie wird nur vom Menschen ausgeübt. Und sie kann nur von ihm erschlossen werden.

Somit wäre die menschliche Gesellschaft eben nicht das, was sie ist, wenn es darin keine Kunst gäbe.

Diese Feststellung genügt.

Eine weitere Begründung braucht es nicht: Alle, die die Kunst fördern, tun etwas Gutes, sofern sie Talente fördern und sofern sie ihre erworbenen Werke der Oeffentlichkeit zugänglich machen.

Dass Kunst häufig noch weiteren gesellschaftlichen Nutzen mit sich bringt, ist begrüssenswert, jedoch nicht Bedingung dafür, dass ein Kunstförderer sich gemeinnützig engagiert. Es braucht dafür keinen besonderen Zweck mehr wie z.B. die Therapie von Kranken:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kunsttherapie

oder Sinngebung für Kinder und Jugendliche (die so eben auch von der Strasse kommen):

http://www.kunsthaus.ch/de/kunstvermittlung/angebote-fuer-kinder/

oder auch die Kunst als Kapitalanlage

http://www.artinvestplus.com

SEKUNDAERMOTIVE

Möglicherweise hört die Gemeinnützigkeit der Kunstförderung dort auf, wo jemand private Sekundärmotive damit verbindet. Eben genau dort, wo jemand unbedingt Geld damit machen will, oder auch, wo es um die Angeberei geht, hört man auf, damit Gutes zu tun.

Da kann man – wie bei allen Anlageformen – sehr schnell und unüberschaubar viel Geld verlieren und ebenso auch gewinnen. Und da kann man sich als Betreiber einer Kunsthalle voll Kitsch sehr schnell den Ruf ruinieren und sich sehr lächerlich machen.

Wer sich allerdings von diesen Sekundärmotiven frei machen kann, dem winkt möglicherweise die wirkliche Unsterblichkeit. Nicht von ungefähr überdauern die Namen der verschiedensten Mäzene ihre eigene Lebenszeit bei weitem.

Wer Kunst fördern will, sollte also an der Kunst selber interessiert sein – und an nichts, was damit vielleicht als Nebeneffekt verbunden ist.

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Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
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