Achim H. Pollert: Wie lange geht die Welt schon unter?

Achim H. Pollert (*) über Wissen und Glauben ///—///

Kontakt zu Achim H. Pollert: http://texteservice.bplaced.net/

Geht es Ihnen auch so?

Auf der einen Seite sehe ich bei meinen Zügen durch Europa allerorten die Windräder in den Himmel wachsen. Besonders im nördlichen Teil, näher am Meer, wo der Wind heftiger bläst.

Einerseits ziemlich hässliche Gebilde, diese in die Höhe wachsenden weissen Phallus-Symbole, die so manche einst liebliche Landschaft verschandeln.

Anderseits gibt es da natürlich die menschliche Einsicht. Da wird Energie produziert, und der Wind bläst ja viel.

Und egal, ob es nun in Russland wieder mal einen Bürgerkrieg gibt und eine Seite die andere beschuldigt, sie hätte die Gas-Pipeline in den Westen zugedreht. Egal ob eine Terroristenbande die Meerenge von Hormuz in die Luft sprengt, so dass kein Oeltanker mehr hindurch kann. Egal ob sie sich nun im deutschen Bundestag nicht einig werden, ob man nun ein Atom-Kraftwerk abschalten soll oder nicht.

Der Wind bläst. Und Energie wird daraus gewonnen. Und irgendwann würde man das Andere dann gar nicht mehr brauchen.

Aber was das kostet!

Und dann kommt jemand und erzählt mir, dass diese Windräder ja nicht nur Energie erzeugen. Im Gegenteil: man muss ja auch Energie aufwänden, um diese Dinger zu entwickeln, herzustellen, da hin zu fahren, aufzustellen und zu warten.

Hat man auch nur ein einziges Mal einen Schwertransporter mit nur einem einzigen solchen Windrad-Flügel gesehen, dann fragt man sich natürlich schon, wie lange das Ding dann mit seinem bisschen Strom laufen muss, um alleine schon einmal die paar Hundert Liter Diesel einzuspielen, die der Lastwagen auf dem Transport verbrannt hat.

Für das eigene Haus, wo es um reine Geldbeträge geht, ist die Geschichte deutlich einfacher abzuschätzen. Wenn Leute Zehntausende ausgeben für Wärmepumpen, Solar-Anlagen u.s.w., um einen Tausender Heizkosten im Jahr zu sparen, dann ist das ein Verlustgeschäft.

Aber die Installation von Wärmepumpen und Fertigung von Sonnenkollektoren kostet ja nicht nur mich als Liegenschaftsbesitzer Geld sondern eben die Gesamt-Gesellschaft auch wieder Energie.

Wenn es finanziell schon eine Zuzahlung darstellt, stehen wir natürlich vor der Frage, ob es denn energieseitig ebenso ist, dass man anderthalb Liter Oel verbrennen muss, um einen Liter Oel zu sparen.

Dann müsste man neue konventionelle Kraftwerke bauen (Kernkraft, Kohle o.ä.), um die Gewinnung von Oeko-Strom zu ermöglichen.

Also doch besser gleich die konventionelle Energie direkt einsetzen?

Aber Oeko ist unendlich!

Immerhin sind die konventionellen Energieträger ja endlich, höre ich dann. Der Wind aber wird danach noch für viele Jahrmillionen auf der Erde blasen.

Im Prinzip ein unendliches Reservoir an Energie!

Und irgendwo heisst es dann, dass die Sonne an einem einzigen Tag den Welt-Energiebedarf von acht Jahren abgibt. Man könnte also mit einer Kollektorenfläche von 200 mal 200 Kilometer in der Sahara den Jahresbedarf decken.

Dann aber denke ich an den Vertreter der klassischen Energiewirtschaft, der vor einigen Jahren an einer Podiumsdiskussion einräumte: „Natürlich sind die konventionellen Energieträger endlich. Aber im 21. Jahrhundert wenigstens wird es keine Versorgungsengpässe geben.“

Damit meinte er vor allem, dass die Lichter nicht ausgehen, wenn wir uns über die kommenden Jahrzehnte mit der Entwicklung von erneuerbaren Energieformen befassen, die eine bessere Ausbeute bieten als meine Windräder von heute.

Oder waren das Aussagen von einem Wirtschafts-Lobbyisten, und er der Eindruck stimmt doch, der uns in der Berichterstattung vermittelt wird, dass die fossilen Energieträger eben in wenigen Jahren zur Neige gehen?

Das gute Klima

Bei allem gutem Einvernehmen im europäischen Mächtekonzert unserer Tage ist es dann natürlich so, dass Frankreich zum Beispiel gerne darauf verweist, das Klima mit wenig CO2 zu belasten. Denn in Frankreich wird ein beträchtlicher Teil der Energie durch Atomkraftwerke erzeugt. Und die stossen bekanntlich kein Kohlendioxyd aus und belasten somit das Klima nicht.

Kontakt zu Achim H. Pollert: http://texteservice.bplaced.net/

Nein, halten dann sofort Stimmen aus Deutschland dagegen, die dann wieder darauf verweisen, dass ja durch den Bau eines AKW schon viel mehr CO2 freigesetzt wird als bei der Erzeugung der gleichen Energiemenge in einem konventionellen Kraftwerk.

Also doch lieber auf die Atomkraft verzichten? Im Interesse von Umwelt- und Klimaschutz?

Und wie ist es mit dem Argument, dass man gerade bei der Windkraft nicht so richtig etwas einsparen kann? Denn mitten im Winter kann es diese Tage geben, an denen allerdings nicht das kleinste Lüftlein bläst – oft ausgerechnet an diesen klirrend kalten, klaren Tagen, an denen man die Energie am nötigsten braucht. Und deshalb kann man keine einzige der Kraftwerks-Dreckschleudern links und recht neben den Windrädern still legen.

Und wie steht es mit den Wissenschaftlern, die behaupten, dass es auf der Erde über die Jahrtausende immer schon langfristige Klimawandlungen gegeben hat, schon lange bevor der Mensch mit seinem CO2 und Methan auf den Plan getreten ist?

Ich nehme somit wirklich an, es geht Ihnen ähnlich wie mir.

Man weiss nicht so recht, was man glauben soll. Und, schlimmer noch: Man fühlt sich nicht zuverlässig informiert.

Die Lust am Untergang

Zunächst einmal „leiden“ wir alle schon lange an der Lust am Untergang. Möglicherweise gehört dieser Pessimismus mit zu den Grundlagen der Zivilisation. Immerhin gehen die grundlegenden Mythen aller grossen Zivilisationen ja von der Endlichkeit allen Diesseitigen aus und somit vom Untergang der Welt.

Es war die Ozonschicht in den 70er Jahren, die sich durch den ständigen Ausstoss von FCKW so rasend schnell auflöste, dass wir alle schon in wenigen Jahren an Hautkrebs versterben würden. Und in den 80er Jahren war es der saure Regen. Damals entnahm das Schweizer Fernsehen in einer Informationssendung eine Probe im Wald und vermittelte einem Publikum vor den Bildschirmen den Eindruck, der Waldboden wäre so sauer wie Essig.

Und die Angst vor dem Unfall im Kernkraftwerk ging um. Damals gefielen sich viele der neu entstehenden Grünen-Bewegung mit der Behauptung, die Steinkohle würde ohne weiteres noch tausend Jahre reichen. Man brauche also die Atomkraft nicht.

Die Aelteren werden sich noch gut an diese Debatten um die Ozonschicht und den sauren Regen – und manch andere Katastrophe – erinnern.

Die Lust daran war gross.

Und man könnte allenfalls auch vermuten, dass die Information darüber nicht allzu fundiert war, nachdem die meisten der als unausweichlich prognostizierten Schäden von damals bis heute immerhin noch nicht eingetreten sind.

Natürlich: Man könnte dem entgegenhalten, dass manches davon auch eingetroffen wäre, hätte es die Warnungen nicht gegeben. Aber auch das wären ja schon wieder nicht so recht überprüfbare Behauptungen. Quasi eine rückwirkende Lust am Untergang, und zwar dem ausgebliebenen.

Wie gesagt: Was man glauben soll, ist zumindest unsicher… und wie das Beispiel vom Klima und vom Wetter belegt, auch einigermassen verwickelt und verworren.

Was wir brauchen, ist

Wissen

Denn ein wichtiger Grund dafür, dass wir bei dieser Lust am Untergang nicht recht einschätzen können, was wir glauben sollen, ist einfach der, dass wir nicht genug wissen.

Dass wir vor allen Dingen oft nicht wissen, was „man“ weiss.

„Man“ hat schon in der Antike gewusst, dass die Erde die Gestalt einer Kugel hat, und niemand hat Kolumbus deshalb ausgelacht. „Man“ weiss natürlich seit vielen Jahrtausenden, dass der Tag in Zürich länger ist als in Oslo. Aber wie viele einzelne von uns das dann auch wirklich präsent haben, zeigt sich immer dann, wenn die Menschen im TV-Quiz die 32,000-Euro-Frage beantworten sollen.

Ob das nun daran liegt, dass es uns von unfähigen Lehrern nicht beigebracht wurde. Ob es daran liegt, dass wir selber uns einfach nicht dafür interessiert haben. Das möge offen bleiben.

Und ob es bei alledem eine Parallele gibt zwischen dem verbreiteten Nichtwissen, der menschlichen Zivilisation, den geliebten Prognosen vom Weltuntergang und der Religion, das wäre ein schönes Forschungsthema für einen Kulturanthropologen.

Dass man uns zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in verschiedenen Zusammenhängen den Untergang prognostiziert (Einschlag des Kometen, Explosion der Yellowstone-Caldera, Atomwaffen allüberall u.s.w.), daran werden wir wahrscheinlich nicht viel ändern.

Inwieweit wir es glauben müssen, bleibt dabei aber uns selber überlassen.

Wirklich begegnen können wir dem allem nur, wenn wir uns möglichst präzises und objektiv nachvollziehbares Wissen aneignen.

Und dafür leben wir gottseidank in der richtigen Zeit.

Wer sich z.B. aus dem Web möglichst objektive Informationen besorgt hat, weiss dann schon mehr… und muss weniger glauben.

Weder an manchen Spruch aus dem abendlichen Wetterbericht, noch an das nahende Weltende.

Und Sprüche sind das doch… solange sie nicht mit objektiven Fakten unterlegt werden können.

Nicht wahr?

Kontakt zu Achim H. Pollert: http://texteservice.bplaced.net/
Ghostwriter Ghostwriting akademisch Ghostwriting Ghostwriter Ghostwriting Diplomarbeit Ghostwriter Ghostwriting zuverlässig Ghostwriter Ghostwriting preiswert Ghostwriter Ghostwriting diskret Ghostwriter Ghostwriting Master

Advertisements

Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
Dieser Beitrag wurde unter Eine kleine Denkschule veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.