Achim H. Pollert: Geltung oder Liebe?

Achim H. Pollert (*) über ein Element der Menschenführung ///—///

Kontakt zu Achim H. Pollert: http://texteservice.bplaced.net/

Es ist eine Sache der persönlichen Veranlagung des Charakters.

Und wahrscheinlich wird man auch objektiv nicht sagen können, das Eine wäre besser, und das Andere wäre schlechter.

Was oft gar nicht so sehr auf der Hand liegt: Menschen streben nach unterschiedlichen Zielen. Und an diesen Zielen kann man als Führungsverantwortlicher die eigenen Führungstechniken ausrichten.

Die Schwierigkeit beginnt dort, wo man einem Arbeitnehmer etwas bietet, an dem diesem vielleicht nicht allzu viel gelegen ist. Denn dann entsteht dort vielleicht eine Motivationslücke.

Es gibt dabei zwei Grundzüge menschlichen Strebens.

Einerseits gibt es Menschen, die danach streben, geachtet, respektiert, angesehen, mitunter wohl auch gefürchtet zu werden Es sind dies die Menschen, die nach Geltung streben.

Und daneben gibt es – wie meistens, wenn es um die Einschätzung von Charaktertypen geht – einen Gegentyp. Es handelt sich dabei um Leute, die von ihren Mitmenschen geliebt werden wollen. Bei ihnen steht ein persönliches menschliches Verhältnis im Vordergrund mit dem Wunsch, positiv aufgenommen und gefühlsmässig eingebunden zu werden.

Beides ist uns als grundlegendes menschliches Streben nicht fremd.

Denkt man diesen grundlegenden Ansatz in seinen Konsequenzen fort, dann hängen daran weitere Verhaltensweisen, die man ebenfalls aus dem alltäglichen Umgang mit Menschen kennt, die man aber nicht immer ohne weiteres einordnen kann.

„Geld gegen Liebe“

So etwa ist der „Liebes-Typ“ durchaus gerne bereit, sich auf diesen Handel „Geld gegen Liebe“ einzulassen. Das mag sich im privaten Rahmen allenfalls in einer „Spendier-Mentalität“ äussern gegenüber jenen, die einem besonders sympathisch sind. Auch mag es – weniger positiv – in einer besonderen Ansprechbarkeit für Prostitution zu Tage treten.

Solche Menschen sind bestrebt, ihren Mitmenschen Gutes zu tun, einfach nur dafür, dass man einander sympathisch ist. Ohne sonstige Hintergedanken und ohne längerfristige Profitplanungen.

Uebersetzt in den Arbeitsalltag heisst dies auch, dass ein solcher Mensch ohne weiteres auch bereit ist, geldwerte Gegenleistungen zu erbringen, einfach für nichts weiter als das Gefühl von Freundschaft und Sympathie. Da wird dann jeweils eine Arbeit mit Rat und Tat unterstützt, wenn der „Freund“ damit überfordert ist und man ihm nur auch das Leben ein wenig leichter machen kann.

Da wird allenfalls auch einmal eine Stunde länger im Büro geblieben, wenn man damit für den „Freund“ ein Problem lösen kann.

Und so weiter. Und so fort.

Zufrieden ist der „Liebes-Typ“ jeweils damit, dass man ihn liebt. Beziehungsweise dass man sein Freund ist.

Mehr noch: Schlussendlich ist es das einzig wirkliche Element, das er anstrebt. Und letztlich ist es die ganz grosse Motivation für ihn. Denn diese persönliche Zuwendung durch das Gegenüber ist das, was diesem Menschen Sinn in seinem Leben gibt.

Für andere Motivationen ist er weniger empfänglich.

Anerkennung…

Wenn es nur so einfach wäre, dass alle Menschen gleich veranlagt sind…

So einfach ist es nun aber nicht. Denn wie schon oben erwähnt, gibt es zu diesem nach Liebe strebenden Charakter einen Gegentyp. Einem solchen Menschen sagt es zunächst einmal eher wenig, von einem anderen geliebt zu werden.

Persönliche Zuwendung, Freundschaft, das Gefühl der Verbundenheit sind hier kaum zur Motivation zu gebrauchen. Denn danach sehnt sich dieser nach Geltung strebende Mensch nicht.

Die Anerkennung, die besondere Achtung, womöglich gar die Ehrfurcht seiner Mitmenschen, das ist es, wonach der „Geltungs-Typ“ strebt.

Für ihn ist das Gefühl, geliebt zu werden, kaum besonders interessant und erstrebenswert. Ob er menschlich abgelehnt wird, bedeutet ihm nicht wirklich etwas – solange er etwa durch äussere Bedingungen seiner Umwelt auch aufgezwungen wird.

Stellt er fest, dass er von einem anderen Menschen geliebt wird, so geht sein Bestreben in die Richtung, diese ihm entgegengebrachte Sympathie in echte materielle Vorteile umzumünzen. Er will also nicht eigentlich geliebt werden, sondern die Vorteile daraus haben, dass er geliebt wird.

Es ist dann auch hier, wo sich die beiden Typen begegnen und ergänzen. Einerseits der „Liebes-Typ“, der bereit ist, geldwerte Leistungen für die entgegengebrachte Sympathie zu erbringen, und auf der anderen Seite der „Geltungs-Typ“, der ganz genau hinter dieser Leistung her ist, für die er „nichts weiter als ein bisschen Liebe“ geben muss.

In ihrer extremen Ausprägung werden die beiden einander auf lange Sicht allerdings stets enttäuschen. Denn weder erhält der „Liebes-Typ“ die aufrichtige Zuneigung von seinem Gegenüber, noch erhält der „Geltungs-Typ“ von ihm die echte Hochachtung von ihm.

Der nach Geltung strebende Mensch ist motivierbar durch das äusserlich Sichtbare.

Ein möglichst imposanter Titel etwa. „Direktor“ anstatt Abteilungsleiter. „Generalbevollmächtigter“ anstatt Direktor. „Direktionspräsident“ anstatt Geschäftsführer.

Oder immer mal wiederkehrende öffentliche Ehrungen. Von Dank erfüllte Jubiläumstexte. Auszeichnung zum „Mitarbeiter des Monats“.

Immer mal wieder etwas, das wie eine Beförderung aussieht (auch wenn es sich nur um den Zusatz von „Haupt-„, „Chef-„, „Ober-“ u.ä. zum schon bestehenden Titel handelt).

Setzt man diese Annahme von diesen beiden gegensätzlichen Grundtypen voraus, dann werden gänzlich irrationale Verhaltensweisen plötzlich nachvollziehbar.

Warum wird dann etwa der Vorgesetzte – der auf eigene Rechnung arbeitende Freiberuflich sogar – ärgerlich und ungeniessbar, wenn er bei einem Angestellten besondere Fähigkeiten und Begabungen feststellt?

Anstatt froh zu sein über dieses zusätzliche Leistungspotential, wird ein geltungsorientierter Chef sich möglicherweise in ein Konkurrenzverhältnis gedrängt sehen. Und da er selber um sein Ansehen mehr besorgt ist als um den wirtschaftlichen Erfolg, wird er auf Spitzenleistungen seiner Arbeitnehmer eher sauer reagieren.

Warum wird jemand bei seiner Arbeit um so nachlässiger, je genauer er weiss, dass jeder seiner Arbeitsschritte kontrolliert wird?

Ein an Liebe orientierter Mensch, dem die Angst vor Blossstellung und Imageverlust eher fremd ist, wird solche zusätzlichen Kontrollen womöglich als ergänzendes Element der Sicherung auffassen. Soll heissen: Wenn hinterher noch mehr kontrolliert wird, kann weniger schiefgehen. Und somit braucht man es selber nicht mehr ganz so genau zu nehmen.

Und viele weitere Beispiele belegen dies.

Zwei Fragen

Tatsächlich stellen sich für alle Führungsverantwortlichen – womöglich für alle Geschäftsleute überhaupt – zwei grundsätzliche Fragen.

Die eine lautet: Wie bin ich selber veranlagt?

Und die andere: Wie ist mein Gegenüber veranlagt?

Daraus lassen sich viele Verhaltensregeln ableiten.

Ganz und gar nicht nur bei der Personalführung.

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Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
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