Achim H. Pollert: Die Simpel und das Grundeinkommen

Achim H. Pollert (*) über mögliche Sozialpolitik

— /// —

http://www.pinwand.ch/Ghostwriting-148719.aspx

Gerade wird es wieder diskutiert.

Das gesellschaftlich garantierte Grundeinkommen.

Jeder Mensch soll anstatt des Existenzminimums einer Sozialhilfe ein bedingungsloses Einkommen erhalten, das ihn vom eigentlichen Zwang einer Erwerbstätigkeit befreit. Dabei gäbe es weder die Prüfung der Bedürftigkeit noch die Forderung danach, zur Arbeit bereit zu sein.

Die Idee als solche ist alt. Der englische Humanist Thomas More hat uns mit seinem Roman „Utopia“ die Vorstellung einer idealen Gesellschaft geliefert, und zumindest hat er unsere moderne Sprache mit dem Wort der Utopie bereichert. In seinem 1516 erschienen Werk redet More davon, allen Menschen einen Lebensunterhalt auszuzahlen, um so dem Diebstahl vorzubeugen.

Möglicherweise ist More ein sehr primitiver Mensch gewesen. Dafür, dass man zugleich hochintelligent und ein primitiver Charakter sein kann, gibt es in der Geschichte reichlich Belege. So etwa rät More in seinem Werk auch, junge Leute sollten, bevor sie heiraten, einander nackt gezeigt werden. Damit könnten spätere Enttäuschungen während der Ehe ausgeschlossen werden. Wie gesagt: menschlich sehr primitiv…

Der Gedanke des Grundeinkommens wurde dann von den unterschiedlichsten Philosophen und Wirtschaftswissenschaftlern immer mal wieder aufgegriffen. Darunter finden sich politisch linke (z.B. Erich Fromm) ebenso wie rechtsbürgerliche Denker (z.B. Milton Friedman).

Sehen wir einmal von der politischen Aktualität in der Schweiz ab. Tatsache ist, dass der Gedanke in einer Zeit eine eigene Brisanz hat, in der es auch in vielen entwickelten Staaten zunehmend Bagatellverdiener, „Working poor“ gibt.

Der alleinerziehenden Mutter, die beim Discounter Regale einräumt und dabei nicht genug verdient, um den Unterhalt für sich und ihre Kinder zu bestreiten – dabei wegen der maroden Arbeitsmarktlage noch froh sein muss, überhaupt Arbeit zu haben -, wäre mit einem bedingungslosen Grundeinkommen sehr geholfen.

Natürlich.

Wir alle wissen aus dem Bauch heraus, dass das Ganze nicht funktioniert.

Aber es ist gar nicht einmal so einfach, Gründe dafür zu finden, warum es nicht funktioniert.

Am Anfang steht die Frage nach der Bürokratie.

Wer setzt fest, was „existenzsichernd“ ist? Sind z.B. 2,000 Franken monatlich in der Schweiz heute existenzsichernd? In Zürich ebenso wie im Jura? Für einen 18-jährigen Jungangestellten ebenso wie für einen 60-jährigen Intellektuellen?

Was passiert mit denjenigen, die mit diesem Grundeinkommen nicht über die Runden kommen? Bekommen die zusätzlich dazu noch Sozialhilfe?

Ist das Grundeinkommen zweckgebunden? Dürfen mit dem Geld nur Mieten, Lebensversorgung, Basis-Kleidung, Lebensmittel u.s.w. gekauft werden? Und wer bestimmt, was der Mensch denn nun wirklich zum Leben braucht?

Darf ein Handwerker sein Grundeinkommen verpfänden, um in seinem Betrieb eine neue Maschine zu kaufen, die er für die Arbeit braucht? Darf ein junger Mensch, der in die erste eigene Wohnung einzieht, sein Grundeinkommen verpfänden, um sich Möbel zu kaufen?

Wenn nein: Muss der Handwerker seinen Betrieb schliessen, obwohl er eigentlich Geld zur Ueberbrückung hätte? Oder muss da ein weiterer öffentlicher Fonds geschaffen werden, der einspringt?

Und wenn ja: Was passiert, wenn solche Kredite nicht zurückgezahlt werden? Wovon leben die Menschen dann, wenn sie ihr Grundeinkommen verpfändet haben?

Falls beim einen oder anderen etwas von dem Grundeinkommen etwas übrig bleibt, dürfte der das sparen? Und dürfte der einen Zinsertrag daraus beziehen?

Es zeichnet sich in der Tat eine sehr lange Latte von Sachverhalten ab, die im einzelnen zu regeln wären. Ein Regelwerk, das viele angrenzende Bereiche mit in seinen Sog reisst (Konkurs- und Insolvenzrecht, Arbeits- und Pensionsrecht, Versicherungs- und Haftungsrecht, Niederlassungs- und Wohnsitzrecht u.s.w., u.s.f.).

Mit diesem Wohlfahrtsregelwerk wäre dann vielleicht die grösste Zahl der möglichen Fälle vorgeschrieben, aber noch nicht gesagt, wie diese im Einzelfall umzusetzen sind. Müsste da z.B. neues Geld gedruckt werden, quasi als Gutscheine, mit denen man nicht im Spielsalon spielen, kein Ticket für das Fussballstadion kaufen und keine Prostituierte bezahlen kann? Oder würden Grundbedarfsanbieter (Lebensmittelproduzenten, Vermieter u.s.w.) besondere Betreibungsrechte bekommen, um Forderungen auf dem Grundeinkommen durchsetzen zu können? Und musste das Ganze von einer Verwaltung kontrolliert und gelenkt werden?

Ein bürokratisches Monstrum, gegen das die Sozialbürokratie der heutigen EU-Staaten ein Dreck wäre. (Und das will etwas heissen…)

Kontakt zu Achim H. Pollert:  http://texteservice.bplaced.net

Gewichtiger ist daneben m.E. noch ein ganz anderer Aspekt.

Jede Gesellschaft und jede Einrichtung in einer Gesellschaft ist immer auch Selektionsinstrument. Das kann explizit sein (z.B. die ehemaligen Apartheid-Gesetze in Südafrika), und kann implizit sein (wie z.B. die frühere stillschweigende Uebereinkunft, dass kein ausländischer Staatsangehöriger bei einer Schweizer Bank in den Direktionsrang befördert wird).

Geht eine Gesellschaft bei solchen Selektionshürden von falschen Annahmen aus, dann wird sie daran zugrundegehen. Beste Beispiele: Die Adelsgesellschaften den Ancien Régime ebenso wie die verschiedensten rassistischen Ansätze der Neuzeit.

Von welchem Menschen- und Arbeitsbild geht eigentlich die Einrichtung des bedingungslosen Grundeinkommens aus?

Ausgegangen wird hier vom geltungsbedürftigen Menschen, der einer Arbeit nicht deshalb nachgeht, weil er Geld zum Leben braucht, sondern der andere Ziele und Zwecke damit verfolgt.

Denn Grundeinkommen hin, Grundeinkommen her… die Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass die Arbeiten, die anfallen, getan werden. Und – noch wichtiger – sie ist darauf angewiesen, dass möglichst viele intelligente und begabte Menschen einen möglichst hohen Beitrag leisten.

Spätestens hier setzt eine negative Selektion ein.

Freiwillig soll ich als intelligenter Mensch mich also in durch eine zähe, unangenehme, von Plattitüden gekennzeichnete Schule und Hochschule quälen.

Freiwillig soll ich als intelligenter Mensch meinen Wohnsitz wer weiss wohin verlagern mit allen damit verbundenen Widrigkeiten, weil dort die Chancen in meinem Job besser sind.

Und das alles für das gute Gefühl, eine anerkannte Persönlichkeit zu sein. Oder dafür, dass man einen wertvollen Beitrag zum Ganzen leistet.

Schlimmer noch: Freiwillig soll ich als intelligenter Mensch mir von einem Arzt sagen lassen, ich könnte nicht in die Pensionskasse eintreten, weil ich Uebergewicht habe. Freiwillig soll ich als intelligenter Mensch morgens und abends an einer Stempeluhr stechen zur Zeiterfassung, akribisch überwacht. Freiwillig soll ich als intelligenter Mensch mir im Appartement-Haus meines Arbeitgebers mir gefallen lassen, dass der Hauswart in meiner Abwesenheit meine Wohnung kontrolliert, ob ich sie auch sauber und ordentlich halte.

Und das alles, wenn ich es genausogut bleiben lassen könnte? Wenn sowieso jeden Monat vom Bund die Ueberweisung kommt, die ich zum Leben brauche.

Ich male z.B. ganz gerne und auch leidlich gut… das ist schliesslich auch eine Arbeit. Nur: Wenn ich male und dabei nicht gross darauf achten muss, ob jemand meine Bilder kauft, wer schreibt dann all die Texte von mir, die für manchen Menschen auch Rettung in der Not darstellen?

Natürlich würde ich nicht einfach am Seeufer sitzen, grillieren und mir den Kopf vollsaufen. Natürlich würde ich etwas Sinnvolles tun. Auch wenn ich von Staats wegen genug Geld hätte, so dass ich das Einkommen nicht brauche.

Aber ob ich einen intellektuell brauchbaren Beitrag zur Gesellschaft leisten würde? Einen Beitrag, der neue Werte schafft in dieser Gesellschaft?

Würde ich mich deshalb freiwillig in einem Berufsumfeld tagtäglich von den übelsten Pfeifen demütigen lassen? Mich von inkompetenten Vorgesetzten belügen lassen? Bei Beförderungen übergehen lassen?

Das habe ich selbst in den Zeiten, in denen ich auf das Einkommen angewiesen war, nicht allzu lange mitgemacht.

Insgesamt müsste dann die Gesellschaft schon sehr frühzeitig auf einen Beitrag von Leuten wie mir verzichten.

Warum sollte ich mich hinsetzen und unter wochenlangem Stress den für Sie lebenswichtigen Text verfassen, wenn ich die paar tausend Franken nicht brauche, die Sie mir dafür zahlen? Ich könnte doch genausogut ein paar erotische Gedichte an die eine oder andere neue Angebetete schreiben…

Und dann natürlich noch die abschliessende Frage: Warum sollten Professoren, Vorgesetzte, neidische Arbeitskollegen, Hauswarte, Aerzte u.s.w. mir das eigentlich alles antun? Warum sollten die nicht auch sich selber ein bisschen zur Ordnung rufen und sich etwas besser überlegen, was sie sagen?

Eigentlich ganz einfach: Sie riskieren ja nicht wirklich etwas, schon gar nicht ihre Existenz. Aehnlich wie ich mir in meinem bisherigen Lebenslauf viel nicht habe gefallen lassen, müssten die alle ja auch viel weniger Rücksicht nehmen.

Die negative Selektion eben.

— /// —

Kontakt zu Achim H. Pollert:  http://texteservice.bplaced.net


Ghostwriter wissenschaftliches Ghostwriting Auftragsschreiben

Texte

journalistische Texte

Werbetexte

billiges Ghostwriting

preiswert
Ghostwriter Ghostwriting akademisch Ghostwriting Ghostwriter Ghostwriting Diplomarbeit Ghostwriter Ghostwriting zuverlässig Ghostwriter Ghostwriting preiswert Ghostwriter Ghostwriting diskret Ghostwriter Ghostwriting Master

Advertisements

Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
Dieser Beitrag wurde unter Gebrauch der Sprache, Ghostwriting, Politische Texte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.