Achim H. Pollert: Die Saldoklausel

Achim H. Pollert über eine Wortwahl im Geschäftsleben

— /// —

Kontakt zum Ghostwriter:  http://texteservice.bplaced.net

Verträge sind verbindliche Abmachungen zwischen zwei Parteien.

Und bekanntlich muss man sich an Verträge auch halten. Es gibt einzelne Fälle, in denen das Gesetz für bestimmte Verträge Schriftlichkeit vorschreibt. Aber ansonsten gilt, dass man zu seinem Wort zu stehen hat – per Handschlag auf dem Schrottplatz genauso wie wenn der Vertrag von zwei Top-Anwaltskanzleien ausgearbeitet wurde und fünfhundert gedruckte Seiten umfasst.

Das mag vielen Menschen nicht bewusst sein. Und so mancher Handelslehrer und Jura-Professor mag gerne darauf herumreiten.

Aber natürlich wissen wir, dass ein „richtiger“ Vertrag immer nur dann so richtig „wasserdicht“ ist, wenn er schriftlich fixiert ist. Zwar sind es letztendlich – und immer wieder – nur die Gauner, die sich im „Ernstfall“ darauf berufen, dass der Vertragspartner das alles nicht beweisen könnte.

Aber wenn wir nur mit den ehrlichen und anständigen Menschen Geschäfte machen wollten, dann käme die Wirtschaft möglicherweise schnell zum Stillstand. Und wenn wir uns darauf verlassen wollten, dass das durchschnittliche Gericht fähig genug ist zu erkennen, wer ein anständiger Mensch ist und wer ein schräger Vogel, dann auch.

Bei einem Vertrag, bei dem es ernsthaft um etwas geht, ist deshalb in der Praxis anzuraten, ihn schriftlich zu fixieren. Vor allem auch ist daran zu denken, dass ja meist nicht nur die eigentliche Hauptsache, sondern eine ganze Reihe von weiteren Punkten besser klar geregelt sind.

Gerade auch im Geschäftsleben beginnt das schon bei der ganz einfachen Fragen, wer denn überhaupt die Vertragspartner sind. Ein Beispiel: Oft sind nämlich die, die da sitzen und etwas vereinbaren, nur Handlungsbevollmächtigte.

https://textepollert.wordpress.com/2012/07/10/achim-h-pollert-uber-die-unnaturlichen-personen/

Je eindeutiger man die einzelnen Vertragspunkte regelt, desto weniger läuft man Gefahr, Opfer des berüchtigten Richter-Rechts zu werden:

https://textepollert.wordpress.com/2010/10/25/achim-h-pollert-das-richter-recht/

Die Schriftform ist also grundsätzlich anzuraten, wenn der Gegenstand etwas von ausreichender Bedeutung ist.

DAS MÜNDLICHE GILT TROTZDEM!

Da sollen natürlich Rechte und Pflichten für beide Vertragsparteien niedergeschrieben werden, Fälligkeitsdaten, Sanktionen der Nichterfüllung von Vertragsklauseln u.s.w.

Der Haken daran ist: Auch wenn man einen solchen schriftlichen Vertrag hat, haben mündliche Abreden prinzipiell dieselbe Gültigkeit.

Einfach nur weil man schriftlich etwas niedergelegt hat, heisst das NICHT, dass all die anderen Vereinbarungen – dahinter und daneben – deshalb nicht gelten.

— /// —

Kontakt zum Ghostwriter:  http://texteservice.bplaced.net

 

Wer also irgendwo sitzt und schnell das Besprochene ins Laptop hackt und ausdruckt, um es von beiden unterschreiben zu lassen, ist deshalb noch nicht auf der sicheren Seite.

Denn es könnte ja wirklich sein, dass man sich hinterher noch auf etwas Zusätzliches verständigt hat. Wenn eine solche Zusatzklausel nachträglich mündlich vereinbart wurde, dann ist sie gültig. Wenn das unter Zeugen geschehen ist, dann ist sie auch vor Gericht beweisbar.

Deshalb darf man in keinem schriftlich fixierten Vertrag die

SALDOKLAUSEL

vergessen.

Erst dann ist der schriftliche Vertrag so richtig wasserdicht.

So eine typische Saldoklausel würde etwa lauten:

„Der vorliegende Vertrag enthält alle Abreden. Mit seinem Vollzug erklären sich die Parteien als per Saldo aller Ansprüche auseinandergesetzt. Aenderungen bedürfen der Schriftform.“

Ein wenig hölzern und ungelenk formuliert mag dieses Beispiel schon sein. Für den Geschäftsalltag indessen reicht es aus.

Erst mit einer solchen Klausel, in der die eigentliche Schriftform als die einzig verbindliche Abrede festgehalten wird, ist man sicher vor Anderslautendem.

Also nie vergessen…

Enthält ein Vertrag diese Saldoklausel, dann braucht man schon weniger Angst zu haben vor dem einen oder anderen Gauner, der einem zwangsläufig auf der freien Wildbahn der Geschäftstätigkeit über den Weg läuft.

Und vor dem einen oder anderen inkompetenten Gericht auch.

— /// —

Kontakt zum Ghostwriter:  http://texteservice.bplaced.net

Advertisements

Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines Management, Gebrauch der Sprache, Ghostwriting veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.