Achim H. Pollert: Der Goofy

Achim H. Pollert (*) über Doktorgrade und das menschliche Niveau

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Sicher.

Es begegnen einem so viele Witzfiguren im Leben… wer weiss, vielleicht ist man selber gar für so manchen Zeitgenossen eine Witzfigur.

Und Goofy war eine solche Witzfigur.

So ein Kleiner. Nicht allzu viel Flaum auf dem Eierkopf. Irgendwie schien er verwachsen, oder steckte wenigstens immer in einem so schlecht sitzenden Anzug, dass er so aussah. Und verformt war auch der Mund, irgendwie so, dass er das S in der Kehle wie ein weiches CH aussprach, was auch spritzte, so dass er um den Mund herum immer so ein bisschen feucht war. Und auch so merkwürdig rot gefärbt. Darüber dann noch die goldfarbig gerahmte Brille, die so aussah, als würde sie ihm jeden Moment aus dem Gesicht fallen.

Warum er Goofy hiess, das wusste niemand mehr. Der Spitzname hatte sich von Jahrgan erhlten Goofy hiess er schon seit Schüler-Generationen. Denn er war Lehrer.

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Und wie das so ist bei Lehrern, die so einen Spitznamen haben; man konnte viel beobachten, wie sich die Leute über ihn lustig machten. Vor allem die Schüler der älteren Jahrgänge. Wir allerdings nicht. Wir waren noch klein.

Und wie es so ist bei Lehrern, die wahrscheinlich individuell durch ihre ganz persönliche Hölle gehen: Wer schwächer war, beispielsweise weil er Kind war, musste schon auch etwas aufpassen bei dem Goofy. Denn natürlich neigte er zu erheblichem Jähzorn. Irgendwo musste er ihn ja wohl auch loswerden, all seinen Frust und sein Leiden darunter, dass er eine Witzfigur war.

Sein Leiden auch darunter, dass er daran nichts zu ändern vermochte.

Und wohl auch sein Leiden darunter, dass er überhaupt darunter litt.

Da konnte er schnell einmal sehr willkürlich werden, Dinge anordnen, die unwürdig waren, das geltende Schulrecht missachten und schon heftig herumplärren, die Kinder anschreien und demütigen, wenn eins von ihnen den Mumm aufbrachte und sich erlaubte, darauf hinzuweisen, dass dieses oder jenes nicht so in Ordnung wäre.

Wenn der Oberkörper sich so nach vorne schob, der Blick hinter der starken Brille sich senkte, die rote Unterlippe samt Kinn noch roter und feuchter wurde, dann musste man aufpassen – wenn man nicht schon etwas älter war und die 1.70 erreicht hatte. Auch wenn gerade nichts war, vielleicht einfach nur Montag, und der Goofy hatte am Wochenende etwas Unerfreuliches erlebt.

Da konnte man ohne weiteres auch einmal eine Maulschelle einfangen, wobei dergleichen damals zu der Zeit nicht einmal als Problem erkannt worden war. Im Zusammenhang mit Maulschellen konnte es schon auch passieren, dass unbeteiligte Dritte dazu sagten: „Schade für jede, die danebengeht…“

DER GROSSE BONZO

Ein ganz anderer Aspekt blieb in jenen Jahren völlig unberücksichtigt.

Da sollte man also in der Schule darauf vorbereitet werden, später einmal Leistung zu erbringen. Da sollte man Verantwortung übernehmen. Da sollte man der grosse Macker werden. Durchsetzungsfähig. Leistungsbereit. Lean and mean…

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… und daneben musste man sich von Witzfiguren wie dem Goofy Dinge gefallen lassen…

Das passt irgendwie nicht zusammen.

Da sollte man als die gewaltige Granate in einem Unternehmen hunderte von Menschen anführen, in einem Wahlbezirk tausende zur Stimmabgabe motivieren, als Professor ein paar Dutzend Dozenten anleiten, und es wollte einem irgendwie nicht gelingen, nur auch schon die eigenen Eltern dazu zu motivieren, gegen den Goofy vorzugehen, geschweige denn dessen Vorgesetzte. Eher im Gegenteil: Man musste aufpassen, dass die nichts erfuhren, sonst bekam man dort noch einmal eine geschmiert.

In der Wissenschaft nennt man solche Situationen wohl paradox… du sollst selber der Herr Doktor sein und dich daneben von einer Witzfigur wie dem Goofy anschreien und hauen lassen…

A PROPOS HERR DOKTOR…

In der Tat fühle ich mich erinnert an den Goofy, wenn ich heute von den verschiedenen Aberkennungen von akademischen Graden höre. Mich erinnern diese Menschen, die da weidlich und wohl hemmungslos abgeschrieben haben, damit sie auch der Herr oder die Frau Doktor werden, sehr an dieses Paradoxon mit dem Goofy.

Da war also diese Witzfigur, gemein, gewalttätig, vorlaut… und wohl auch inkompetent.

Und ich sollte als Kind mir von dieser Witzfigur diese Gemeinheiten klaglos gefallen lassen – und sollte aber danach streben, selber so eine Witzfigur zu werden. Ist das sinnvoll?

Ist das das Muster: Wer treten will, muss sich treten lassen… ?

Wenn ich also später einmal andere plagen und verhauen können will, soll ich also zuerst einmal schauen, dass ich selber mir all das über die verschiedenen Ränge hinweg gefallen lasse?

Ich habe für mich persönlich damals entschieden, dass ich über diesem Schmutz stehen will. Ich habe als Jugendlicher für mich entschieden, dass ich mich auf dieses Niveau nicht begebe. Dass ich Menschen für armselig halte, die gar zu sehr auf diesen ihren akademischen Grad pochen (oder den ihres Ehemanns…) und menschlich nicht über dem Goofy und seinen Machenschaften stehen.

Schlimm ist, dass wir uns heute in der Oeffentlichkeit mit gar so vielen Menschen konfrontiert sehen, die einerseits mit einem immensen Führungsanspruch antreten und andererseits aber nicht über diesem Geschmeiss stehen. Die in sich zusammensacken wie ein angestochener Luftballon, wenn an den Tag kommt, wie wenig sie damals über diesem Zirkus gestanden sind. Die sich nicht zu schade sind, diesen akademischen Grad – erschlichen oder im Professorenarsch persönlich geholt – regelrecht zum Bestandteil ihres Namens zu machen.

Kann man vor so einem Menschen ernsthaft Respekt haben?

Bestandteil des Namens…

… besonders heftig reagierte der Goofy übrigens, wenn man ihn mit Herr Angerer anredete.

Dann wurde er gleich noch roter, schrie: „Wie heisse ich?“, so laut, dass manches Kind gerade wieder auf seinen Sitz zurücksackte.

Er hiess Herr Doktor Angerer.

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Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
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