Achim H. Pollert: Die Kunst und die Mode

Achim H. Pollert (*) über etwas, das es von Kunst und Kapitalanlage zu wissen gibt ///—///

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Kunst ist eine der besten Kapitalanlagen überhaupt.

Darin sind wir uns einig.

Wenn es heute heisst, eine Reihe von alteingesessenen Adelsfamilien gehöre zu den Superreichen, dann besteht ein nicht unerheblicher Anteil dieses Milliardenvermögens aus all den Dingen, die man da in den Schlössern findet.

Die Gemälde von Cranach und Holbein und Hieronymus Bosch. So eine beeindruckende Schnitzerei von Tilman Riemenschneider.

Solche Objekte – werden sie denn verkauft – holen auf dem internationalen Markt ohne weiteres zwei- und dreistellige Millionenbeträge. Und wenn nun die Vorfahren im Laufe der Geschichte beispielsweise hundert solcher Objekte erworben haben, oft für ein Butterbrot, dann entsteht daraus schon rein rechnerisch ein märchenhaftes Vermögen.

Das gilt nicht nur für Privatleute. Sondern natürlich auch für die Kirchen und noch mehr für die modernen Staaten. Wenn etwa ein Gemälde von Paul Cézanne auf dem Kunstmarkt für 60 Millionen Dollar verkauft wurde und das Musée d’Orsay in Paris, sagen wir, 20 Cézannes besitzt, dann stellt das für den französischen Staat in diesem einen Museum für diesen einen Maler bereits ein Vermögen von 1.2 Milliarden Dollar an.

Dieser Umstand wird gelegentlich auch angeführt, um die eine oder andere staatliche Schuldenmilliarde zu rechtfertigen. Im Stil: Wir können Schulden machen, dass es noch so kracht… was alleine nur in den öffentlichen Museen an Schätzen hängt, ist ja ein Vielfaches wert…

Wie auch immer: Zunächst ist einmal festzustellen, dass trotz dieser enormen Werthaltigkeit, die da in den Kunstobjekten steckt, selbst gerissene und erfolgreiche Kapitalanleger oft sehr ratlos vor diesem Bereich der Kunst stehen.

KUNST KOSTET

Zu allererst ist bei der Kapitalanlage Kunst festzustellen, dass sie keinerlei regelmässige Erträge bringt. Keine Zinsen, keine Optionen, nicht einmal Dividende.

Schlimmer noch: Kunst verursacht Kosten. Sie muss entsprechend gelagert und gesichert werden. Mit dem zunehmenden Alter, wenn es sich dann um das unersetzbare und unschätzbare Meisterwerk handelt, kann dieser Aufwand richtig satt werden. Wenn ich z.B. als Privatperson auch nur einen einzigen Egon Schiele besitzen würde – eine Zeichnung im A3-Format… aber was für Auflagen würde mir dann beispielsweise die Versicherung machen, wenn ich das in meiner Mietwohnung aufhängen wollte, bei einem Marktwert von vielleicht zehn Millionen… ?

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Wie viele renommierte Gutachter müsste ich alleine bezahlen, um die Versicherung davon zu überzeugen, dass es sich tatsächlich um einen echten Schiele handelt, der das wert ist? Welche Umbauten müsste ich an meiner Wohnung oder meinem Haus vornehmen? Und welche Prämie müsste ich alljährlich berappen, damit mein 10-Millionen-Werk versichert ist? Gänzlich ungeachtet etwa des Umstands, dass mein Urgrossvater ein Freund von Schiele wäre, der ihm die kleine Zeichnung damals geschenkt hätte – was leider nicht der Fall ist (… so dass ich auch nicht erfahren werde, wie meine Urgrossmutter splitternackt mit entblösstem Geschlechtsteil ausgesehen hat…)

Bei länger zurückliegenden Werken, die dann mehr als hundert, zweihundert Jahre alt sind, kann das Problem der Restaurierung und Erhaltung massiv in den Vordergrund treten, was ebenfalls wieder sehr teuer werden kann.

Kein Zweifel: Der Besitz von Kunst verursacht Kosten, die umso erheblicher werden, je älter und wertvoller das einzelne Werk ist. Und das dann für etwas, das direkt so gar nichts einbringt. Wenn ich nur ein paar Sachen habe, könnte ich nicht einmal ein Museum eröffnen und Eintritt und Fördergelder verlangen.

Was für mich gilt, das natürlich auch für sonstige Sammler und Förderer der Kunst:

https://textepollert.wordpress.com/2010/11/23/achim-h-pollert-das-ist-aber-nicht-schon-gemalt-pablo-2/

Obwohl ich eigentlich begeistert bin von den Bildern von Egon Schiele, könnte ich mich deshalb dann aber irgendwann auch dazu entschliessen, mein Bild wieder zu verkaufen. Der Unterhalt wird mir zu teuer, und zehn Millionen, die das Bild bei Christie’s holt, sind immerhin zehn Millionen. Da könnte ich dann alle Arbeit niederlegen und bis an mein Lebensende die Zeit geniessen.

Nun ist es aber nicht so, dass meine Urgrosseltern in den Kreisen der Bohème verkehrt wären – obwohl ich sie nicht gekannt habe. Und keine meiner Urgrossmütter wird sich wohl gegenüber Egon Schiele entsprechend entblösst haben, weder zum Zwecke des Malens, noch zur Stillung anderer Bedürfnisse.

Und somit habe ich auch keinen Original-Schiele geerbt.

Wenn ich einen hätte, dann hätte ich ihn kaufen müssen.

Für 10 Millionen Dollar.

Und schon sind wir bei der nüchternen Kapitalverwaltung, die sich eigentlich nicht so sehr im Mainsteam der Kunstwelt, sondern eher so nebenher bewegt.

KAUFEN UND VERKAUFEN

Wenn wir von Kapitalanlage reden, dann meinen wir meist nicht die eigentliche „Anlage“. Wir meinen nicht, dass wir vor 30 Jahren ein paar Aktien gekauft und diese bis heute behalten haben – also „angelegt“ -, auch wenn die sich in dieser Zeit in ihrem Geldwert vermehrt haben.

Unter Kapitalanlage verstehen wir vielmehr den fortlaufenden Kauf von Finanzinvestitionsprodukten (Aktien, Obligationen, Optionen u.s.w.) und deren Verkauf mit entsprechendem Gewinn. Ständig werden bestimmte Finanzprodukte gekauft und abgestossen – je nach Einschätzung von deren Rahmenbedingungen. Rendite, Risiko, Zinsniveau, Wirtschaftsentwicklung, Prognosen – all das beeinflusst diese Käufe und Verkäufe von Finanzprodukten.

Ueberlassen Sie Ihre Texte lieber nicht dem Zufall…

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Und damit fortlaufend eine zuverlässige Wertermittlung stattfindet, gibt es eben die Börse, wo sich gemäss Angebot und Nachfrage Kurse bilden.

Ein fortwährendes Kaufen und Verkaufen, also eigentlich nicht eine Anlage.

Genau daran aber mangelt es beim Kunstmarkt. Den Renoir heute für 20 Millionen kaufen und ihn in einigen Jahren für das Doppelte und Dreifache verkaufen, das kann natürlich gutgehen. Manche können Glück haben. Andere haben die Situation richtig eingeschätzt. Und wieder andere sind stark genug, um den Markt zu beeinflussen.

Aber dass ich vor zwei Jahren meinen Egon Schiele für 10 Millionen Dollar gekauft habe und dass ich ihn jetzt für 20 Millionen verkaufen kann – diese Garantie habe ich nicht. Zwar kann ich bei einer Versteigerung ein Limit setzen, unter dem ich nicht verkaufe, aber es ist sehr gut möglich, dass dieses Limit nicht geboten wird und ich weitere zwei Jahre auf dem Bild sitzen bleibe.

Wenn im Fernsehen der Experte bei „Kunst und Krempel“ dann immer mal wieder wohlmeinend erklärt: „Ein Sammler würde dafür durchaus acht- bis zehntausend Euro zahlen“ – dann ist ganz und gar nicht gesagt, dass dieser Sammler nun gerade in meiner Auktion sitzt (… ausserdem wäre ich persönlich gerade bei diesen Schätzungsangaben aus der TV-Sendung eher vorsichtig…)

Dann zum Beispiel ist es ganz gut, wenn ich keinen dringenden Geldbedarf habe. Denn dann kann es durchaus auch sein, dass ich das grosse Meisterwerk mit einem satten Verlust loswerde.

GERINGERE GEFAHR IM GROSSEN

Natürlich ist die Gefahr bei grossen, epochalen Meistern, deren Werke in vielen Museen hängen, geringer. Nur: Wer hat schon das Geld, um so ein Werk zu kaufen?

Die kurzfristige Verlustgefahr ist dabei geringer. Dass sich ein Kaufpreis in wenigen Jahren halbiert, ist bei den grossen Namen nicht so sehr zu erwarten – ausser man hätte damals das Bild hoffnungslos überzahlt.

Im mittleren Segment, das für „normale“ Anleger interessant sein könnte, kann so etwas allerdings sehr schnell geschehen. Nicht selten kommt es etwa vor, dass bestimmte Stilepochen, bestimmte Regionalstile, bestimmte Kunstformen überhaupt dann aus der Mode kommen.

Die Mode spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Da kann aus dem, was gerade noch ein „genialer Wurf“ war, ganz schnell „eine ziemlich grossformatige, sperrige Schwarte“, werden, „so in Braun- und Schwarztönen, was sich heute niemand mehr in die Wohnung hängen will“. Diese Modeentwicklung läuft ständig weiter und ist abhängig von vielen Einflüssen. Wohnsituation. Zeitgeist. Möblierungsstil.

Ganz persönlich etwas kann ich mich noch daran erinnern, wie ich einem Mann in den 80er Jahren an einem Flohmarkt in Zürich vier russische Ikonen für 800 Franken abschwätzte. Der Mann schimpfte damals sehr, die wären doch mindestens 1,300 wert. Aber er brauchte halt das Geld.

Ikonen waren damals gesucht und im regulären auch nicht so ohne weiteres aufzutreiben. Sie passten irgendwie in den Stil der Zeit, und jeder wollte eine bei sich daheim aufhängen. Inzwischen liegen die Ikonen nicht mehr in der Mode der Zeit – man kann dergleichen für 80 oder 100 Euro bei Ebay ersteigern, allenfalls für weniger.

Bei all diesen Objekten der unteren Preiskategorien kann dies von einem Tag auf den anderen geschehen. Je nach Modeentwicklung kann ein antiker japanischer Holzschnitt heute 5,000 Franken kosten, und in drei, vier Jahren kann man froh sein, wenn man noch 1,000 dafür bekommt, damit man ihn los ist.

DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN KUNST UND KAPITALANLAGE

Für das kurzfristige Investment, das Kaufen und mit Gewinn kurz darauf wieder Verkaufen, ist Kunst somit denkbar ungeeignet. Zwar mag es wohl so sein, dass bei den ganz grossen Meistern die Gefahr des starken Preiseinbruchs weniger gegeben ist – wobei auch hier die Mode auf längere Sicht einen Einfluss hat, da es in der Geschichte gefeierte Genies gab, von denen man heute nichts mehr weiss und deren Werke keine Preise mehr erzielen.

Doch diese grossen Meister sind dann so teuer, dass sie selbst für soweit ganz betuchte Anleger nicht in Frage kommen. Wie gesagt: Wer hat schon 10 Millionen für einen Schiele, 50 Millionen für einen Manet oder 100 Millionen für einen Picasso gerade so verfügbar?

Insgesamt – was das erschwingliche Mittelfeld der Kunstwerke angeht -, sind alleine schon im Zuge der Mode solche Preiseinbrüche immer möglich.

Wo also liegt dann der Sinn, Kapital in Kunst anzulegen?

Tatsächlich geht es um langfristige Anlage – also die wirkliche Anlage von Kapital.

Es geht um die Sicherung vorhandener Werte.

Auch hier ein kleines Beispiel aus dem wirklichen Leben – nicht von den grossen Meistern und nicht einmal aus dem Mittelfeld, sondern ganz vom unteren Rand: Nehmen wir an, ich hätte 1916 eine Kunstpostkarte des damals beliebten Jugendstil-Malers Adalbert Holzer für 5 Pfennig gekauft. Wenn diese Postkarte heute an Sammlerbörsen auch schon mal 8 Euro holt, dann entspräche dies in den 97 Jahren seither einer Verzinsung von rund 6 %.

Diese Verzinsung begeistert natürlich keinen heutigen Finanzanleger, obwohl sie doch deutlich höher ist als typische Sparanlagen.

Wichtig ist daran allerdings etwas ganz anderes. Diese Postkarte wäre all die Jahre vorhanden gewesen und hat bis heute einen Wert, der mehr oder minder dem entspricht, was sie damals wert gewesen ist. Je nachdem, wie die Mode sich entwickelt – eher hin in Richtung Jugendstil, oder eher davon weg -, wird dabei der Wert über die Jahre weiterhin schwanken, aber erhalten bleiben.

Jede andere Kapitalanlage jedoch wäre in diesem Zeitraum mehrfach zerbrochen.

Dieser kleine, banale Kunstgegenstand hat mörderische Kriege, Revolutionen, Wirtschaftskrisen, Firmenzusammenbrüche, Bankenkrachs, galoppierende Inflationen, den Kommunismus und jede sonstige Widrigkeit des 20. Jahrhunderts überstanden und dabei seinen Wert erhalten.

Das ist schon der ganze Sinn von Kunst als Kapitalanlage.

Es geht schlicht um den Erhalt des Werts – über alle Gefahren hinweg.

Eine strategische Anlage zum längerfristigen Erhalt des Geldwerts. Denn dieser Geldwert – ähnlich wie die meisten anderen Werte – unterliegt einer ständigen Entwertung. Auf lange Sicht gesehen, ist das bei Kunst nicht der Fall. Natürlich drückt die Mode jeweils auf den Marktwert, aber irgendwann geht der Gegenstand auch über in die Kategorie „antik“, so dass dann dort das individuelle Gefallen nicht mehr eine gar so grosse Rolle spielt, sondern eher die Seltenheit und die kulturhistorische Bedeutung.

Aber die Investition in Kunst lohnt sich eben wirklich nur auf lange Sicht. Auf Jahrzehnte, manchmal gar Jahrhunderte hinaus, ist es die ideale Anlage, um die Werte zu erhalten. Und deswegen ist Kunst eine der besten Kapitalanlagen überhaupt.

Sie kann aber auch nur so, mit dieser Zielsetzung, funktionieren.

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Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
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