Achim H. Pollert: Sie nannten ihn Kopfschuss

Achim H. Pollert (*) über Pfeifen und die, die Pfeifen anstellen ///—///

Kontakt zum Ghostwriter: http://texteservice.bplaced.net

Es gibt einfache Menschen, die wissen, was richtig und falsch ist. Es gibt Menschen, die nicht sonderlich intelligent oder gebildet sind und die es schaffen, damit ihren Beruf, ihr ganzes Leben gut zu bewältigen. Oft sind es solche einfachen Menschen, die in schwierigen Situationen beeindruckende Leistungen erbringen. Weil sie nicht arrogant sind und sich nicht auf ihre hochgelobte Bildung und ihre vermeintliche Intelligenz verlassen – denn sie wissen, dass sie beides nicht haben. Weil sie sich an einfachen, nachvollziehbaren Grundsätzen orientieren. Weil sie andere auch um Rat fragen und sich Dinge sagen lassen, wenn sie nachvollziehbar sind.

Wie gesagt: Und so erstaunt es dann immer mal wieder, wie so ein Mensch, der als einfaches Gemüt erkennbar ist und der keine überkandidelte Bildung hat, dann doch unerwartet gewaltige Leistungen erbringt.

Marcel war nicht so einer.

Marcel war einfach nur dumm. Und zwar so ganz schlimm, so dass man oft an Hand seiner Bemerkungen nicht verstand, was er meinte und ob er überhaupt etwas damit meinte. So schlimm, dass er, wenn er vor etwas sass, was er zu begutachten hätte, zunächst einmal so ein todernstes Gesicht machte und so ein wenig mit den Schultern zuckte.

Marcel hatte ein enormes Geltungsbedürfnis und offenbar auch Angst, die anderen könnten merken, wie dumm er war. Zu gerne schickte er jedem Gespräch voraus, er hätte dann also Philosophie studiert. Und zwar an der Uni. Und zu jedem, dem er im Arbeitsleben begegnete, sagte er auch, was wäre wohl nicht so, dass man nur beruflich miteinander zu tun hätte, man kenne sich ja auch sonst, privat.

Einerseits, um beeindrucken zu wollen. Und andererseits, um möglichen sachlichen Zwist auf eine angeblich freundschaftliche Ebene zu ziehen. Mit anderen Worten: Einen Freund fragt man nicht so ohne weiteres gerade heraus, ob er einen Kopfschuss abbekommen hätte – zumal wenn er Akademiker ist.

So sass Marcel dort in der Redaktion der Fachzeitschrift und hatte die Aufgabe, die Beiträge der längjährigen Autoren entgegenzunehmen und zu begutachten.

Begutachten bedeutete hier wohl in erster Linie die Prüfung, ob der jeweilige Text in den Themenschwerpunkt einer der kommenden Ausgaben passen wird. Ob der Text allenfalls etwas zu lang, zu kurz, zu wenig dokumentiert wäre.

Es passierte dann allerdings etwas ganz anderes. Plötzlich bekamen langjährige ständige Mitarbeiter des Fachblatts, ausgebuffte Profis und ausgewiesene Kenner der Materie, auf die üblichen eingereichten Texte von Marcel Antworten wie: „Diesen Artikel können wir so nicht bringen. Dem fehlt das Fleisch am Knochen.“

Kein weiterer Kommentar dazu, was an dem Beitrag zu ändern wäre.

Oder: „Ein offenes Wort unter Freunden muss möglich sein. Ich bin erschrocken, als ich es gelesen habe.“

Kein Wort, was ihn so an dem Text entsetzt hatte.

Also keinerlei qualifizierte Kritik.

Zaghafte Rückfragen vom einen oder anderen Autor wurden dann mit so ausgesprochen dummfrechen Kommentaren quittiert. Das führte dazu, dass einige Autoren nicht mehr bereit waren, überhaupt noch mit Marcel zu reden.

Der Chefredaktor der Zeitschrift hatte nach kurzer Zeit alle Hände voll zu tun. Zunächst musste er die Autoren beruhigen und sie bitten, doch auch weiterhin für das Blatt zu schreiben. Er versuchte, Marcel nicht nur darauf hinzuweisen, dass es sich bei den Beiträgen um gute, erstklassige Texte von anerkannten Persönlichen handelte, sondern auch, dass dergleichen kein Umgang wäre. Das hatte dann allerdings endlose Debatten zur Folge. Wenn jemand dem Chefredaktor sagte, er hätte von Marcel eine rotzfreche Antwort bekommen, und er ihn dann zur Rede stellte, entgegnete Marcel, er wäre immerhin froh, dass seine Kritik bei dem Autor angekommen sei.

Marcel konnte selber auch nichts schreiben, was man im Heft hätte verwenden können. Und so trennte sich die Zeitschrift von ihm nach kurzer Zeit.

DER CHEFREDAKTOR

Der Schaden war behoben. Der Chefredaktor musste sich in den Jahren danach hin und wieder im Kollegenkreis hochnehmen lassen, wenn er etwas übersehen hatte. Er müsste halt wieder einmal so eine qualifizierte Fachkraft wie Marcel an Land ziehen. Dann würde so etwas nicht passieren.

Aber eben: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott und so weiter.

Viele Jahre später fiel mir die Pressemitteilung einer grösseren Kommunikationsagentur auf.

Dort hiess es, diese Agentur habe eben jenen Marcel als Geschäftsführer für ihren PR- und Kommunikationsbereich angeheuert. Daneben ein Foto mit dem Gesicht des Betreffenden, erhellt von einem strahlenden Grinsen.

Und so flammte der Spott für den Chefredaktor halt wieder auf. Denn ich schickte ihm diese Pressemeldung und kommentierte sie mit einem ironischen Augenzwinkern, da könnte er ja stolz sein. Schliesslich habe er, wie sich jetzt bewahrheitete, vor all diesen Jahren schon das sichere Gespür für das Top-Talent gehabt.

Zweifelnd kam die Rückfrage von meinem Freund, ob ich denn sicher wäre, dass der wirklich ein und derselbe Marcel von damals wäre. Wenn ja, dann spreche das ja ganz und gar nicht für die betreffende Agentur.

Ich erklärte dem guten Mann wieder einmal, dass dieses Ereignis nur meine persönliche Erfahrung bestätigte: individuelle Intelligenz und Fachkenntnisse sind beim hierarchischen Aufstieg in einer Angestelltenorganisation eher hinderlich. Und persönliches Format ist zumindest keine Hilfe.

Dass es nicht für ein Unternehmen spricht, so jemanden wie Marcel als seinen Geschäftsführer anzustellen, ist wohl eine Tatsache. Schon gar nicht für ein grösseres Unternehmen, das einen Namen hat. Dass so etwas an der Tagesordnung ist, sieht man jedoch bei jeder neuen Krise und bei jeder Monsterpleite. Und ich will gar nicht verhehlen, dass ich selber als Vorgesetzter auch schon reichlich auf Pfeifen hereingefallen bin.

Allerdings mag man sich trösten damit, dass ja jeweils nur eine vergleichsweise kleine Handvoll von Insidern es weiss, wenn so eine imkompente Pfeile auf einen oberen Managerposten befördert wird. Und weil das keiner weiss, ist das vor der Hand auch keine Bedrohung für den Aktienkurs (denn der wäre ja erst bedroht, wenn eine grosse Mehrheit von Menschen das wüsste und dann aus Angst ihre Aktien verkauft…)

Und gar zu kurzfristig werden gute Leute – so es sie in dem betreffenden Unternehmen gibt -, wenn ihnen jemand wie Marcel als Chef vorgesetzt wird, auch nicht ihren Job wechseln. Gerade bei kompetenten Mitarbeitern dauert es oft lange, bis sie überhaupt woanders wieder etwas gefunden haben. Die guten Leute werden vielleicht in die innere Kündigung gehen oder auch an Depression und psychischer Erschöpfung erkranken.

Aber zunächst einmal wird da in so einem Fall gar nichts passieren.

DAS SCHLIMME DARAN

Das Schlimme am konkreten Fall ist etwas ganz anderes gewesen.

Es handelte sich um eine Agentur mit Kommunikationstätigkeit. Ein Unternehmen, das für andere professionell Texte erstellt. Andere sollen sich gegen Honorar ihre Reden, Aufsätze, Mitteilungen, Jahresberichte… und Pressemeldungen von diesem Unternehmen schreiben lassen.

Was aber schrieb dieses Unternehmen selber in der Ankündigung, diese Pfeife Marcel zu seinem Geschäftsführer ernannt zu haben?

Da stand, der neue Chef habe 15 Jahre Erfahrung in der Kommunikation. Und im nächsten Satz stand dann als Erläuterung dazu zu lesen, er wäre bei fünf Unternehmen als Kommunikationschef tätig gewesen.

Nicht als Sachbearbeiter, der Erfahrungen gesammelt hatte und dann weg gegangen war, um sich weiter zu entwickeln. Nein, als verantwortlicher Leiter der Kommunikation. So dass sich eine durchschnittliche Beschäftigungsdauer von gerade einmal drei Jahren pro Kaderstelle ergibt – und jeder vernünftige Mensch sich fragen musste, ob da wohl etwas passiert war an den einzelnen Jobs.

Schlimmer noch: Diese fünf Arbeitgeber wurden in der Publikation alle namentlich genannt, und es handelte sich ausnahmslos um erstrangige Unternehmen. Was hatte wohl dazu geführt, dass Marcel offenbar bei allen diesen namhaften Firmen nach relativ kurzer Zeit ausgeschieden war, nicht um einen besseren Job anzunehmen, sondern woanders denselben Job wieder zu machen?

Sie könnten sagen: Der Grund dafür, dass Sie Ihre Veröffentlichungen von einem externen Texter gestalten lassen, wäre gerade eben, dass solche Missgeschicke nicht passieren. Sie wollen ja genau das vermeiden, dass man an Ihrer Veröffentlichung schon Nachteile erkennt – schlimm genug, dass Sie mit Nachteilen wie auf eine Pfeife hereinzufallen leben müssen…

Und Sie könnten auch sagen: Wenn ich das nächste Mal etwas zu schreiben habe, gehe ich lieber gleich zu einem, der weiss, wie es richtig geht…

Kontakt zum Ghostwriter…

http://texteservice.bplaced.net

Ghostwriter Ghostwriting akademisch Ghostwriting Ghostwriter Ghostwriting Diplomarbeit Ghostwriter Ghostwriting zuverlässig Ghostwriter Ghostwriting preiswert Ghostwriter Ghostwriting diskret Ghostwriter Ghostwriting Master 

Advertisements

Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines Management veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Achim H. Pollert: Sie nannten ihn Kopfschuss

  1. Pingback: Achim H. Pollert: Die drei Stufen der Rechthaberei | Texte von Achim H. Pollert

Kommentare sind geschlossen.