Achim H. Pollert: Die Sache mit dem Licht

Achim H. Pollert (*) über das, was sich der Einstein so gedacht hat I /// — ///

Ghostwriter kontaktieren: http://texteservice.bplaced.net

Mal ehrlich: Wer denkt sich eigentlich so etwas aus? Da hockt einer im Patentamt in Bern, wo die Akten vor sich hin stauben.

Nicht so richtig etwas zu tun.

Stiller, feiner Posten. Ordentlich bezahlt, und an das Berndeutsch gewöhnt man sich, wenn man aus Augsburg ist.

Und dann spitzt der Sesselfurzer auf seiner Behörde seinen Bleistift an, schreibt so ein paar Formeln auf, bei denen man nicht so richtig mitkommt. Und schon ist das alles im Eimer mit unseren schönen Abenteuern im Weltraum. Schwuppdiwupp kommt ein Pauker dazu, der schon seine Kinderphysik nicht so richtig verstanden hat, und sagt: „Aus diesem Grund kann sich nichts schneller als das Licht bewegen.“

Und so steht es dann in der Zeitung.

Und im Schulbuch.

Und wir stehen da wie das Kind beim Dreck. Mit unseren Abenteuern im Weltraum.

Nichts mit den Eroberungen, die Perry Rhodan zusammen mit seinem dicken Reichsmarschall Lichtjahre von hier entfernt so anstellt. Nichts mit Captain Kirk, der zu Scotty sagt: „Mach mal Warp 5!“ Und auch nichts mit Commander McLane, der das Weltall durchquert mit Geschwindigkeiten, „die heute noch unvorstellbar sind“.

Und zumindest schwierig das Unterfangen: Wir haben im Sternbild Spinner einen erdähnlichen Planeten entdeckt. Wir funken mal hin und schauen, ob wir Antwort bekommen.

Pfeifendeckel.

Das Licht braucht sieben Minuten, bis es von der Sonne zur Erde gelangt. Fünf Stunden, bis es das Sonnensystem verlassen hat. Und danach etwa vier Jahre, bis es das nächste Sonnensystem erreicht.

Und sollten wir irgendwo auf der anderen Seite der Milchstrasse, eben im Sternbild Spinner, einen erdähnlichen Planeten vermuten und sollte es dort Leben und sogar eine technische Zivilisation geben, dann wird es 100,000 Jahre dauern, bis die unseren Funkspruch – oder unsere Lichtsignale – auffangen. Also eine sehr einseitige Konversation.

Und alles nur, weil dieser Patentbeamte Einstein mit seiner vertrottelten Gelehrtenmähne irgendwo bestimmt hat, dass nichts schneller fliegen kann als das Licht.

Wärst du doch ruhig gewesen, Albert…

Dann wäre die Sache für uns alle viel einfacher.

Seit sich das Bewusstsein, dass die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichts im Vakuum die höchstmögliche Geschwindigkeit in diesem Universum ist, und seit ein paar Halbverständige bekanntgegeben haben, das wäre so wegen der Relativitätstheorie, schrauben wir aber immer mal wieder an dem einen oder anderen Konstrukt mit der Absicht, dass, wenn es eben doch „Teilchen“ gibt, die schneller sind als das Licht, wir den ganzen Einstein dann endlich an den Nagel hängen können und weiter den Weltraum besiedeln.

Es geht in die Richtung: Falls „Einstein“ in einem Punkt als „unrichtig“ bewiesen würde, dann wären Perry Rhodan mit seinen Nazis und Captain Kirk mit seinem Gebeame doch noch gerettet. Daher die regelmässigen Leserbriefe an die Science-Fiction-Magazine, Einstein wäre jetzt eben doch in einzelnen Punkten schon widerlegt… und in Darmstadt oder Genf hätten Wissenschaftler jetzt eben doch Teilchen „erzeugt“, die sich schneller als das Licht bewegen…

Dann könnte man zu Albert sagen: „Was guckst du? Was du sagen jetzt?“

LEIDER GANZ ANDERS

Aber – der geneigte Leser wird es vermuten – es ist eben ganz anders.

Dass sich nichts schneller als das Licht ausbreitet, hat sich nicht Albert Einstein an einem stickigen Nachmittag im Patentamt in Bern ausgedacht. Weil es ihm so schön in den Kram passte. Weil man dann besser rechnen kann.

Vielmehr ist es eine Beobachtung, die wir machen, dass sich nichts schneller als Licht ausbreitet.

Einstein kam erst ins Spiel, weil er derjenige war, der sich fragte, was das wohl zu bedeuten hat.

Aber zunächst zu der Beobachtung, die so vielen Menschen so viele Probleme macht.

Im Alltag ist es so, dass Geschwindigkeiten sich addieren und subtrahieren.

Wir alle haben das als Kinder doch schon ausprobiert mit der Rolltreppe im Warenhaus. Bleibt man nicht darauf stehen, sondern rennt man die Rolltreppe hinauf, dann rast man ganz schnell in den nächsten Stock. Die beiden Bewegungen – Rolltreppe und das eigene Rennen – addieren sich. Rennt man auf der verkehrten Seite gegen die Bewegung der Rolltreppe, dann dauert es viel länger, bis man das andere Stockwerk erreicht. Die Bewegung der Rolltreppe wird von der eigenen Bewegung abgezogen.

Und natürlich haben wir als Kinder dann auch das Spiel gespielt, uns gegen die Bewegung der Rolltreppe genauso schnell zu bewegen, so dass wir immer an der gleichen Stelle blieben. Aehnlich wie später im Fitness Studio beim Laufband – nur dass dort kein Hauswart mehr kommt, der mit einem schimpft, weil man hier solchen Blödsinn macht und die Bewegungen gegeneinander ausgleicht.

Beim Licht und den anderen elektromagnetischen Wellen ist das nicht so.

Licht ist in allen Richtungen gleich schnell, und zwar völlig unabhängig davon, ob sich die Lichtquelle nun bewegt oder nicht. Licht ist gleich schnell, egal ob es nun in Richtung der Rolltreppe dagegen fährt.

Das ist einfach nur eine Messung, die Feststellung einer Tatsache. Gleichgültig ob sich die Lichtquelle auf mich zu bewegt oder sich von mir entfernt, messe ich für das Licht dieselbe Geschwindigkeit.

Die bewussten knapp 300,000 Kilometer in der Sekunde (also für kosmische Dimensionen ganz schön lahm).

Das ist bereits die Feststellung, dass sich nichts schneller bewegen kann.

Ich kann dieser Geschwindigkeit nichts hinzufügen. Ich kann meine Lampe nicht auf halbe Lichtgeschwindkeit beschleunigen und dann einen Lichtstrahl aussenden, der das Anderthalbfache beträgt.

Das maximal Mögliche ist da erreicht. Eigentlich genauso wie ich in einen Eimer mit fünf Liter Fassungsvermögen keine sechs, sieben oder zehn Liter einfüllen kann. Ich kann flüssiges Eisen einfüllen, dann wird der Eimer schwerer. Oder flüssiges Helium, dann wird er leichter. Aber mehr als fünf Liter geht in den Eimer nicht hinein.

So ähnlich ist es mit dem Licht.

Wie gesagt: Es ist nicht der Herr Einstein, der da wie ein Verkehrspolizist neben dem Raumschiff steht und eine Tempolimit-Tafel hochhebt. Sondern das ist ganz einfach eine Beobachtung der Tatsachen.

Könnte sich eine elektromagnetische Welle schneller ausbreiten, dann müsste es möglich sein, sie durch die Addition auf diese höhere Geschwindigkeit zu beschleunigen. Könnte sich etwas anderes – kein elektromagnetisches Wellenphänomen, somit auch kein „Teilchen“ – schneller ausbreiten, dann müsste es durch Addition dieses Anderen zum Licht möglich sein, dieses zu beschleunigen.

Beides ist unter konventionellen Bedingungen in dieser Welt nicht der Fall. Folglich ist es schlicht eine Tatsachenfeststellung, dass die Lichtgeschwindigkeit ein Maximum darstellt, das nicht zu überschreiten ist – ebenso wie es nicht möglich ist, in einem Fünflitereimer mehr Volumen unterzubringen als eben diese fünf Liter.

Somit stellt diese Lichtgeschwindigkeit eine Naturkonstante dar, die nicht von jemandem erfunden wurde (ähnlich wie auch die Gefriergrenze bei 0 Grad nicht von Herrn Celsius erfunden wurde).

Warum das so ist, ist eine andere Frage. Es ist zu vermuten, dass dies mit der inneren Struktur des Universums zu tun hat, einer Art Geometrie, die allerdings für uns nicht plastisch vorstellbar ist. Es wäre denkbar und zu vermuten, dass dieser Geschwindigkeitswert ähnlich entsteht wie beispielsweise die Zahl Pi (3.14, immer wenn man den Umfangs eines Kreises durch seinen Durchmesser teilt).

Denkbar wäre auch, dass in Frühzeit des Universums, als der Raum viel stärker gekrümmt war, solche Naturkonstanten andere Werte hatten.

Dies alles rund um die Ursache, warum sich elektromagnetische Wellen nun genau mit dieser Geschwindigkeit ausbreiten und schnellere Ausbreitung im Raum nicht möglich ist, ist Mutmassung und ohnehin für den menschlichen Verstand nicht ohne weiteres plastisch vorstellbar.

Wohl aber ist es gut, dass es so ist, dass nämlich das Licht eine endliche Geschwindigkeit hat und dass es nichts Schnelleres gibt. Denn dadurch bleibt uns unsere Wahrnehmung und unsere Logik erhalten.

DAS FUSSBALL-PARADOXON

Wer das Weltall erobern will, träumt ja zunächst einmal davon, dass vielleicht der Mars besiedelt wird. Städte, die dort errichtet werden. Menschen, die ständig dort leben, sich dort fortpflanzen, eigene Zivilisationen aufbauen.

Und wo es Menschen gibt, gibt es bekanntlich immer auch Fussball.

Jetzt stellen wir uns vor, das würde auf dem Mars in einem grossen Stadion ein Planetenspiel stattfinden zwischen den Marsbewohnern und einer Mannschaft von uns Erdlingen. Und wir alle sitzen auf der Erde und schauen mit Spannung dieses Spiel.

Die Mannschaften kämpfen heftig, und es ist ein spannendes Spiel. Aber keiner von beiden schiesst ein Tor. Ein Jammer.

Bei einer bestimmten Stellung von Erde und Mars braucht das Licht fünf Minuten, um vom einen Planeten zum anderen zu gelangen.

Wäre es möglich, schneller als das Licht zu reisen, dann könnte drei Minuten, bevor wir den Abpfiff des Spiels sehen, ein Männlein aus dem Nichts bei uns auf der Erde auftauchen. Aus dem Nichts würde das Männlein auftauchen, weil es ja schneller reisen würde als das Bild, das wir von seinem Start sehen. Bevor wir also sehen, wie es auf dem Mars abfliegt und seine Flugbahn zu uns nimmt, wäre es schon hier.

Und dieses Männlein würde den Ausgang des Spiel schon kennen. Das könnte uns sagen, dass in der letzten Minute Poslovski den Ball im Strafraum nicht an Schweinberger abgibt und deswegen Abseits gepfiffen wird, und dass beim folgenden Elfmeter die Marsmannschaft das Tor schiesst und das Spiel 1:0 ausgeht.

Das alles, bevor das Bild vom Spiel mit dem tatsächlichen Verlauf uns erreicht hat.

Könnte sich etwas schneller als das Licht ausbreiten, dann wäre dies möglich. Wir könnten Leuten begegnen, die mit genauer Präzision Dinge wissen, die wir noch nicht stattfinden gesehen haben. Aber nun gar nicht so wie das Orakel in der griechischen Tragödie, sondern mit genauer Angabe aller Details. Denn für diese Leute hätte das, was wir noch gar nicht gesehen haben, bereits stattgefunden.

Die Frage wäre darüber hinaus dann aber: Nachdem ich noch nicht gesehen habe, was passiert… könnte ich dann nicht auch husch-husch schneller als das Licht auf den Mars fliegen und selber als Männlein aus dem Nichts auftauchen und Poslovski warnen, er sollte rechtzeitig den Ball abgeben, damit kein Abseits gepfiffen wird… ?

Nur: Warum sollte das Männlein dann noch zu mir kommen… wenn das, was es mir berichtet, dann doch nicht passiert?

Oder müsste während meiner überlichtschnellen Fahrt zum Mars das Geschehen dort dann viel schneller ablaufen, viel mehr Zeit vergehen, damit ich nicht vor meiner eigenen Abreise schon angekommen bin?

Aber das ist ja wieder eine andere Geschichte von Albert Einstein…

Ueberlassen Sie Ihre Texte nicht dem Zufall…

http://texteservice.bplaced.net

Ghostwriter Ghostwriting akademisch Ghostwriting Ghostwriter Ghostwriting Diplomarbeit Ghostwriter Ghostwriting zuverlässig Ghostwriter Ghostwriting preiswert Ghostwriter Ghostwriting diskret Ghostwriter Ghostwriting Master 

Advertisements

Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
Dieser Beitrag wurde unter Laiengedanken zur Wissenschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.