Achim H. Pollert: Kaufen oder nicht?

Achim H. Pollert (*) über etwas, das es von Kunst und Kapitalanlage zu wissen gibt /// — ///

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Dass Kunst und Mode zusammenhängen, ist klar.

Betrachtet man manche alte Schwarte, besonders aus dem für Geschmacksentgleisungen berüchtigten 19. Jahrhundert, dann graust es einem. Solche Malereien in Schwarz- und Brauntönen, bedrückend, beherrschend, langweilig. Dazu oft scheussliche Motive: der eine oder andere überkandidelte König mit Zwirbelbart, die Witwe des schwerreichen Kaffeerösters in schwarzer Spitze, merkwürdige Fabelwesen wie potthässliche Halb-Geissböcke, die auf der Wiese mit jugendlichen Schönheiten flirten.

Das Ganze dann noch in einem monströsen Format, das heute kaum noch jemand in seine Wohnung hängen kann – und will…

Und dann versteht man beim besten Willen nicht, wie man damals in diesem einen oder anderen Pinsler das Jahrhundertgenie zu sehen vermochte.

Eine Frage der Mode, wie gesagt.

Und so kann es auch passieren, dass der eine oder andere Künstler ebenso wie bestimmte Stilrichtungen einen Aufschwung erleben, der dann aber von einem dramatischen Wertverfall gefolgt wird. So kann es sein, dass bestimmte Kunstwerke etwa in den 70er Jahren sehr gefragt waren und für viel Geld gekauft wurden, dreissig Jahre später dann auf dem Markt kaum noch auf Interesse stiessen, und somit das damals ausgegebene Geld zunächst einmal fort ist.

Beispielsweise Kupferarbeiten des Jugenstils.

Für den kunstsinnigen Geldanleger, der sein Vermögen über die Jahrzehnte hinaus erhalten will, macht dies die Sache nicht einfacher.

EINZELFAELLE

Zunächst gibt es die Einzelfälle.

Etwa eine im Jahre 2008 tatsächlich erfolgte Versteigerung in Norddeutschland, wo das Bild des prominenten deutschen Malers Herbert Helmert, ein Blumenstilleben, zum Mindestgebot von 15 Euro den Zuschlag erhielt (leider nicht an mich!). Die Bilder von Helmert erzielen bei Auktionen bis zu einige tausend Euro.

Ein recht gutes Auktionsregister findet sich übrigens unter http://www.findartinfo.com/

Ich selber habe einmal ein Gemälde des amerikanischen Malers Calvin Waller Burnett für 100 Euro erworben, dessen Gemälde auch ab tausend Euro an Auktionen erzielen. Möglicherweise hatte es bei dem Bild eine Verwechslung gegeben mit der Gebrauchsmalerin Caroline Burnett.

Solche Dinge kommen vor. Häufiger vielleicht, als man meint.

In beiden Fällen sind professionelle Kunsthändler beteiligt gewesen. Somit hat sich kein moralisches Problem aufgedrängt. Wenn ein Profi selber nicht weiss, was er in Händen hat und es weit unter Wert verkauft, dann habe ich damit kein Problem. Was ich persönlich nicht machen würde: ahnungslosen einfachen Leuten den grossen Schatz abzuschwätzen, den sie ohne Wissen über ihrem Sofa hängen haben.

Wie auch immer: Einzelfälle kommen vor.

Meist sind sie weniger spektakulär als in der Vorstellung. Aber sie können sehr wohl dazu führen, dass man durch eine einzelne Transaktion sein Geld so nebenbei einmal verfünf- oder verzehnfacht hat. Aber es ist natürlich nicht möglich, eine allfällige Strategie auf diesen Einzelfall auszurichten. Insbesondere nachdem zu diesem Einzelfall immer mit dazugehört, dass ein anderer – nämlich der Verkäufer – keinen Gewinn gemacht hat, oder wenigstens bei weitem nicht den, den er hätte machen können.

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Ausserhalb des Einzelfalls also steht für den Anleger klar die Frage:

VOM WERT DER DINGE

Zu allererst: Es gibt bei der Kunst, namentlich der Malerei, einen „niederen“ Markt, der mehr dem Konsummarkt und weniger einem Anlagemarkt entspricht. Man kennt diese Konsumkunst von allen touristischen Reisezielen der Welt. Aber auch im jeweiligen Inland gibt es solche Anbieter – teilweise gar Warenhäuser -, die allerlei Konsumkunst verkaufen.

Gefällige Motive meist. Landschaften. Blumenbouquets. Stadtansichten. Tierbilder.

Viele davon sind technisch schlecht gemacht. Aber oft werden solche Bilder auch von professionellen Künstlern gefertigt, sehr gut in der Qualität, insgesamt ansprechend und gefällig. Oft ist es gar so, dass grosse Künstler, die daneben bedeutende Werke der Kunstgeschichte schufen, mit solcher Gebrauchskunst ihren alltäglichen Lebensunterhalt bestritten. Aber eben: Das weiss man vorher nicht.

Diese Gebrauchskunst, so gut sie im Einzelfall auch gemacht sei, ist für die Kapitalanlage wenig geeignet. Es handelt sich eben um reine Gebrauchsgegenstände – beispielsweise um Hotelzimmer repräsentativ auszustatten -, die, wenn überhaupt, erst in einigen Jahrhunderten einen anständigen Wert darstellen. Nicht weil sie besondere künstlerische Bedeutung hätten, sondern weil sie dann eben alt sind.

Bei mancher flämischer, niederländischer Winterlandschaft aus dem 17. Jahrhundert mag dies durchaus der Fall sein.

Als Anleger ist man grundsätzlich gehalten, von solcher Kunst eher die Finger zu lassen. Auch wenn diese Werke oft sehr schön sind, auch wenn sie von einem Künstler stammen, der das Handwerk sehr wohl gelernt hat, ist kaum damit zu rechnen, dass sie in den nächsten hundert Jahren sonderlich an Wert gewinnen werden.

Solche Werke sind sehr vom jeweiligen Modegeschmack abhängig und werden – das ist das eigentliche Problem – in sehr grosser Zahl hergestellt.

Sollte man an einem solchen Motiv – einfach so, aus persönlicher Freude, weniger aus finanziellem Interesse – Gefallen finden, sollte man unbedingt darauf achten, dass man dafür nicht zu viel Geld ausgibt.

Immer wieder ist zu beobachten, dass solche Dekorationskunstwerke, die für vielleicht fünfzig oder hundert Euro zu haben sind, für mehrere tausend an Menschen verkauft werden, die von Kunst nicht so sehr viel Ahnung haben.

Brockenhäuser und Flohmärkte stehen voll von solchen Bildern, die in der Regel aus Haushaltsauflösungen stammen und auf dem Kunstmarkt meist keine Chance haben. Ihrer Natur nach handelt es sich dabei um Konsumprodukte – ein Wollmantel, ein PC, eine Teflonpfanne -, die unmittelbar nach dem Erwerb „gebraucht“ sind.

Bei der eigentlichen Kunst, also den Werken, die in sich einen Wert enthalten, gibt es eine grosse Zahl von möglichen Einflussfaktoren. Das reicht von den ganz bedeutenden Meilensteinen der Kunstgeschichte (die „Olympia“ von Manet oder die „Demoiselles d’Avignon“ von Picasso) über rein traditionelle Gründe („hängt schon immer im Museum“) bis hin zu regelrechten Kuriositäten.

Zu den Kuriositäten gehört etwa, dass die Bilder von bekannten Fälschern wie etwa Konrad Kujau (http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Kujau) oder Wolfang Beltracchi (http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Beltracchi) ihrerseits wegen dieser Bekanntheit auf dem Markt einen Wert bekommen. Zwar ist dann der „echte Kujau“ oder der „echte Beltracchi“ nicht so viel wert wie der falsche Otto Dix, den die einst an den Mann brachten. Wohl aber sind diese Fälscher-Werke durchaus mehr wert als etwa das eine oder andere Gemälde, das ein angesehener Professor am Konservatorium mit all seinem Können hergestellt hat.

Solche Werte aus der Bekanntheit heraus können allerdings auch schnell wieder verfallen, eine Art von Strohfeuer, solange die Geschichte rund um das betreffende Werk – um den Fälscher – aktuell bleibt.

Indessen hat der finanzielle Wert der Kunst kaum etwas mit der eigentlichen kunstfertigen Leistung zu tun, die zur Erstellung des Kunstwerks nötig gewesen ist.

Der Umstand, dass die Werke eines Künstlers von prominenten Sammlern gekauft werden. Der Umstand, dass Künstler mit einem Preis ausgezeichnet wurden. Der Umstand, dass Künstler in einer bedeutenden Zeitschrift positiv kritisiert wurden. Der Umstand, dass ein Künstler gerade gestorben ist. Der Umstand, dass ein Künstler die Rolle eines „Regionalmatadors“ spielt.

Wie gesagt: Eine grosse Zahl von Einflussfaktoren.

KAUFEN ODER NICHT?

Das macht die Frage nach der Kunst als Kapitalanlage nicht einfacher.

Wer hat schon viele solche Informationen, mit denen man die Wertentwicklung abschätzen kann? Und wer hat schon den Ueberblick über eine grössere Zahl von Einflussgrössen?

Deshalb kann es zur Entscheidung, worauf man achten soll beim Kauf eines Kunstwerks, nur sehr allgemeine Regeln geben.

Die erste Regel wäre wohl:

– sich nicht von der „Schönheit“ eines Kunstwerks beeindrucken lassen. Wer etwas Schönes kauft, der kauft grundsätzlich einen Gebrauchsgegenstand für sich. Wenn man sich an der Schönheit dessen erfreuen kann, ist es in Ordnung. Nur ist es dann keine Kapitalanlage.

An zweiter Stelle wäre zu nennen:

– sich informieren, ob dieses konkrete Kunstwerk eine „Geschichte“ hat. Das Kunstwerk steht nicht für sich, sondern immer vor einem Hintergrund. Das braucht im Einzelfall nicht viel zu sein. So reicht als Geschichte bereits die Feststellung, dass ein Kunstwerk einen bestimmten Ursprung hat und von einem bestimmten Künstler stammt. Es reicht die Feststellung, dass es sich um typische Gemälde des Malers der Genfer Schule Jean Krillé handelt. Je illustrer eine Geschichte ist – natürlich immer nachweisbar -, desto höher ist tendentiell der Wert des Werks. Entsprechende Informationsquellen stehen im Internet zur Verfügung (Künstlerverzeichnisse, Auktionsergebnisse u.s.w.).

An dritter Stelle schliesslich steht:

– einen persönlich fixierten Höchstpreis nicht überschreiten. Selbst wenn man im Einzelfall vermutet, das betreffende Kunstwerk würde auf dem Markt einen höheren Preis erzielen, ist anzuraten, ein bestimmtes Limit nicht zu überschreiten. Insbesondere an Auktionen ist zu warnen davor, sich von so einer „Wettbewerbsstimmung“ mitreissen zu lassen, der erste sein zu wollen u.s.w. Man bedenke: Als Kapitalanlage ist ein Kunstwerk immer nur das wert, was man beim Verkauf wieder dafür bekäme. Und so ist jeder zu viel bezahlte Betrag möglicherweise auf immer verloren.

Im Idealfall natürlich hat man an die erworbenen Werken auf persönlich Freude.

Aber bei der Kapitalanlage gibt es den Idealfall ja ohnehin nicht…

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Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
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