Achim H. Pollert: Und wenn die Grüsse gar nicht freundlich sind

Achim H. Pollert (*) über den Sprachgebrauch im Schriftverkehr /// — ///

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Gelernt haben wir, dass wir Briefe einzuleiten haben mit „Sehr geehrte“ und zu beenden haben… und da geht es schon los…

„Hochachtungsvoll“ – das war in den 60er Jahren wohl noch üblich. Man beendete Briefe da eben so oder „mit vorzüglicher Hochachtung“. Individualisten brachten vielleicht auch einmal etwas Neues wie z.B. „mit ausdrücklicher Hochachtung“.

Aber in jedem Falle galt: Wer als Briefeschreiber in einer Firma oder gar als Handelsschüler etwas anderes schreiben wollte als Hochachtung, der bekam einen Rüffel, der sich gewaschen hatte. Und wer sich irgendwo bewerben wollte, der sollte sich ja nicht dazu versteigen, die „sehr geehrten Herren“ anders zu verabschieden als „hochachtungsvoll“.

Besonders verwegene Zeitgenossen schrieben dann vielleicht auch hie und da einmal „mit freundlicher Empfehlung“ oder gar „mit freundlichen Grüssen“ unter einen Brief. Aber die waren damals ja dann schon Rechtsanwalt, Stadtpräsident oder Bankdirektor, so dass denen keiner mehr etwas anhaben konnte.

„THE TIMES, THEY ARE A-CHANGIN'“

Wie sang Bob Dylan damals noch?

„The present now will later be past…“

Und tatsächlich änderte sich das auch mit der Hochachtung im Geschäftsbrief. Das wurde dann sehr zügig als sehr antiquiert empfunden. Steif und in der Form erstarrt. Warum sollte man denn Hochachtungsvoll (womöglich noch mit Ausrufezeichen dahinter ! ) schreiben, wenn man für die Empfänger des Schreibens so gar keine persönliche Achtung übrig hatte?

„Hochachtungsvoll…“ so hatte vielleicht Bismarck an Kaiser Wilhelm unterschrieben… der Erzherzog Rudolf an seinen Vater… Henri Nestle persönlich an den Bundesrat…

Das war alt, verstaubt, verkrustet… eben ein Stück vom „past“ in unserem „present now“…

Und so setzte sich dann gegen Mitte der 70er Jahre die neue, fortschrittliche, zeitgemässe Grussformel durch. Die lautete „Mit freundlichen Grüssen“. Im Geschäftsleben dauerte es eine Weile, und es brauchte eine Reihe von fortschrittlichen Vorkämpfern, die sich für die Abschaffung der Hochachtung aus der Korrespondenz stark machten.

Aber es kam dann doch mit grosser Macht.

Am Ende des Jahrzehnts der 70er gab es nur noch das „Mit freundlichen Grüssen“, während das „Hochachtungsvoll!“ vielleicht noch auf dem einen oder anderen behördlichen Formularvordruck zu finden war, der die eine oder andere Verwaltungsreform nicht überstanden hatte.

Die Zeiten hatten sich geändert.

Das „present now“ hatte Einzug gehalten, und das „past“ war havariert.

DAS BLÖDE

Das Blöde am Ganzen ist natürlich, dass es sich bei den freundlichen Grüssen auch wieder nur um eine starre Floskel handelte.

Solche Förmlichkeiten sind gut, weil man ja im Alltag möglichst etwas haben will, woran man sich halten kann, ohne gross zu überlegen. Wenn es generell zu heissen hat „Mit freundlichen Grüssen“, dann weiss man, was man da zu schreiben hat. Dann schreibt man das, genauso wie vorher das „Hochachtungsvoll“, und wie davor vielleicht das „Ergebenster Diener“.

Wirklich blöd.

Tatsächlich machte das so manchem Zeitgenossen auch immer mal wieder Bauchschmerzen. Denn allzu oft ist es ja gerade in der Geschäftskorrespondenz so, dass man so gar nicht freundlich grüsst. Wenn man einem rotzfrechen Rechtsanwalt oder einer überbordenen Behörde schreibt, dann sind die Grüsse schliesslich so gar nicht freundlich.

Ueberlassen Sie Ihre Texte nicht dem Zufall…

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Wie immer mal wieder bei Rückfragen zu beobachten ist: Vielen Menschen geht es gegen den Strich, solche ganz und gar unfreundliche Schreiben mit freundlichen Grüssen zu unterschreiben… und hochachtungsvoll schon gar nicht…

Blöd also ist, dass viele nicht wissen, was sie so im einzelnen darunter schreiben sollen. Und nicht zuletzt geht es darüber hinaus vielen Menschen gegen den Strich, sich dieses starren Geflechts von Floskeln zu bedienen.

WAS ALSO SCHREIBEN?

Das bereitete vielen Menschen über die Jahre Probleme.

„Mit unfreundlichen Grüssen“… „Ohne freundliche Grüsse… ?

Alles nicht so recht befriedigend, besonders nachdem solche – missachtenden – Floskeln eher geeignet wären, so ein Gegenüber gegen einen aufzubringen. Was bei einem gegnerischen Rechtsanwalt nicht gar so schlimm wäre, könnte bei der einen oder anderen Behördenwurst allenfalls für noch grössere Probleme sorgen.

Diese Ueberlegung, mit welchem Gegenüber man es zu tun hat, in welcher Situation man sich selber befindet, gilt nicht nur für den konkreten Fall, dass man jemanden ausgesprochen nicht mag.

Ich erinnere mich noch, als ich vor Jahren von einem Grossbank-Generaldirektor, den ich aus Zeiten kannte, als er das noch nicht war, einen Brief bekam mit der Anrede „Lieber Herr Pollert“… Eigentlich war der Typ ein guter Mann, vielleicht der einzige gute Mann, den ich auf diesem Direktionsniveau im Bankgeschäft je kennengelernt habe.

Aber als das so kam. Solides, schweres Papier. Oben in der Mitte der Name geprägt, der Titel darunter. Und dann – maschinell geschrieben – „Lieber Herr Pollert“… das hatte so eine zart herablassende Note. „Liebe Mitbürger“, sagen Könige und Präsidenten in ihren Weihnachtsansprachen – nicht „Sehr geehrte Mitbürger“… „Lieber Herr Meier“, das sagt der Direktor zum Portier bei dessen 25-jährigem Dienstjubiläum und dankt für den unermüdlichen Einsatz…

Hätte mein Direktor das von Hand geschrieben, wäre alles in Ordnung gewesen. Dann hätte das Ganze eine persönliche, freundschaftliche Note bekommen. Wahrscheinlich war es auch nicht herablassend gemeint. Aber es versetzte mir so ein leises Zwicken irgendwo im Nacken… das mich über das Ganze nachdenken liess.

Das würde dann umso drängender, nachdem ich in den frühen 2000er Jahren ohne eigenes Zutun mit wirklich unangenehmen, armseligen Gestalten aus dem Justizbereich zu tun bekam, denen ich nun wahrlich nicht unterschriftlich bescheinigen wollte, dass ich ihnen freundliche Grüsse entbiete – von jeglicher Hochachtung ganz zu schweigen.

Es zündete, als ich im deutschen Fernsehen den Nachruf auf einen Politiker sah, der als grimmiger Charakterkopf bekannt war. Und all die Zeitgenossen äusserten sich ausgesprochen ratlos, weil der seine Briefe schon den 70er Jahren (noch zu den „Hochachtungsvoll“-Zeiten) mit „Ich diene“ abschloss.

„ICH DIENE“

Was mich am meisten überraschte: Wie sehr diese individuelle Floskel des Parteifunktionärs die Mitwelt doch irritierte und verunsicherte. Und bei Gestalten, die einem Böses wollen, ist es ja gar nicht einmal so schlecht, wenn man sie ein wenig irritiert und verunsichert. Nicht wahr?

Daraufhin entwickelte ich meine eigene kleine Grussformel.

Seither lesen alle, die nichts Besseres verdienen, von mir als Grussformel unter dem Brieftext, über meiner Unterschrift: „Ich zeichne“

Alle anderen bekommen dagegen „Liebe Grüsse“ von mir.

„Ich zeichne“, das ist neutral, das impliziert keine erlogene Freundlichkeit, steht so über der Signatur und bestätigt eigentlich nur die Handlung…

Bei den anderen, den lieben Menschen, bin ich bewusst umgestiegen auf die etwas herzlichere Version „Liebe Grüsse“ – denn bei denen sind die Grüsse ja wirklich lieb gemeint. Also warum es nicht auch so schreiben.

Ein Trost bleibt dabei natürlich: Die Briefkorrespondenz ist glücklicherweise am Aussterben, so dass wir uns in noch einmal zwanzig Jahren wohl kaum noch Gedanken über dergleichen machen müssen. Das reicht dann vielleicht „Guten Tag“ und „GLG“…

Ueberlassen Sie Ihre Texte nicht dem Zufall…

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Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
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