Achim H. Pollert: Die grosse Gefahr

Achim H. Pollert (*) über die Einschätzung der eigenen Aufgabe /// — ///

Kontakt zu Achim H. Pollert: http://texteservice.bplaced.net

Die Frau hiess Hannah Arendt. Sie war eine jüdische Gelehrte, die beim etwas zwielichtigen Professor Martin Heidegger Philosophie studiert hatte, mit dem sie wohl auch eine Liebesbeziehung hatte.

Während sich der Professor, der sich gerne hinter aufgeblasenen, unverständlichen Schachtelsätzen versteckte, dann mit dem Hitlerismus arrangierte, musste Hannah nach Amerika fliehen, wo sie zur bedeutenden Politologin avancierte.

Natürlich: Philosophen, Politologen und sonstige Gelehrte in geisteswissenschaftlicher Richtung dringen nur selten ins öffentliche Bewusstsein vor. Das hat seine Vorteile, etwa den, dass sich die Gelehrtenwelt nach dem Tod Hitlers dann doch irgendwie mit den fragwürdigen Fehltritten Heidegger abfand, d.h. dass er sich auch weiterhin arrangieren konnte.

Aber im allgemeinen ist es natürlich schon so, dass noch etwas im öffentlichen Leben passieren muss, damit solche Gelehrte einem breiteren Publikum bekannt werden.

Bei Hannah Arendt war das der Eichmann-Prozess.

Der ehemalige SS-Mann Adolf Eichmann wurde nach Jahren im Untergrund 1960 in Argentinien vom israelischen Geheimdienst geschnappt und nach Jerusalem verfrachtet, wo ihm vor der Weltöffentlichkeit der Prozess gemacht wurde.

Der grosse Verbrecher

Nicht zuletzt trug dieser gelungene Streich zum Weltrum des Mossad als geradezu unheimlich schlagkräftige und allwissende Geheimorganisation bei.

Einen führenden Nazi, dem monströse Verbrechen zur Last gelegt wurden, hatte der Mossad in einem fremden Land aufgespürt und dort den richtigen Augenblick getroffen, um ihn zu packen und im Untergrund ausser Landes zu schaffen.

Und so sass er also da in Israel und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

Der Mega-Verbrecher.

Hitler, Goebbels, Himmler und ein paar weitere hatten Gift genommen. Freisler war bei einem Luftangriff ums Leben gekommen. Heydrich hatten tschechische Widerständler gerichtet. Göring hatte den Prozess abgewartet und dann Gift genommen, kurz bevor sie ihn aufgehängt hätten.

Aber die zweite Garde, die Fieslinge, die genau so verantwortlich für den Tod von Millionen von Menschen waren, würde man doch noch greifen können. Öffentlich anprangern und in ihrer ganzen dämonischen Verderbtheit der Nachwelt präsentieren können.

Wenigstens probieren konnte man es.

Und da war nun eben Eichmann dran.

Chef des „Judenreferats“ in Berlin. Hauptbeteiligter der „Endlösung der Judenfrage“ im Reichssicherheitshauptamt. Aus seinem Büro war die Deportation von Millionen von Menschen in den sicheren Tod organisiert worden.

Was für ein Verbrecher musste das sein? Ein eiskalter Mensch ohne jede Gewissen. Ein teuflischer Denker, der im Hintergrund ohne jede menschliche Regung die Fäden in der Hand hielt.

Das Würstchen

An dieser Stelle kommt Hannah Arendt ins Spiel.

Sie war damals, 1961, als Zuschauerin zum Eichmann-Prozess in Jerusalem. Und sie berichtete, offenbar selber sehr überrascht, über das, was sie da so sah.

Der da vor den Schranken des Gerichts stand und sich für seine monströsen Verbrechen verantwortete, war nun gar nicht so ein unheimlicher Kopfmensch, bei dem es einem kalt den Rücken herunterlief.

Hannah schrieb ganz im Gegenteil von der „Banalität des Bösen“. Von einem belanglosen Bürokratie-Würstchen, so einem sehr durchschnittlichen Typ, der mit viel Eifer und Fleiss linientreu die scheusslichsten Verbrechen ausführte.

So gar nicht das Dämonische, mit ausdrucksstarkem Gesicht, einem angewiderten Zug um den Mund und einem wirren Blick. So gar nicht das Überlegene, Unberechenbare, das man mit so einem Jahrhundertverbrecher in Verbindung bringen würde.

Auch Hannah Arend war natürlich der Meinung, dass es sich bei Eichmann um einen Schwerverbrecher handelte. Das schrieb sie auch in ihren Zeitungsberichten und Büchern. Nur eben schrieb sie auch, dass dieser Eichmann einen überraschend „normalen“ Eindruck machte. So gar nicht der geheimnisumwitterte Menschenfresser, der sich immer neue Unmenschlichkeiten ausdenkt. Vielmehr so der alltägliche Bürokrat, der morgens ins Büro geht und dort alles schön sauber organisiert.

Fahrpläne. Wann wo wie vergast werden muss, damit alles reibungslos weiter läuft. Was mit dem Zahngold zu geschehen hat und mit den Massen an Menschenhaar. Und so weiter und so fort.

Genau diese Feststellung aber war für die Menschen zu schwer.

Mit solchen Sprüchen würde der Unmensch verharmlost. Das wäre ja fast wie eine Entschuldigung für diese Verbrechen. Die Jüdin Hannah Arendt wurde wohl sogar als „Nazi-Schlampe“ beschimpft.

Kaum jemand wollte für wahr haben, dass dieser Eichmann eigentlich ein ganz armseliges Würstli war. Und eben nicht der Mephisto, der gespenstische, übermächtige Untäter, der mit allen Wassern gewaschen ist.

Was aber steckt dahinter?  

Was verstörte eigentlich die Menschen so sehr an diesen Feststellungen Hannah Arendts?.

Irgendwie wäre es doch auch beruhigend anzunehmen, dass es dieses unheimliche Böse, dieses Übermächtige, Verschlagene, Undurchschaubare so vielleicht gar nicht gibt. Nicht ganz unangenehm wäre doch diese Vorstellung, dass es sich bei solchen entgleisten Megaverbrechern eher um Langweiler und Primitivlinge handelt, über die man eigentlich lachen könnte, wenn sie nicht so abscheulich gewalttätig wären.

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Sicher. Viele Menschenrechtler, Hilfsorganisationen u.s.w. würden sich angesichts des unglaublichen menschlichen Leids schwer tun mit dem Gedanken. Auch Überlebende und Angehörige wären durchaus nicht glücklich mit dem Gedanken, Opfer von solchen kleinen Mieslingen geworden zu sein.

Wer aber konnte mit dem Gedanken, dass dieses Böse von ganz banalen Witzfiguren inszeniert worden war, überhaupt nicht leben?

Zunächst hätte ganz offensichtlich der Mossad ein Problem damit… was heisst hier Würstli? Wir – der gerissene High-Tech-Geheimdienst, Intelligence auf höchstem Niveau – lassen uns 15 Jahre lang von einem Büro-Würstli foppen? Ein mieser kleiner Bürokrat führt uns an der Nase herum, bis wir ihn dann – endlich – schnappen… unmöglich!

Ein Problem hätten wohl auch die Alliierten mit dieser Annahme, dass Nazi-Bonzen eher kleinkarierte Hanswurste waren. Ein Regime von Hanswursten soll uns all die Jahre als Feind beschäftigt haben? Hinter dem, was uns all die Kriegsjahre intensiv beschäftigt hat, was uns Milliarden gekostet hat und was wir als ernste Bedrohung empfunden haben, soll eine Organisation von menschlich zweitklassigen Bürohengsten gesteckt haben?

Wir – die stolze britische Weltmacht, die vor kurzem noch ein Drittel der Erdoberfläche und ein Viertel der Weltbevölkerung unter ihrer Krone vereinte…?

Und das soll eine Bande von Wirtshausgesichtern sein, die hinter dem gesteckt hat? Ein Verein von Pflichterfüllern, die uns so intensiv beschäftigt haben?

Uns?

Wer sind wir denn?

Und genau das ist dann der Punkt, um den es geht.

Mein Feind…

Wenn ich eine bedeutende Persönlichkeit bin. Wenn ich so mächtig, bedeutend, mutig und überragend bin, dann kann es nicht sein, dass mein Gegner eine miese, kleinkarierte Erscheinung ist, die sprichwörtlich mehr Glück als Verstand hat.

Dann muss ich erzählen können von der beklemmenden Bedrohung, die von meinem Feind ausgeht. Mächtig, gerissen, undurchschaubar, brandgefährlich. So muss mein Feind sein. Und ganz und gar nicht alltäglich, langweilig, primitiv und beschränkt.

Entsprechend musste natürlich Erwin Rommel im britischen Bewusstsein ein ganz ausserordentlicher Stratege sein, ein überlegener Charakter, der in seinen Plänen und Erwägungen stets unvorhersehbar und überlegen war. Denn nur ein Mann von solchem Format konnte schliesslich die vereinte britische und amerikanische Weltmacht jahrelang in Schach halten.

Dass Rommel, wenn ich ihn mir in den alten Nazi-Wochenschauen betrachte, eher auch so ein etwas belangloses Männlein zu sein scheint, passt so gar nicht zu diesem Bild des Ausnahmecharakters, der anständig seinen Mann steht. Das Männlein, das da mit bierernstem Portier-Gesicht den Arm zum Hitlergruss hebt, das da in breitestem Schwäbisch Plattitüden („’s gähd bschdimmd guud…“) von sich gibt, ist keine Persönlichkeit von Format, sondern einfach nur ein Wirtshausgesicht.

So mein Eindruck.

Nur eben: Wie müsste sich die anglo-amerikanische Militärmacht fühlen beim Eingeständnis, so ein Männlein als Gegner gefürchtet zu haben? Wie weit wäre es dann mit dem eigenen Mut und den eigenen Fähigkeiten?

Das hat durchaus Methode. Auch heute noch hört man in den englischen Pubs vom grossen, mächtigen, überwältigenden Deutschland reden – Klammer auf: … und „WIR“ sind so einem übermächtigen Feind widerstanden… Klammer zu.

Dieses Muster geht weit zurück in die Geschichte. Die Feinde, die „WIR“ besiegt haben, sind stets unbezwingbar, mächtig und unglaublich bedrohlich. Und deren Ansinnen ist nie wirr und von vorne herein aussichtslos gewesen.

Wo kämen wir da hin?

Vierzig Segelschiffe aus Spanien auf dem Weg in die Niederlande werden da zur unbezwingbaren Armada, die als Seemacht das ganze englische Königreich bedroht.

Ein paar Berittene in Rüstung werden zum übermächtigen habsburgischen Ritterheer, gegen das die Urschweizer praktisch aussichtslos dastehen.

Hannibal mit einem Heer, das ein paar Elefanten mit sich führt, wird zur gewaltigen karthagischen Streitmacht, die Rom auslöschen könnte.

Und nur weil „WIR“ so mutig, so trickreich, so entschlossen, so wendig, so intelligent sind, konnte es „UNS“ gelingen, solche übermächtigen Gegner zu bezwingen.

Ich denke oft daran

In der Tat denke ich oft an Hannah Arendt, wenn ich von meinen Erfahrungen aus der Wirtschaft berichte.

Wenn ich berichte von Managern, die nichts weiter als dumm wie Saubohnenstroh sind. Wenn ich berichte aus der obersten Führungsetage, wo Leute sitzen, die zu blöd sind, um einfachste wirtschaftliche und logische Zusammenhänge zu begreifen. Wenn ich berichte davon, dass die meisten der immer wieder aufgedeckten Schandtaten in der Wirtschaft nur und ausschliesslich aus Dummheit und Inkompetenz der Verantwortungsträger geschehen, dann geht es mir ähnlich wie Hannah Arendt damals.

Dann rufen meine simplen Feststellungen die Empörung vieler Wirtschafts- und Bankkritiker hervor. Da wird mir auch vorgehalten, ich würde diese Wirtschaftsverbrechen verharmlosen, sie in Schutz nehmen. Das wird mir erklärt, ich hätte ja keine Ahnung – zuweilen gar, ich wäre ja wohl auch neidisch, weil ich es nicht zum Manager gebracht habe.

So kann es schliesslich nicht sein. Dass diese Strippenzieher an der Spitze der Wirtschaft, die man mit aller Kraft – und geringem Erfolg – bekämpft, nichts weiter ist als eine Bande von Dummbeuteln …

… wo kommen wir denn da hin?

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Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
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