Achim H. Pollert: Der Präsident und das Model

Achim H. Pollert (*) über das Ende des französischen Pragmatismus /// — ///

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Es war einmal ein Land, das ich kannte.

Ein Land, das über Jahrhunderte massgebend war für Zivilisation, Wissenschaft und Gesellschaft.

Das metrische System wurde in dem Land erfunden. Dass es also nicht sieben unterschiedliche Meilen gibt, neben einer grösseren Zahl von lokalen Messgrössen, sondern eben den vierzigtausendsten Teil des Erdumfangs als Kilometer. Dass es nicht allerlei Hohlmasse gibt – Schoppen, Pint, Fuder u.s.w. -, sondern eben den tausendsten Teil dieses Kilometers hoch drei als Kubikmeter. Dass es nicht eine Unzahl an Gewichten gibt, die alle irgendwie Tonne heissen und manchmal 835.3 oder auch 1054 Kilo wiegen, sondern eben das Gewicht von einem Kubikmeter Wasser.

Etwas, das das Leben einfacher macht.

Ebenso wurde eine grosse Zahl von verwaltungstechnischen Details in dem Land erfunden. Etwa, dass Strassen immer von der Ortsmitte nach draussen nummeriert sind, dass gerade und ungerade Hausnummern einander gegenüber liegen und dass die ungeraden Nummern jeweils links, die geraden rechts liegen.

Auch dies so etwas, das das Leben einfacher macht.

Dass das alltägliche Zivilrecht von Heirat, Verwandtschaft, Erbschaft und Eigentum bestimmten nachvollziehbaren Regeln folgt und eben nicht vom Ortsgebrauch, von kirchlichen Vorschriften oder Familienkonventionen bestimmt wird, ist so eine Erfindung aus diesem Land, die das Leben einfacher macht.

FRANKREICH

Musterbeispiel für eine Gesellschaft, die danach strebt, die Dinge des Alltags einfacher zu gestalten.

Nicht unnötig belastet sollen die Menschen mit Alltagsdingen werden, sondern eher befähigt werden, die wertvolle Zeit des Diesseits mit Sinnvollem zu verbringen anstatt mit sinnlos komplizierten Formalitäten.

Beispielsweise mit der Entwicklung von Kunst. Der ganze Bereich des Visuellen, der so bezeichnend ist für die französische Kultur. Angefangen bei genialen Malern wie Edouard Manet, über Daguerre mit der Erfindung der Fotografie, Lumière mit der Erfindung des Films bis zu den trivialen Niederungen der Gegenwart in Form von modischer Gestaltung und weltbekannten Comics.

Möglicherweise gehört es zu den traditionellen Wesensmerkmalen der französischen Kultur, die Banalitäten des Alltags möglichst simpel zu halten, damit man sich mit der Realisation der wichtigen Dinge des Lebens befassen kann.

So habe ich die französische Gesellschaft gekannt und geschätzt.

Das hatte durchaus auch seine Schwächen.

Das Fehlen oder besser: die lokale Auslegung von betonierten Vorschriften lässt immer mal wieder auf Flickwerk und fortdauerndes Provisorium schauen. Das begann einst bei klapperigen Autos, die trotz durchgerosteter Bodenbleche irgendwie über die Runden kamen und rollten. Und das ging bis zu einer Wiederaufbereitungsanlage von nuklearen Brennstoffen an der Aermelkanalküste, von der es heisst, sie wäre mit einem einfachen Blechdach gedeckt.

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Ob dergleichen immer auch wahr ist, bleibe einmal dahingestellt. Wer Frankreich von damals kannte, würde solche Dinge zumindest für möglich halten.

Dahingehend, dass es wichtigere Dinge gibt als die alltägliche Perfektion in Technik und Wortfolge. Insbesondere dann, wenn die Dinge funktionieren so, wie sie sind.

VORAUSSETZUNG

Damit so etwas funktionieren kann, muss innerhalb einer Gesellschaft eine Voraussetzung erfüllt sein.

Es muss auf den verschiedenen gesellschaftlichen Rängen Menschen geben, die den eigentlichen Grund dessen, was sie da tun, verstanden haben und die bereit sind, ihr Handeln an diesem Sinn und Zweck auszurichten.

Nicht ganz von ungefähr hat man ehedem in dieser Kultur der Funktionalität immer mal wieder die Worte „en principe“ gehört. Im Prinzip müsste dieses oder jenes repariert werden. Im Prinzip war schon in den 80er Jahren in Frankreich das Rauchen in geschlossenen Räumen verboten. Im Prinzip müsste man diesen oder jenen Beleg noch beibringen.

So etwa der Apotheker, der im Prinzip ein Rezept haben müsste.

Oder der Steuerverwalter, der im Prinzip keine Barzahlung annehmen dürfte.

Auch in Frankreich gab es natürlich in der Vergangenheit durchaus auch solche wandelnden Alpträume, wie sie für anderen Gesellschaften typisch sind. Die also einen Diabetiker mitten in der Nacht an die Notaufnahme des 40 Kilometer entfernten Spitals verweisen. Die ein Steuerstrafverfahren in Gang setzen, obwohl man am letzten Tag der Zahlungsfrist mit dem geschuldeten Betrag in bar gekommen war.

Aber es gehörte mit zur gesellschaftlichen Praxis, dass sich irgendwo ein vernünftiger Mensch fand, der sich im Interesse des Funktionierens über dieses Prinzip hinwegsetzte, das da eigentlich vorgeschrieben war.

Eben: Der Apotheker muss sich darüber im klaren sein, dass der Sinn seiner Tätigkeit die Versorgung von Menschen mit Medikamenten ist. Ebenso wie der Steuerbeamte, dass er dafür da ist, Steuerzahlungen entgegenzunehmen.

Der Mann am Schalter in Dünkirchen, der Billets für das Fährschiff nach England verkauft und der fragt, wie lange man denn dort bleiben werde. Sagte man, bis Ende der Woche, dann würde er einem eine einfache Überfahrt verkaufen, weil Tagesbillets nur 48 Stunden gültig sind und man besser die Rückfahrt dann in Dover kaufen würde, weil es dort billiger ist.

Beispiele für Menschen, die „im Prinzip“ an bestimmte Vorschriften gebunden sind, die sich aber über den Sinn ihrer Aufgabe im klaren sind. Menschen, die grossen Wert darauf legen, als freie Bürger geboren zu sein, und die für sich in Anspruch nehmen, diese für ihre Gesellschaft identitätsbildende Freiheit im praktischen Alltag zu leben.

ES WAR EINMAL…

Wie gesagt: Es war einmal ein Land, das ich kannte.

Es war noch weitgehend so in den 1990er Jahren. Die Dinge funktionierten. Das grosse Ganze lief, auch wenn man sich im Einzelfall auch einmal fragen würde, warum. Wie gesagt: Es funktionierte, weil es dazwischen in den Hierarchien Menschen gab, die ihre jeweilige Aufgabe ausführten.

Inzwischen, knapp zwei Jahrzehnte später, scheint dort alles anders zu sein in dem Land, in dem es immer mal wieder einen kleinen Funktionär gegeben hatte, der sich die Freiheit heraus nimmt, seinen Job zu machen.

Zum ersten Mal versetzt, sagen wir, nach Deutschland oder auch nach England fühlte ich mich dann in den 2000er Jahren im Hafen von Calais. Ich wartete auf einen Lastwagen aus England. Der war am Vorabend mit dem Schiff herübergekommen. Der Chauffeur schlief im Wagen.

Es ging nun darum, an die Tür des Lastwagens zu klopfen und dem guten Mann zu sagen, er sollte das Freihafengelände verlassen und mir hinterher fahren.

Ich sah den Lastwagen etwa fünfzig Meter hinter der Barriere. Und im Häuschen dort sass eine gelangweilte Gestalt, die mich weder schnell zu dem Wagen hin laufen liess, noch selber schnell hin gelaufen wäre, um an die Tür zu klopfen.

Es war wohl das erste Mal, dass ich in Frankreich diesem An-die-Wand-reden wegen einer Kleinigkeit. Alles, was der Herr damals für mich tun konnte, war, mir den Rat zu geben, mich bei der Verwaltung um Zutrittspapiere zu bemühen. Eine halbe Stunde anstehen, um das Formular zu bekomme, das dann ausfüllen und wieder eine halbe Stunde anstehen, das Formular prüfen lassen und die Zutrittsbewilligung entgegennehmen.

Insgesamt eineinhalb Stunden verplemperte Zeit… um dann festzustellen, dass man die Prozedur auch für meine Frau hätte durchführen müssen.

… PAS LA REVOLUTION

Natürlich sind wir alle geneigt, uns über das Bürokratenpack aufzuregen, wenn wir gerade Schwierigkeiten gemacht bekommen, und zwar überall auf der Welt. Und gerade auch in einem sicherheitsempfindlichen Bereich wie einem Freihafen möchte man niemandem einen Vorwurf machen, dass er sich stur an seine Vorschriften hält.

Problematisch ist dagegen mein Eindruck, dass in diesem Frankreich inzwischen eine Mehrheit von Menschen bei all diesen Kleinigkeiten auf stur schaltet, also nicht mehr ansprechbar ist.

Es gibt da die Redewendung „Je ne demande pas la revolution“, sinngemäss etwa: „Ich verlange nichts Unmögliches“.

Bei der Bank. Ich komme nicht als Nobody und will einen Kredit, eine komplizierte Finanzierung, einen zehn Jahre alten Wechsel einlösen. Nein: Ich will nach einer längeren Abwesenheit ein Bankkonto eröffnen, auf das ich etwas Geld einzahlen kann, um die lokalen Rechnungen (Strom, Wasser, Grundbesitzsteuer u.s.w.) zu begleichen.

Eine solche Kontoeröffnung hat zu meinen Bankzeiten ein Schalterbeamter nebenbei erledigt. Zumal in Frankreich.

Also wirklich nicht die Revolution… trotzdem wurde mir in Frankreich querbeet bei den Banken erklärt, zur Eröffnung eines Kontos müsste ich einen Termin vereinbaren und dann wiederkommen.

Was ich ebenfalls gebraucht hätte – mehr noch als ein Bankkonto -, wäre ein Telefonanschluss gewesen, um einen extrem wackeligen WLAN-Zugang zu ersetzen. An ein stabiles Handy-Netz ebenfalls nicht zu denken.

Nicht die Revolution… aber auch hier musste ein Termin vereinbart werden, in einem Laden in der Innenstadt, wo nette, aber gänzlich ahnungslose Menschen von Dingen redeten.

In beiden Fällen – Bank und Telefon – begannen die Woche zu vergehen. Leute gingen in die Ferien und hatten keine Stellvertreter, so dass Rückfragen aus Missverständnis wochenlang liegen blieben. Zugesagte Termine wurden einseitig verschoben, was man aber nur erfuhr, wenn man online das vorgesehene Datum abfragte.

Vor Ort angesprochene Sachbearbeiter erklärten schulterzuckend, es wären nicht sie, sondern die Regionaldirektion in Lille, und dort könnte es eben dauern…

Drei Monate.

Kein Telefon. Kein Bankkonto. Weil jeder einem vorgeschriebenen Ablauf folgt, ungeachtet jeder vernünftigen Erwägung, den aber keiner ganz zu kennen scheint.

Und das nicht, weil ich die Revolution verlangt hätte.

Frankreich eben, wie ich es nicht gekannt habe. Wo sich schon immer wieder einzelne Menschen aus Tradition dem Sinn und der Vernunft der Dinge verpflichtet fühlten, was das Ganze unkompliziert am Laufen hielt.

Ich werde wohl damit leben müssen. Dass man sich auch in Frankreich im einen oder anderen Laden dumm anschwätzen lassen muss, man habe gefälligst diese oder jene Tür als Ausgang zu benutzen. Dass die Dinge nicht funktionieren, egal, wie es mir dabei geht. Dass mir eine 500-Euro-Note am Schalter einer Grossbank nicht gewechselt wird.

Natürlich: Wenn das Leben in Frankreich so kompliziert und detailverliebt ist wie überall, dann kann ich auch nach England oder nach Deutschland (von der Schweiz einmal zu schweigen). Dort habe ich zwar auch allerlei Komplikationen im Alltag. Aber dort habe ich eine brauchbare Infrastruktur, ein umfangreiches lokales Kulturangebot und erhebliche bessere Einkaufsmöglichkeiten.

Was ich mich allerdings auch frage: Hat dieser Verlust von Vernunft und Unkompliziertheit in der Gesellschaft wohl etwas damit zu tun, dass man sich seit Jahren schon in diesem Land fragt, ob der Staatspräsident ein Fotomodel heiratet, ob diese Präsidentengattin sich nackt fotografieren lassen durfte, ob ein anderer Präsident mit dem Töffli früh morgens durch Paris zu seiner Geliebten tuckert…

… und ähnlicher Illustrierten-Blödsinn.

Wie war das? Eine Verpflichtung zur Vernunft, sich mit dem Sinn der eigenen Aufgabe zu befassen und deren Zweck zu kennen…

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Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
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