Achim H. Pollert: Weg ohne Wiederkehr

Achim H. Pollert (*) über Wege, die man geht /// — ///

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Ich war jung.

Wir alle waren jung. Wir lungerten viel auf der Gasse herum, erstmals in der Nachkriegsgeschichte konfrontiert mit dem Umstand, dass es kein grenzenloses Wachstum gibt. Es gab erstmals Jahre, in denen die Wirtschaft schrumpfte.

Düstere Zukunftsvisionen beherrschten das öffentliche Klima. Die Charleton Heston Filme von „Planet der Affen“ bis „Soylent Green“! Künftige Generationen würden uns vor Gericht stellen, weil wir die Entwicklungsländer ausbeuteten und weil wir die Erde mit unseren Abfällen verpesten.

Weil wir Gassenkinder waren, gab es zwar wohl Erwachsene, die immer mal wieder gewalttätig gegen uns wurden oder uns viel Blödsinn predigten und befahlen. Es gab daneben aber kaum Erwachsene, die einem etwas mit Hand und Fuss erzählten, oder die einem gar etwas Nachahmenswertes vorlebten.

Eltern hielten ihre Schuldigkeit für getan, wenn man satt zu essen hatte und im Winter nicht fror. Lehrer beschimpften uns, wir wären dumm, faul und unreif. Manche Erwachsene spielten sich auf, als wären sie besonders berufen, den Jugendlichen ein Beispiel von Reife, Bildung und Charakter zu geben. Sie waren es halt nur nicht, eher im Gegenteil.

Die Gasse mit ihrem Volk eben.

Wir hatten keine richtigen Perspektiven, nachdem die Verheissungen der Gesellschaft wegfielen, schnell und unkompliziert zu Geld und Stellung zu kommen. „Null Bock“ – wie es damals hiess.

Es wurde viel getrunken. Manche tranken aus charakterlicher Schwäche, also weil sie Alkoholiker waren. Andere, die etwas beherrschter waren, tranken einfach nur aus Frust.

Aber gesoffen wurde.

Es gab solche, die mit grossem Stolz berichteten, schon einmal von den Ordnungskräften mit einer Alkoholvergiftung aufgegriffen und ins Spital eingeliefert worden zu sein.

Die Perspektive für junge Männer war, einen gediegenen Job irgendwo zu bekommen, idealerweise bei einer Bank, um dann eine gesicherte Existenz zu begründen. Für junge Frauen war die Perspektive eher, einen Mann mit einem solchen gediegenen Job an sich zu binden.

Weiter nichts.

Und auch das nur, wenn man ordentlich spurte, dazu noch eine Portion Glück hatte und als Charakter nicht zu stark von einem Durchschnitt abwich.

Dass es vielleicht Interessanteres im Leben gibt, als gut spurender Bänkler, Arzt, Lehrer, Pastoralassistent, Schichtleiter, Pilot o.a. zu sein, das ahnten wohl weitaus die meisten dort auf der Gasse. Dass man zumindest die Auffassung vertreten könnte, dass Zeit das einzige ist, was wir haben auf dieser Welt haben, und dass es töricht ist, massive Teile dieser Zeit zu verschwenden, das ahnten viele.

Aber natürlich sass das Nachplappern dessen, was allgemein anerkannt ist, so tief, dass sich die Menschen davon nicht ohne weiteres lösen konnten. So erinnere ich mich etwa daran, wie ich mit einem Gassenkumpel zusammen damals den Film „Die Reifeprüfung“ mit Anne Bancroft und dem jungen Dustin Hofman schaute, in dem es ja eben genau darum geht. Dass vordergründige Ambitionen allenfalls Zeitverschwendung sind, dass materielle Befriedigungen womöglich nicht das wirkliche Leben ausmachen, dass es vielleicht nicht die grösste Verlockung darstellt, sich nach dem zu richten, was die anderen denken, wollen, erwarten, raten.

Ich war immerhin damals schon hoch erstaunt, als ich meinen Kumpel, der durchaus von der Filmhandlung beeindruckt war, dann zwischendurch angesichts des roten Sportwagens, mit dem der reiche Erbe Benjamin über die Bildfläche düst, sagen hörte: „Was man mit so einer Karre Weiber aufreissen könnte…“

Die Fremdenlegion

Jugendliche auf der Suche. Jugendliche mit einem starken Mangel an Orientierung. Jugendliche, die dankbar sein sollten, wenn man ihnen ein Lebenskonzept ermöglichte, bei dem sie nicht wirklich sicher waren, dass dadurch ihre Existenz Sinn erhalten würde.

Und durchaus auch innerhalb einer Gesellschaft, die sie von der Gemeinschaft ausschliesst, wenn sie diesen Standards nicht entsprechen können oder wollen.

Es ging damals der Spruch um von der Fremdenlegion.

Wenn alles danebenginge, könnte man ja auch noch zur Fremdenlegion. Natürlich auch so hingeschwätzt auf der Gasse, ohne ernstzunehmende Substanz. Immerhin auch schon begleitet von der Bemerkung, es hätte da wohl im Metz in Lothringen so eine Aufnahmestelle der Legion.

Aber ich erinnere mich sehr wohl, wie mir dieser Spruch damals geblieben ist.

Die Verlockungen der Legion!

Zunächst einmal etwas, was sonst keiner macht. Etwas Einzigartiges!

Dann der Geschmack von Freiheit und Abenteuer! Algerien! Indochina! Polynesien! Lauter Dinge, die so ganz anders sind als das, was man beim Herumlungern auf der Gasse und im Wirtshaus erlebt.

Dann eine starke Gemeinschaft, in der man als unbeschriebenes Blatt wieder von vorne anfangen kann! Wo es egal ist, was man vorher gemacht hat. Wo es egal ist, wie man vorher geheissen hat. Wo man beurteilt wird vor allem danach, was man heute ist und heute macht.

Und dann natürlich noch der Umstand, dass man dort wohl als ganzer Kerl für voll genommen würde.

Lauter Dinge, die man als Jugendlicher auf der Gasse irgendwie vermisste. Neben solchen Verlockungen traten natürlich sachliche Erwägungen, vor allem auch, dass man sich vielleicht in zwanzig Jahren für eine solche Handlung würde verantworten müssen, klar in den Hintergrund.

Natürlich war das alles Spinnerei.

Aber dass solche Spinnerei immer mal wieder junge Menschen in ihren Bann zieht, dafür ist ja alleine schon die Tatsache Beleg, dass die französische Fremdenlegion nach wie vor existiert. Es muss also Menschen geben, die diese Faszination erfasst.

Ich hatte immerhin Glück.

Ich schaffte den Einstieg ins Bankfach durch die Hintertür, ganz unvorbereitet und unerwartet. Bei mir war also nicht alles daneben gegangen, obwohl ich mich über all die Jahre bei der Bank hinweg so verzweifelt auch nach Gemeinschaft, Abenteuer, Kameradschaft, Sinngebung sehnte.

Dass ich mich dann bei Nacht und Nebel nach Metz, Mulhouse oder Besançon gemacht hätte, um mich in die Hände der Legion zu begeben, das blieb trotzdem aus… vielleicht hatte ich ja auch nur Angst, sie würden mich allenfalls wegen Fettleibigkeit nicht wollen…

Ich war jung, wie gesagt.

Woran erinnert das?

Jugendliche. Eher daheim in einem bildungsfernen mittelständischen Milieu. Auf der Gasse sich selbst überlassen. Auf der Suche nach etwas, das dem eigenen Leben Sinn und Befriedigung gibt. Auf der Suche nach Gemeinschaft und Verlässlichkeit, die ihnen die Gasse so nicht gibt. Nach aussergewöhnlichem Erleben, das sie auf der Gasse so nicht haben. Auf der Suche nach dem Ausstieg, mit dem sie alles hinter sich lassen können.

Und da kommt dann einer und bietet das alles an.

Der bietet dem Jugendlichen einen festen Platz in einer starken Gemeinschaft mit massiver Wertebindung. Die Werte, die propagiert werden, geben dabei vor, sich anstatt auf das Baby-Exkrement („… werden WIR Weltmeister…?“) auf die angeblichen letzten Dinge zu beziehen („… erkenne den Willen Gottes…“).

Der suggeriert dem Jugendlichen, Teil einer Avantgarde von Auserwählten zu werden. Und auch diese Avantgarde ist nicht auserwählt für Banalitäten wie eine möglichst protzige Lebensführung, sondern für angeblich Grossartiges wie die historische Unsterblichkeit oder das ewige Leben im Widerschein Gottes.

Der verheisst dem Jugendlichen das grosse Abenteuer. Irgendwo in einer fernen Weltgegend gemeinsam mit goldtreuen Kameraden Gefahren bestehen im Kampf für das Gute und jeden Unwürdigen, der sich einem in den Weg stellt, einfach nur zermalmen. Furchtlos und unerschrocken.

Und alles, was bisher gewesen ist, so die Verheissung, wird damit ausgelöscht. Deine Herkunft. Die Dinge, die du getan hast. Du bist durch deine Entscheidung ein anderer Mensch.

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Ein besserer Mensch.

Und daneben verblasst dann alles andere. Rückblickend auf ureigene Erfahrungen ist mir bis heute klar, wie faszinierend eine solche Botschaft auf so einen Jugendlichen wirken muss.

Einen Jugendlichen, der zwar einerseits wirtschaftlich aus dem Mittelstand kommt und dabei in bildungsfernen Verhältnissen auf der Gasse herumlungert. Einen Jugendlichen, der von Erwachsenen umgeben ist, die ihm gepredigte Werte nicht vorleben. Einen Jugendlichen, der auf der Suche nach Sinn und Abenteuer ist und dem sein Umfeld nichts weiter verheisst als materiellen Erfolg, und auch das nur, wenn er ordentlich spurt.

Da wird dann der Aufruf zum Heiligen Krieg schlagartig zur Frohen Botschaft von Freiheit und Erlösung.

… und an diesen Aufruf zum Heiligen Krieg erinnert es halt schon.

Nichts Neues

Neu ist das Ganze nicht.

Es gab in der Vergangenheit immer mal wieder solche Verheissungen, bei denen viele in dem bewussten Gassenmilieu nicht verstanden, warum einige ihnen erlagen.

Es gab schon immer die Faszination, in politisch und religiös motivierten Kämpfen mitzuwirken. Schon aus dem Mittelalter kennt man diesen Aufruf zum Heiligen Krieg, damals natürlich unter umgekehrten Vorzeichen. Und gerade auch, was Irrationalität und Nachvollziehbarkeit angeht, sind die Kreuzzüge von damals mit den religiösen Kämpfen der Gegenwart gut vergleichbar.

Es gab das Engagement für allerlei Zwecke. Und es gab solche, die diese Bereitschaft zum Engagement missbrauchten.

Politischer Idealismus. Sektentum aller Art. Nationalismus. Linker Terrorismus.

Sie alle operieren mit diesen Verheissungen von Gemeinschaft, Erweiterung des eigenen Ich, Idealismus, Abschluss mit allem Bisherigen, die Gelegenheit, etwas von Bedeutung zu tun.

Eigentlich ist es ganz einfach mit Heiligen Krieg…

Dem Prinzip nach hätte es mir vor Jahrzehnten auch widerfahren können. Wie gesagt: Eher mit der Fremdenlegion als mit der einen oder anderen religiösen Verirrung, aber durchaus aus denselben Motiven.

Allerdings wäre aus pragmatischer Sicht zu beachten, dass es für mich damals von der Fremdenlegion einen Weg zurück gegeben hätte.

Die meisten solcher Engagements allerdings lassen diese Wiederkehr in die Legalität nicht zu. Hat man erst einmal eine schlimmere Straftat begangen, beginnt eine Reise ohne Wiederkehr. Was aber denjenigen, die der Verheissung erliegen, zu Anfang egal ist.

Was ist zu tun?

Ist eine Zahl von jungen Menschen bereits dieser Verheissung erlegen, dann sind praktische Massnahmen nicht ganz einfach.

Ein leistungsfähiges Aussteiger-Programm scheitert wohl von vorne herein daran, dass solche Aussteiger durchaus schwere Verbrechen bis hin zu Mord und Folter begangen haben und dass man mit ihnen unvoreingenommen reden müsste.

Verbote greifen meist erst, wenn sie tief in die individuellen Rechte vieler Menschen eingreifen bis hin zur massiven Gesinnungsschnüffelei und zum kompletten Überwachungsstaat.

Militärische Massnahmen können wohl einen akuten Flächenbrand eindämmen, dienen aber der Sache auf längere Sicht nicht, etwa indem sie die feindliche Stimmung gegenüber dem Westen eher fördern als abmildern.

Das Zauberwort dagegen hiesse Prävention. Die Gesellschaft könnte Angebote schaffen, die für Jugendliche auf der Suche interessant sind.

Beispielsweise mit echten Bildungsangeboten, statt blosser Ausbildung. Dass es nicht zum Normalfall werden darf, wenn jemand bis zum 20. Lebensjahr das Gymnasium besucht, um dann eine Lehre als Tierpfleger zu machen und nicht zu wissen, dass der Plural von „Praktikum“ nicht „Praktikas“ ist.

Beispielsweise mit echter Substanz statt nachgeplapperten Sprüchen. Dass die Sprüche nicht überall dieselben sind. Zum Beispiel: „Wenn du nicht ordentlich spurst, dann versaust du dir alles im Leben.“

Beispielsweise dadurch, dass die Gesellschaft sich der Menschlichkeit öffnet. Etwa durch die allgemeinverbindliche Anerkennung des Umstands, dass weder ein bissiger Kampfhund noch ein altersschwacher Pandabär auf dem gleichen Niveau wie Mensch stehen und deshalb auch nicht wie Menschen zu beurteilen und zu behandeln sind.

Beispiele über Beispiele, die alle in die Richtung Vernunft gehen. Vernunft, diese grosse Gabe des Menschen, mit der man ohne weiteres selbst der Religion begegnen kann. Viel besser als „mein Unsinn gegen Dein Unsinn“…

Mit entsprechender Prävention hätte man verhindern können, dass Jugendliche auf der Suche in zu grosser Zahl den Verheissungen des Heiligen Krieges erliegen.

Nur: Ist es dafür jetzt zu spät?

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Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
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