Achim H. Pollert: Jetzt musst Du handeln!

Achim H. Pollert (*) über Form und Inhalt /// — ///

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Ob es früher besser gewesen ist, kann ich nicht so ohne weiteres sagen.

Die Gegenwart wäre, so eine weit verbreitete Ansicht, geprägt von der Kultur der Äusserlichkeit.

Der schöne Schein als das allein Massgebende unter der Sonne. Form ohne Inhalt.

Folglich auch die vielfach zu beobachtende Neigung, etwas „attraktiv“ (d.h. „anziehend“) zu nennen, wenn man es eigentlich „gutaussehend“ findet. Also so, als wäre die äussere Erscheinung (z.B. eines Menschen) automatisch das Anziehende.

Wie gesagt: Ganz so weit will ich mich aber gar nicht aus dem Fenster lehnen. Ob sich das heute verschlimmert hat, das lasse ich gerne einmal dahingestellt.

Vor Jahrzehnten immerhin bin ich sehr unglücklich verheiratet gewesen. Und zwar im kleinbürgerlich-katholischen Milieu. Man kennt das: Die guten Leute liessen nichts aus. An jedem Wochenenden natürlich zur Messe bei ihnen am Ort. Mit Segen und Kommunion.

Zu besonderen Anlässen – Feiertagen, persönlichen Jubiläen u.s.w. – wurden auch kleine Ausflüge organisiert, etwa irgendwo hin, wo es eine baulich besonders schöne Kirche gab oder wo ein Pfarrer eine besonders aussergewöhnliche Messe veranstaltete. Zum runden Geburtstag etwa zu einem Tagesausflug nach Einsiedeln. Zu diesem oder jenem Jahrestags auch einmal auf ein verlängertes Wochenende zu diesem oder jenem Münster irgendwo im Nirgendwo.

Weihnachten. Neujahr. Ostern und Pfingsten sowieso. Nichts spielte sich ab ohne Beteiligung der Kirche. Vor oder nach der Familienfeier, vor oder nach dem gemeinsamen Essen im Familienkreis. Nicht zuletzt auch wurde die Nähe von kirchlichen Institutionen gesucht. Und schön gespendet wurde auch immer mal wieder.

Das Ganze hatte durchaus etwas Idyllisches, wenn auch vielleicht ein wenig kindisch. Aber es gab in diesem Umfeld wohl auch Menschen, die durchaus mit sich und ihrem Lebens insgesamt zufrieden waren.

In diesem Umfeld sind mir auch die Segenshändler begegnet.

Menschen, die eine ursprünglich vielleicht gut Idee völlig veräussert, instrumentalisiert und damit in ihr Gegenteil verkehrt hatten.

So gibt es – ganz zentral im Christentum – den ursprünglichen Gedanken der Barmherzigkeit. Demnach soll demjenigen, der aufrichtig bereut, vergeben werden. Wer sein Gewissen ins Reine bringt, wer die eigene Fehlhandlung erkennt und wem sie aus einer anständigen Grundhaltung leid tut, dem soll vor Gott vergeben werden.

Förmlich ist dies im Katholizismus in Form der Beichte organisiert. Wer vor diesen Gott tritt, unter vier Augen, womöglich anonym seine Schuld bekennt und aufrichtig bereut, dem soll die Absolution erteilt werden.

Die Veräusserung fängt nun dort an, wo diese Formalität der Beichte im Empfinden gleichgesetzt wird mit dem aufrichtigen Bekenntnis der Reue. Wenn sich dieser Mechanismus der Vergebung verselbständigt, dann wird das Ganze zur banalen Äusserlichkeit und verkehrt sich ins Gegenteil.

Das beginnt damit, dass man kleine Kinder bereits dazu anhält, in der Beichte ihre „Sünden“ zu bekennen. Und das reicht bis zur Vorstellung, was immer man auch angerichtet habe, niemand würde mehr danach fragen, sobald der Pfarrer in der Kabine die Absolution ausspreche.

DEAL OR NO DEAL… ?

Denn diese Äusserlichkeit in der Gleichsetzung von Formalität (Beichte) und Inhalt (Reue und Vergebung) führt dann schnell zum Handel, der da lautet: „Ist egal, was ich mache: Ich kann es nachher ja beichten…“

Das gilt nicht nur für Schandtaten und deren förmliche Vergebung.

Vielmehr ist in einem bestimmten formalreligiösen Milieu diese Vorstellung von einem Gott, der mit sich handeln lässt, weit verbreitet.

Es ist dies die Vorstellung von einem Gott, der einem bestimmte Handlungen oder Prozeduren auferlegt, und damit wäre dann alles andere erledigt.

Der Segenshandel. Demnach würde ein Gott irgendwo im Nirgendwo sitzen und abzählen, wie oft ich in der Messe gewesen bin, ob ich regelmässig gebeichtet habe, ob ich immer brav die Kommunion empfangen habe…

Nur das, was man von aussen nicht wirklich sieht, das fragt dieser Gott in dieser Vorstellungswelt dann nicht, nämlich einfach nur, ob ich stets bemüht war, ein anständiger Mensch zu sein.

Für mein Seelenheil ist es in diesem Umfeld günstig, alle Regeln genau befolgt zu haben. vielleicht auch möglichst hochrangigen Segen empfangen zu haben, stets äusserlich untadelig den Formalitäten entsprochen zu haben. Der Segen eines Bischofs oder gar Kardinals. Die Stiftung eines Heiligenbilds für eine bedürftige Gemeinde in Südamerika. Die Finanzierung des Theologie-Studiums für einen Nigerianer aus mittellosen Verhältnissen.

Die eigentliche Feststellung, nämlich dass ein Gott sich nicht mit Äusserlichkeiten wie besonderer Linientreue oder bereitwilligem Spenden bestechen lassen wird, sondern eben vor allem darauf achtet, ob ich mich ernsthaft, aufrichtig und ohne Hintergedanken bemühe, ein anständiger Mensch zu sein, wird in diesem Milieu eher mit Befremden aufgenommen.

Nicht allzu lange ist es somit auch her, dass der neue Papst höchstselbst für solches Befremden sorgte, als er sagte, Gott interessiere sich wohl eher für den Menschen selbst als dafür, ob jemand homosexuell ist.

Denn eine solche Frage stellt den Segenshändler vor ein schwerwiegendes Problem. Solange man sich an an die Marktbedingungen hält, solange man dem Gegenüber – dem Gott – das bietet, was es von einem halben will, kommt man immer wieder zu einem Abschluss. Habe ich etwas zu bieten, dann kommen wir eben zu einem Deal. Habe ich nichts zu bieten, dann nicht.

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Und zwar unabhängig davon, ob ich im Grunde meines Herzens versuche, ein anständiger Mensch zu sein.

Schlimmer noch: In dieser Vorstellungswelt lässt sich das Eine durch das Andere ersetzen. Anstatt mich zu bemühen, anständig zu sein und zu bleiben, reicht es hier aus, eben einen entsprechenden Handel zu bieten.

Selbstverständlich ist dieses Milieu nicht auf den Katholizismus und das Christentum begrenzt. Ganz im Gegenteil: Wir kennen durchaus jene Menschen, die allen Ernstes von einem allmächtigen Gott erzählen, für den es eine Sache von Leben und Tod ist, ob ich nun ein Kopftuch trage, mich regelmässig rasiere oder Gummibärli aus Schweinegelatine esse.

… UND OHNE GOTT?

Sicher.

In der laizistischen Gesellschaft Europas ist diese „Don-Camillo-Frömmigkeit“ inzwischen wohl eher die Ausnahme. Nicht nur bei Christen und Juden, sondern durchaus wohl auch bei den meisten Muslimen, die der Religion gar nicht genug Bedeutung beimessen, um sich solche Gedanken wie der Frage nach dem Handel mit Gott zu machen.

Wer nun aber glaubt, damit könnte man der Problematik der Veräusserlichung ausweichen, gibt sich indessen einer Selbsttäuschung hin.

Denn die Mentalität, mit dem Leben insgesamt handeln zu wollen, anstatt sich um Substanz zu bemühen, bleibt natürlich auch erhalten ausserhalb der religiösen Gläubigkeit. Denn dass ein bestimmtes Milieu dazu neigt, den tatsächlichen Anforderungen auszuweichen und eben als Ersatz einen Handel anzubieten, das hängt mit der Verbreitung des gesellschaftlichen Mittelstands zusammen. Für den nämlich gehört diese „deal or no deal“-Mentalität durchaus zum kennzeichnenden Merkmal.

Wie etwa sieht es aus mit dem Kleinbürger, der sich wohl für etwas Besseres hält, jedoch mit seinen Fähigkeiten und und seinen Kenntnissen nicht über das Mittelmass hinausreicht?

Der Handel, den so ein Mensch dann oft mit seinem Schicksal schliesst, kann häufig etwa in einem besonders gepflegten Kleidungskult bestehen. Anstatt sich darum zu bemühen, echte Gründe zu schaffen, sich von einer amorphen Masse abzuheben, kleidet sich dann der kleine Angestellte im Anzug mit weissem Hemd und Krawatte und ist besonders stolz darauf, dass er sich bei seiner Arbeit die Hände nicht schmutzig machen muss.

So ein Handel kann auch in der zwanghaften Betonung von Titeln und Rängen bestehen. Wenn etwa anstatt wirklicher fachlicher Kompetenz bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit der Hinweis auf den eigenen akademischen Grad, auf die jahrzehntelange Berufserfahrung u.s.w. angeboten wird. Immer wieder wird dann darauf gepocht, man wäre schliesslich Doktor, man sei Stellvertretender Landrat, man habe zwanzig Jahre Gerichtspraxis u.s.w.

Bekannt auch das Verhalten, ein Problem nicht lösen zu können, dafür aber einen vermeintlich fundierten Gemeinplatz von sich zu geben, selbst wenn der so gar nichts mit dem sich stellenden Problem zu tun hat. Beispielsweise der Arzt, der völlig hilflos vor seinem Patienten mit Kopfschmerzen steht und mit einem Schulterzucken darauf eingeht, dafür aber loswerden muss, der Patient müsste mal wieder zehn Kilo abnehmen.

Besonders heikel ist dieser Versuch, den Handel mit Äusserlichkeiten zu probieren, weil man die innere Substanz nicht bieten kann, wenn es um die Erfüllung elterlicher Pflichten gegenüber von Kindern geht. Denken wir an einen Menschen, der seinem Kind Rückhalt und Gemeinschaft bieten sollte, der sich gerade auch „hinter den Kulissen“ so verhalten müsste, dass sein Kind ihn respektieren kann, der seinem Kind durch die alltägliche Lebensführung ein Vorbild geben sollte.

Ein Mensch, der nun versucht, hier zu einem Deal zu kommen, d.h. Äusseres anzubieten, weil er bei der Substanz versagt, wird sehr schnell armselig. Mit dem Angebot von Designerklamotten und allerlei teurem Elektronik-Schnickschnack an die Kinder, etwa auch mit einem Gefühl grossen Unglücks, wenn man nicht die finanziellen Mittel hat, um den Kindern solchen Unsinn zu bezahlen.

Und wer würde nicht schon einmal den Spruch gehört haben: „Hätten unsere Eltern uns das geboten, was wir Dir bieten…“

Spätestens an diesem Punkt drängt sich eine Erkenntnis auf. Wahrscheinlich gibt es wohl einen Gott, der die Welt erschaffen hat (wer sollte dann seinerseits diesen Gott erschaffen haben?).

Aber genau so wenig, wie ein solcher potentieller Gott mit sich könnte handeln lassen, lässt wohl auch das dingliche Universum mit sich handeln. Die Vorstellung, den Anforderungen der uns umgebenden Welt mit sinnleeren, formalen Ersatzhandlungen begegnen zu können und damit dem eigenen Leben Bedeutung und Erfüllung zu geben, ist kindisch.

Wer versucht, sich auf dem Wege des Handelns als Deal mit der Realität in Einklang zu bringen, programmiert schlussendlich die eigene Havarie, womöglich auch die seiner ganzen Familie.

Natürlich: Es bleibt der erwachsene Mensch, der auf eigenes Risiko lebt und die Realität der Dinge erkennen kann.

Es fragt sich eben nur, ob jemand, der sich ein ganzes Leben lang in dieser „Deal-or-no-deal“-Mentalität bewegt hat, über genügend intellektuelle und psychische Kapazität verfügt, dieses zu erkennen. Denn auch eine solche Erkenntnis wäre ja schon wieder etwas, wo Substanz gefragt ist, die sich nicht durch äusserliche Formalitäten ersetzen lässt.

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Über textepollert

Achim H. Pollert Autor, Publizist, Berater; Schwerpunkte: Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft, Personalwesen, Geschichte/Politik; lebt in der Schweiz und Frankreich; spricht Deutsch, Englisch, Französisch fliessend
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