Das Falsche am Meister…

Achim H. Pollert (*) über seine Beobachtung eines selbstenannten Meisterfälschers

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Ich gebe es freimütig zu:  Obwohl natürlich die Gefahr besteht, ich würde das nur aus Neid sagen, weil ich selbst halt nicht so makellos malen könnte wie er, hat nach Ansicht der Sendereihe im Schweizer Fernsehen vorbestrafte Gemäldefälscher Wolfang Beltracchi in meinen Augen inzwischen sehr stark verloren.

Anstatt des von mir erwarteten spritzigen Hochintellektuellen, der den bierernsten Autoritäten der Kunstszene eine lange Nase dreht, indem er sie alle verarscht hat und ihnen heute frech ins Gesicht lacht im Bewusstsein, ihre ganze Absurdität mit ihrem Tanz um das Goldene Kalb öffentlich vorgeführt zu haben, sehe ich vor mir auf dem Bildschirm einen  Menschen, der mir einen erschreckend konventionellen Eindruck macht.

DAS WIRTSHAUS-MILIEU

Ich kenne solche Menschen aus meiner Verwandtschaft. Ich kenne solche Menschen aus dem Wirtshaus. Ich kenne solche Menschen, die mit grosser Sicherheit und ganz genau wissen, was „schön gemalt“ ist und was nicht.

Menschen, die aus diesem Grunde auch – weil sie wissen, was „schön gemalt“ ist und was nicht – genau wissen, was Kunst ist und was nicht.

Und daraus folgt dann der Schluss, dass derjenige, der möglichst „schön“ malen kann, ein Künstler ist, und dass derjenige, der „am schönsten“ malen kann, der beste Künstler ist.

Immerhin: El Greco hat im Stil von El Greco gemalt. Rubens hat im Stil von Rubens gemalt. Edouard Manet hat im Stil von Manet gemalt. Pablo Picasso hat im Stil von Picasso gemalt. Salvador Dali hat im Stil von Dali gemalt. Und Wolfgang Betracchi hat im Stil von El Greco, Rubens, Manet, Picasso, Dali u.s.w. gemalt.

Also wird in diesem Milieu, das ich aus meiner Kindheit allzu gut kenne, derjenige zum grössten Künstler, der nicht nur so wie er selber malen kann, sondern so wie hundert verschiedene Maler. Ist doch klar: Wenn ein Meister so malt wie er selbst, was für ein Übermensch und Übermeister muss dann derjenige sein, der so wie alle Meister malen kann?

So vergisst Beltracchi dann auch in dieser Sendereihe nicht, pro Folge wenigstens einmal darauf hinzuweisen, er wäre der „grösste Kunstfälscher“ aller Zeiten. Ein Hinweis, der sich zumindest implizit auch einmal dahingehend verselbständigen kann, dass man sich, wenn nicht für den Grössten, dann aber doch mindestens für einen ganz Grossen hält. Wenn etwa einer porträtierten Opernsängerin bei Überreichung des Bilds gesagt wird, in hundert Jahren wüsste wahrscheinlich niemand mehr, wer hier abgebildet sei, wohl aber würde man auch dann immer noch mit Hochachtung verzeichnen, es handelte sich aber um einen echten Beltracchi.

Wie so viele einfache Antworten findet diese einfache Logik grossen Beifall, wenn nicht gar regelrechte Begeisterungsstürme, geht es erst einmal um Politisches. Möglicherweise ist es nicht einmal ein Zufall, dass ganze politische Strömungen, die so ganz genau wissen, was „echte Kunst“ ist, ihren Ursprung im Wirtshaus-Milieu haben. Doch das würde hier zu weit führen.

KUNST IST INSPIRATION

Natürlich ist diese Annahme, derjenige, der „am schönsten“ malen kann, der so malen kann wie „alle Meister zusammen“, wäre selbst der „beste“ Künstler von allen, blanker  Unsinn.

Entgegen den Erkenntnissen aus dem Wirtshaus, hat Kunst natürlich herzlich wenig damit zu tun, ob man nun Darstellungen in einer bestimmten Form, besonders „schön“ (… gefällig, publikumswirksam, vorlagengetreu u.s.w.) zustandebringt.

Wer eine vorlagengetreue Abbildung braucht, kann fotografieren. Und inzwischen gibt es auch ganz billige Grafik-Software, die aus einer Online-Fotografie von Emil Steinberger in einer halben Stunde ein Bild fertigt, das aussieht, als hätte ihn ein Impressionist im 19. Jahrhundert gemalt.

Es ist ein grosses Missverständnis, die Kunst mit dem Handwerk gleichzusetzen.

Das Wesentliche am Kunstwerk ist nicht, dass es besonders „schön gemalt“ wäre, sondern einzig die Inspiration. Die Idee zu haben, etwas in einer bestimmten Weise darzustellen und damit beim Betrachter eine Reaktion zu provozieren, das ist die Kunst. Das ist das Wesen und die Natur aller Kunst. Angefangen bei Feuerstein-Plastiken in Neanderthalerhöhlen bis hin zu digitalen Videografiken der Gegenwart.

Daneben wird das Handwerkliche zur Nebensache.

Ob jemand freihändig zeichnet und mit ausgestrecktem Daumen immer wieder ganz bedeutungsschwanger Mass nimmt, sein Motiv immer wieder auffordert stillzusitzen, sich in eine andere Position zu bewegen u.s.w. Ob jemand viele Stunden lang immer wieder ein bisschen Farbe – und zwar nur von bestimmten Pigmenten, Zinkweiss oder Titanweiss – auf die Leinwand kratzt.

Oder ob jemand ein Foto schiesst, auf dem PC gestaltet, dann ausdruckt und in ein paar Minuten mit ein bisschen Wasserfarbe in den gewünschten Effekt bringt. Ob jemand ein Illustriertenbild auf dem Lichttisch durchpaust und dann nach der eigenen Inspiration bearbeitet.

Das ist unerheblich, weil es sich dabei um nichts weiter als das Handwerk handelt.

Wichtig ist einzig und alleine die Inspiration und das Ergebnis am Ende.

HANDWERK IST HILFSARBEIT

In der Gegenwart, in der uns die breite Palette von technischen Hilfsmitteln zur Verfügung steht, ist dies ohnehin der Fall. Digitale Kameras, Grafiksoftware aller Art, Printer, Projektoren, praktisch unerschöpfliches Reservoir von Bildvorlagen im Internet – das alles und viel mehr erleichtert die künstlerische Umsetzung von konzeptioneller Inspiration.

Die handwerkliche Umsetzung verliert dabei ohnehin zunehmend an Anspruch.

Aber auch in der Vergangenheit – bei den ganz grossen Meistern – war das Handwerkliche in der Malerei ein Nebenpunkt,  nichts weiter als eine Hilfstätigkeit, die zur Umsetzung bestimmter Konzepte nötig war.

Entweder die Umsetzung war so eigenwillig wie bei El Greco, der bereits im 16. Jahrhundert hoch abstrakte Gemälde schuf, durchaus mit Proportionen, die nicht stimmen,  mit „Eierköpfen“, mit verzerrter, „falscher“ Perspektive. Oder es kamen allerlei Hilfsmittel zum Einsatz wie etwa das Schnurraster, mit dem u.a. auch Leonardo da Vinci gearbeitet hat, das es ermöglicht, das vor einem stehende Original quasi abzukupfern auf ein Blatt Papier.

Oder – noch besser – man hielt sich wie viele anerkannte Meister eine Werkstatt mit Bediensteten und Lehrlingen. Die machten das Handwerkliche, und der Meister – Dürer, Rembrandt u.s.w. – vervollkommneten die Vorarbeit der Gesellen, nicht selten nur mit einigen wenigen Pinselstrichen.

Oder vielleicht Picasso, der seine Ideen in unzähligen kleineren Skizzen festhielt, immer wieder bearbeitete, neu zeichnete, ergänzte und veränderte, und der dann diese Skizzen auch mit allerlei Abkupferungsverfahren auf die grosse Leinwand brachte und damit dann Millionen Menschen beeindruckte.

Wohin man schaut: In der Kunst ist das Handwerkliche eine Hilfsarbeit, während das Wesentliche, das Grossartige, das Beeindruckende und das Bleibende nicht in der dieser Äusserlichkeit, sondern in der gelungenen Inspiration besteht.

Und besonders peinlich ist es immer wieder, wenn jemand, der das Handwerkliche gut beherrscht – durchaus im Einzelfall auch besser als ein Meister -, sich selbst für einen Meister hält.

Ich hätte erwartet, dass jemand, der die Absurdität der etablierten Kunstszene in so grossem Stil der Welt vor Augen geführt hat, dies weiss und nicht versucht, selber auf der Welle dieser Absurdität mit zu reiten.

Schade.

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Achim H. Pollert: Inge macht die Tür nicht auf

Achim H. Pollert (*) über eine Kindheit auf der Gasse /// — ///

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Es war schon ziemlich dunkel.

Und wir waren auf dem Weg zur Oma.

Ich hoffte, dass es nicht so schlimm werden würde, wenn die Oma dabei war.

Die Mutti führte mich an der Schulter. Wenn sie so zügig vorwärts ging, so dass ihre hohen, spitzen Absätze mit jedem Schritt auf dem Strassenpflaster klapperten, dann spürte ich sehr, wie ihre Hand heftig an meiner Schulter ruckte.

Der Papa machte weniger Krach beim Gehen.

Er hatte etwas Dunkles, fast schon Geheimnisvolles, aber nur, wenn wir so im Dunklen herumgingen. Da sah man nur noch den kleinen roten Punkt an seinem Mund, der ab und zu heller wurde, aber nicht hell genug, dass man sein Gesicht sehen konnte. Speziell nicht, wenn man von unten hinauf schaute.

Die Oma wohnte im Haus hinter dem Hof.

Vorne war auf der einen Seite ein Grundstück, wo irgendwie ein Haus in ein Loch gefallen war. Und auf der anderen Seite so eine Hausfront. Dazwischen ging es durch einen langen dunklen Gang, der sogar tagsüber dunkel war.

Das war alles irgendwie komisch in der Stadt.

Bei uns auf dem Dorf gab es das nicht.

Bei uns auf dem Dorf lief die Mutti auch nicht im Costume herum, das unten so einen engen Rocksaum hatte. Vielleicht machte sie auch deshalb immer so abgehackte Schritte und zerrte mich so an der Schulter, weil es ihr um die Knie zu eng war.

Bei uns auf dem Dorf hatte die Mutti meistens einen Küchenschoss an und oft so ein Tuch um den Kopf, das ich “Türkenband” nannte, weil sie das so ähnlich in den Karl-May-Filmen auf hatten.

Der Küchenschoss von der Mutti war aber nicht so geblümt wie bei den anderen, sondern immer ganz schneeweiss.

Sie war ja schon klein. Und in dem schneeweissen Schoss sah sie dann noch kleiner aus.

Dafür sah sie dann nicht so alt aus wie die vielen anderen Muttis mit ihren geblümelten Schurzen, die so hellblau oder rosa waren.

Aber in der Stadt hatte die Mutti natürlich immer so eins von den vielen Costumes an, die sie im Schrank hatte.

Wenn sie sich vor den dreigeteilten Spiegel im Schlafzimmer setzte und sich die Haare machte, dann war sie immer lange beschäftigt. Dann rauchte sie ein paar Zigaretten, und man hörte die ganze Zeit das Geräusch von der Spraydose. Nach dem Zeug roch es dann auch in der ganzen Wohnung.

Da hatte sie so eine kleine Zange, die ein bisschen aussah wie ein Nussknacker, nur zierlicher. Mit dem kniff sie die Wimpern zusammen. Und danach malte sie die mit einem komischen kleinen Pinsel schwarz an. Dann trug sie so sie Meggabb auf. Das war so eine menschenfarbene Creme, die sie mit den Fingern im ganzen Gesicht verrieb.

Manchmal hatte ich mich auch schon gefragt, ob das andere dunklere Zeug, das sie auf die Augendeckel machte, etwas damit zu tun hatte, dass jemand im Schatten ein Lied sang. Jedenfalls war Lidschatten ein komisches Wort, weil den Schatten doch die Sonne macht und man den gar nicht so einfach hin und wieder wegmachen kann.

Wenn sie roten Lippenstift auftrug, dann kniff sie die Lippen so fest zusammen, dass sich die fettige Farbe verteilte und da am Rand so ein feiner kleiner Aufsatz übrigblieb.

Danach nahm sie so ein Costume aus dem Schrank, und es ging in die Stadt.

Wenn wir dann so gingen, fragte die Mutti mich oft: “Hast Du mich noch lieb?”

Und ich fragte mich immer wieder, warum sie mich das fragte. Sie wusste doch, dass ich sie lieb hatte. Aber gerne sagte ich natürlich jedes Mal ja.

Oft sagte sie mir auch, ich könnte froh sein, dass ich so eine junge schöne Mutti hätte. Wie arm manche andere Söhne doch dran wären mit so einer dreissigjährigen alten Schachtel als Mutter… oder noch älter!

Die Oma wartete auf der Strasse, vor dem langen dunklen Gang, der in den Hof führte.

Das war nicht normal.

Normalerweise musste man an dem Hinterhaus bei der Oma klingeln. Dann machte sie oben das Fenster auf und schaute, wer da war. Und dann schmiss sie den Haustürschlüssel herunter.

Wenigstens wenn es dunkel war. Manchmal hatte der Papa schon ganz lange auf dem dunklen Hof nach dem Schlüssel gesucht.

Aber dass die Oma schon auf der Strasse wartete, war nicht normal.

Und ich fragte mich schon, ob die Oma denn etwas wusste. Und wenn die Oma etwas wusste, dann würde vielleicht alles herauskommen.

Obwohl ich mich fragte, wie das hätte sein können, spürte ich ein bisschen Herzklopfen.

Die Oma war die Mutti von der Mutti. Die hatte kein Telefon. Und wir hatten ja sowieso kein Telefon.

Das Ganze hatte angefangen in der Schule.

Ich war noch nicht so lange bei uns auf dem Dorf in der Schule.

Unser Fräulein Teffner war ganz alt und schrumpelig und hatte die Haare in kleinen Zöpflein so rund hinten an den Kopf gemacht. Ich fragte mich auch, wie das so festhielt. Die Fräulein nahm bestimmt auch ganz viel Haarspray jeden Tag. So wie die Mutti.

Ich wusste aber nicht, ob die Fräulein so lieb war wie meine Mutti.

Die Fräulein konnte schön erzählen. Aber sie hatte schon Kinder, eigentlich nur Buben, mit einem Stöckchen auf die Händchen geschlagen.

Das tat zwar nicht so weh, wie wenn die Mutti mir eine Ohrfeige gab, dass ich auf dem Arsch landete.

Aber schliesslich war die Fräulein ja schon alt und nicht mit mir verwandt und machte mir nichts zu essen.

Nun war es an einem Tag, dass eine andere Fräulein zu uns kam.

Die war viel jünger als die Fräulein Teffner. Sie hatte blonde Haare. Und sie war viel kleiner als die Fräulein Teffner, vielleicht sogar noch kleiner als meine Mutti.

Die sagte uns nicht, wie sie hiess. Die redete ziemlich streng und sagte etwas davon, dass sie sich nichts gefallen lassen würde, weshalb ich mich fragte, was sie denn damit meinen könnte.

Dann nahm sie mit uns das Lied “Ein Männlein steht im Walde” durch.

Plötzlich drehte sie sich um, schaute mich an und sagte: “Du da, mit dem roten Pullover, steh mal auf…”

Ich wusste gar nicht, ob sie mich meinte. Aber ich war der einzige, der einen roten Pullover an hatte.

Da stand ich auf.

Die falsche Fräulein kam zu mir her, blieb in einem Abstand von vielleicht zwei Metern vor mir stehen und fuhr fort: “Hol mal dein Lesebuch heraus und zeig mir, wo ihr gerade seid.”

Das machte ich.

“Das schreibst du jetzt mal ganz ab und zeigst es mir bis Montag.”

Das Männlein stand in der Klasse, und es herrschte Totenstille. Kein Kind machte auch nur einen Mucks.

Ich wollte dann noch etwas sagen wie, ich hätte doch gar nichts gemacht. Aber ich kam nur bis zum “Warum?” Dann schnitt mir die falsche Fräulein das Wort ab, noch strenger: “Weil ich es dir sage!”

Und da war es eben nur natürlich, dass ich stärker Herzklopfen hatte, als die Oma uns vor dem Haus erwartete. Wenn sie nun irgendwie von der Sache Wind bekommen hatte, was sollte ich denn dann machen?

Ich hatte Angst, was aber keiner bemerkte, weil es ja dunkel war.

Sonst hätte mich vielleicht noch jemand gefragt, warum ich denn Angst hätte.

Die Oma kam kopfschüttelnd auf uns zu.

Ich schaute sie von unten an, und sie würdigte mich keines Blickes, sondern sah nur meine Eltern an.

“Was ist denn mit dir?” fragte der Papa.

Mit einer wegwerfenden Handbewegung sagte die Oma: “Das Inge hat mich ausgesperrt. Und es macht die Tür nicht auf.”

Die Inge war die jüngere Schwester von meiner Mutti. Die war zwar auch schon erwachsen, aber sie wohnte noch bei der Oma, weil sie keinen Mann hatte und irgendwo in einem Büro arbeiten musste.

Da war ich erleichtert.

Denn die Oma wusste offenbar nichts von der ganzen Sache.

“Ist es wieder hysterisch?” fragte meine Mutti die Oma.

Noch einmal machte die Oma so eine wegwerfende Handbewegung und zog die Schultern nach oben. Ich sah es zwar nicht, aber ich wusste auch, dass sie dabei so ganz typisch die Lippen schürzte.

“Den Schlüssel für die Haustür habe ich ja”, berichtete die Oma und hielt die Hand mit dem Schlüsselbund vor, “aber oben hat es eben die Tür abgeschlossen. Der Schlüssel steckt von innen.”

“Habt ihr Krach gehabt?” fragte die Mutti.

Und wieder antwortete die Oma mit einer ratlosen Geste.

“Vielleicht ist das ja ein Versehen, und es hat dich einfach nicht gehört…”, murmelte der Papa, nachdem er die Glut aus seinem Gesicht geholt hatte.

“Nein, nein, ich habe ja mit ihm geredet. Es macht einfach nicht auf.”

“Eben!” rief die Mutti, jetzt lauter als vorher. “Das Inge ist halt hysterisch. Das hat immer schon so Phasen gehabt!”

Ich verstand gar nicht richtig, was die da redeten über die Tante Inge. Jedenfalls war ich sehr froh, dass es nicht um die Geschichte mit meiner Strafarbeit ging.

Eine ganze Seite abschreiben!

Aufgegeben von der falschen Fräulein. Obwohl ich gar nichts gemacht hatte!

Wir konnten noch gar nicht richtig schreiben!

Das dauerte ja einen Tag!

So geht es ja nicht. Das würde ich der Mutti sagen, und die würde mir helfen. Ich brauche keine Strafe zu machen, wenn ich nichts gemacht habe. Das würde der Mutti auch nicht gefallen!

Nach der Schule ging ganz schnell heim. Wir wohnten nicht weit von der Schule, und die ganze Zeit freute ich mich schon.

Die Mutti war da gesessen in dem weissen Küchenschoss. Und sie hatte ihr Gläschen Wein geschlürft.

Das hatte sie vor kurzem der Tante Jenny erzählt. Die Tante Jenny war eigentlich gar keine Tante von mir. Sie war nur die beste Freundin von der Mutti, und ich sagte zu ihr Tante.

Dass sie nämlich gelesen hätte von einem Mann aus Russland. Der wäre über hundert Jahre alt. Und der hätte gesagt, dass er jeden Tag zuerst einmal sein Glas Wein getrunken hat.

Ausserdem hätte sie ja ein bisschen zu niedrigen Blutdruck. Deswegen wäre sie ja beim Herrn Doktor Czech gewesen. Und der hätte gesagt: Wenn es finanziell kein Problem für Sie ist, trinken Sie ruhig ein Gläschen Sekt am Tag.

So hatte die Mutti zu Tante Jenny gesagt: “Finanziell ist auch eine Flasche Sekt kein Problem…”

Und jetzt jedenfalls sass die Mutti da in ihrem weissen Uebergewand bei ihrem Gläslein Wein und hörte mir zu. Mit sachtem Kopfschütteln hatte sie meinen Vortrag angehört. Ueber diese zu kurz geratene Fräulein. Ueber die Ungerechtigkeit. Dass das alles nicht in Ordnung war.

Und natürlich hatte die Mutti mir recht gegeben.

Sie hatte genickt, wenn ich über die Fräulein schimpfte. Und sie hatte bedächtig mit dem Kopf geschüttelt, wenn ich ihr das Benehmen von der falschen Fräulein schilderte.

“Die musst du mit Verachtung strafen”, hatte die Mutti dann gesagt.

Ich hatte zuerst gar nicht verstanden, was sie damit meinte. Wie könnte ich denn überhaupt jemanden strafen? Und Verachtung… was genau wäre das wohl? Und wie würde so jemand dann auch etwas von der Strafe spüren, wenn ich ihn verachtete?

Als ich gefragt hatte, sagte mir die Mutti: “Da musst du drüber stehen.”

Das verstand ich auch nicht. Wie sollte ich denn über der falschen Fräulein stehen? Wenn ich über der stehen würde, dann hätte sie mir ja nicht unrecht tun können. Dann wäre es ja umgekehrt.

“Du musst denken”, erklärte mir die Mutti und nahm einen Schluck von ihrem Wein, “die blöde Kuh. Die soll doch machen, was sie will.”

Das war gut!

Genau!

Ich hatte doch gewusst, dass meine Mutti mir helfen würde!

Die blöde Fräulein! Die soll doch machen, was sie will!

Die kann mich einmal am Arsch lecken!

“Geh du einmal hin, Helmut”, sagte die Mutti zum Papa, als wir das im Dunkeln vor dem Haus standen, wo die Oma wohnte. “Vielleicht wird das Inge dann doch vernünftig.”

Und der Papa ging, und die Mutti, die Oma und ich gingen hinterher die Treppen hinauf.

Vor der Wohnungstür blieben wir dann stehen.

“Inge…”, sagte die Oma mit ihrer hohen Stimme, fast so, als würde sie ein Lied singen, “das Eva und der Helmut sind jetzt da.”

Hinter der Glastür konnte man sehen, wie drinnen im Korridor das Licht angemacht wurde. Und die Gestalt von Tante Inge war zu sehen. Ich hörte sie nichts sagen. Ich fragte mich noch, ob man das im Treppenhaus überhaupt hören konnte, wenn drinnen hinter der Tür jemand etwas sagte.

“Mach auf”, sagte der Papa so ganz friedlich.

Tante Inge bewegte sich nicht.

Nach einer Weile sagte der Papa wieder so ganz friedlich: “Inge, sei vernünftig und mach jetzt die Tür auf.”

Ich war ganz erstaunt und beobachtete das Ganze sehr aufmerksam. Ich verstand auch nicht richtig, was vor sich ging. Zuerst hatte ich gedacht, die Tante hätte vielleicht nicht gehört, dass jemand draussen ist.

Aber man sah sie ja stehen. Nur sagte sie nichts.

Der Papa drückte auf die Klingel, und man hörte es drinnen läuten.

Jetzt müsste die Tante doch aufmachen. Wenn es läutet, muss man doch aufmachen.

Aber ich sah nur durch das dicke Glas, wie sie drinnen hinter der Tür einfach stehen blieb und nichts tat.

“Mach jetzt auf!” sagte der Papa, jetzt schon viel lauter.

Der Papa konnte ganz schön laut reden. Oft sagte er so Dinge, vor denen ich ein bisschen Angst hatte. “Wo ich hinschlage, wächst kein Gras mehr.” oder: “Der soll bloss aufpassen, dass er mir nicht mal bei Nacht begegnet.”

Der Papa konnte bestimmt alle verdreschen.

Die Mutti nahm mich ja immer in Schutz und hielt zu mir gegen den Papa.

Als ich ihr gesagt hatte, dass ich in dem Fall, wenn ich die nachgemachte Fräulein mit Verachtung strafen sollte, auch die Strafarbeit nicht machen würde, legte die Mutti den Kopf in den Nacken und ich sah ihren hoch erhobenen Zeigefinger vor meiner Nase hin und her ticken wie ein Metronom.

“Nein, nein… das musst du natürlich machen…”, erklärte sie mir. “Was du in der Schule auf bekommst, das musst du machen. Du kannst dir deinen Teil darüber denken. Aber das musst du machen…”

Ganz ungläubig fragte ich: “Aber Mutti, kannst du nicht zu da hingehen und denen sagen, dass ich das nicht machen muss, wenn ich nichts angestellt habe?”

“Nein…”, sagte die Mutti und wies das weit von sich. “Das ist die Sache von den Lehrern in der Schule. Da kann ich gar nichts machen. Was die dir aufgeben, das musst du machen…”

Da war ich traurig gewesen.

 TEXTE VON ACHIM H. POLLERT

Aber nach ein paar Augenblicken war ich dann wieder froh, dass ich die Mutti hatte und dass sie zu mir hielt.

Denn dann nahm sie meine Hand und hielt sie. Ganz ernst sagte sie: “Aber du brauchst keine Angst zu haben.” – Und sie legte die andere Handfläche auf ihre Brust. – “Ich sage es natürlich nicht dem Papa. Von mir erfährt der Papa nichts.”

Ich wusste zwar, dass ich deswegen beruhigt sein sollte. Aber trotzdem fragte ich sie: “Warum…?”

Sie legte die Handfläche jetzt auf ihren Mund und schaute mich mit grossen Augen an.

“Wenn der Papa erfährt, dass du in der Schule eine Strafarbeit aufgebrummt bekommen hast”, erklärte sie mir, “dann hängt der dir das Kreuz aus. So etwas darf der Papa nicht erfahren.”

Und von da an war mir klar, in was für einer Gefahr ich überhaupt schwebte.

Natürlich.

Es hatte ja schon geheissen, ich dürfte mich auf der Gasse nicht verhauen lassen von anderen Buben. “Wenn du irgendwo deine Schläge bekommen hast, und wenn du es dann daheim erzählst, bekommst du sie hier gleich noch einmal.”

Ein richtiger Bube muss lernen, sich durchzusetzen. Nur ein Jammerlappen bringt Schläge heim.

So war es natürlich ganz klar, dass das mit einer Strafarbeit auch so war.

Also hatte ich von da an eben diese Angst, der Papa könnte etwas erfahren.

Natürlich würde die Mutti dicht halten. Sie war eben doch für mich da wie sonst niemand.

Aber was, wenn der Papa das irgendwo sonst erfuhr?

Wenn ein anderes Kind es daheim erzählte und die Eltern von dem es dann dem Papa erzählten? Bei uns auf dem Dorf konnte so etwas doch schnell herauskommen.

Oder wenn die Oma irgendwie Wind davon bekam und sich verplapperte?

Das Kreuz aushängen. Das war gar keine schöne Aussicht. Obwohl ich mich immer fragte, wenn die Mutti das sagte, wie das denn vor sich gehen würde.

Auf jeden Fall hatte ich Angst.

“Helmut, du bis ein ganz ekelhafter Hund”, rief die Tante Inge drinnen hinter der Wohnungstür, nachdem der Papa immer lauter gerufen hatte, sie sollte jetzt aufmachen.

Er hatte geläutet. Dann hatte er ein paarmal an die Tür geklopft.

Dann machte er etwas mit der Hand oder dem Fuss, und ich hörte ein komisches Geräusch, wie ich es noch nie gehört hatte. Und die Tante Inge lief drinnen von der Tür weg.

“Hör auf, Helmut”, sagte jetzt die Oma und nahm meinen Vater am Arm. “Jetzt hast Du einen Sprung in das Glas gemacht…”

Der Papa ging auf die Seite. Man konnte sehen, dass jetzt ein Sprung durch die untere Scheibe der Tür ging. Das hatte ich noch nie gesehen. Der Papa konnte ja wirklich alles machen.

Ich war wirklich froh, dass er nichts von meiner Strafarbeit wusste.

Wir gingen wieder die Treppe hinunter auf den Hof.

“Und jetzt?” fragte die Oma schulterzuckend.

“Jetzt gehe ich zur Polizei”, sagte der Papa und zündete sich wieder eine Zigarette an. “So geht es ja nicht. Wenn die mit der Pistole vor der Tür stehen, kommt das Inge dann schon zur Vernunft.”

“Oder sollen wir den Schlüsseldienst rufen”, sagte die Mutti, “dass die die Tür aufmachen?”

“Da ist jetzt keiner mehr da”, erklärte die Oma.

“Ausserdem können die nichts machen, wenn von innen zugeschlossen ist”, sagte der Papa. “Die müssten die Tür aufbrechen…”

Ich fragte mich, was das heissen sollte: eine Tür aufbrechen. Ob da einer kam, die Tür nahm und sie in der Mitte durchbrach? Und ob man die Tür hinterher dann noch brauchen könnte? Und warum machte der Papa das nicht selbst?

“Schluss”, sagte der Papa dann ganz entschlossen, warf die angefangene Zigarette auf den Boden und trat sie aus. “Ich gehe jetzt zur Polizei.”

Und er entschwand mit dem für ihn typischen schnellen kleinen Schritten in den langen dunklen Gang, der vom Hof auf die Strasse führte.

“Bleib du hier”, sagte die Mutti zur Oma. “Wenn die Funkstreife kommt, dass jemand da ist…”

Dann gingen wir dem Papa nach.

Der erwartete uns schon im Auto sitzend mit der glimmenden Glut in seinem dunklen Gesicht.

“Das ist doch unglaublich”, schimpfte er.

So wie er das sagte, hatte er das zu mir auch schon gesagt. Einen Augenblick lang fragte ich mich, ob er vielleicht jetzt etwas erfahren hatte von meiner Strafarbeit. Vielleicht hatte er ja zufällig etwas im Auto gefunden, einen Zettel, wo das alles drauf stand, oder so.

Wenn er von Inge so redete, dann fragte ich mich auch, ob er die wohl auch verhauen würde, wenn sie dann aus der Wohnung kam. Irgendwann musste sie ja wieder herauskommen. Und wenn der Papa sie dann erwischte, konnte das böse enden für sie.

Wir fuhren zur Polizei.

Das war so ein grosses Haus in dunkler Farbe mit so ganz vielen Schnörkeln in der Fassade.

An einer Tür an der Seite brannte noch Licht.

Da gingen wir hin. Drinnen war so eine lange Bar wie in einem Wirtshaus, nur ohne Gläser und Bierzapfer. Dahinter stand ein dicker Polizist hemdsärmelig mit so rotblonden Haaren.

Wenn jemand etwas verkehrt macht, dann kann man den bei der Polizei anzeigen. Das hatte ich schon verstanden. Ich fragte mich in dem Augenblick auch, ob ich dann nicht die falsche Fräulein, die mir die Strafarbeit aufgebrummt hatte, bei der Polizei anzeigen sollte.

Der Papa nuschelte dem Polizisten etwas vor, das ich nicht hörte.

Ein paarmal hintereinander sagte er dann mit Kopfschütteln: “… macht nicht auf… macht nicht auf…”

Der Polizist machte so dicke Lippen wie wenn er jemand küssen wollte und fragte: “Ist das denn Ihre Wohnung?”

“Nein”, antwortete der Papa, “von meiner Schwiegermutter…”

Der Polizist schaute die Mutti und mich an und fragte: “Aber Ihre Schwiegermutter ist jetzt nicht dabei?”

“Die wartet dort auf die Polizei”, sagte die Mutti.

“Haben Sie die Polizei denn schon gerufen?” fragte der Polizist jetzt.

“Nein. Deswegen sind wir ja hier”, antwortete der Papa.

“Und die Frau, die da nicht aufmacht… ist die da eingebrochen?”

“Nein. Das ist meine Schwägerin… also die Tochter von der Wohnungsinhaberin… die wohnt da…”

“Sehen Sie”, sagte der Polizist und zuckte mit den Schultern, “da kann ich nichts machen. Das ist kein Einbruch, eine reine Familienstreitigkeit… niemand ist gefährdet… da müsst ihr halt sehen, wie ihr miteinander einig werdet…”

Dazu machte er so eine weisende Handbewegung in Richtung Tür.

“Aber das geht doch nicht, dass die einfach ihre Schwiegermutter aus ihrer Wohnung aussperrt”, meinte der Papa noch ganz empört.

Der Polizist schüttelte nur noch mit dem Kopf, und seine Lippen wurden noch dicker dabei.

“Komm, Helmut, dann gehen wir wieder”, sagte die Mutti zum Papa, der gerade weiterreden wollte. Ob er wohl den Polizisten verhauen wollte, weil der ihm nicht helfen wollte? Ob die Mutti ihn vielleicht zurückhalten wollte?

Jedenfalls sollte ich mir das mit der Anzeige gegen die falsche Fräulein noch einmal überlegen. Schliesslich wollte ich nicht riskieren, dass damit alles doch noch herauskam. Immerhin hatte die liebe Mutti so gut dicht gehalten und mich geschützt.

Wir gingen zurück zum Auto und fuhren zurück zur Oma.

Die war nicht mehr im Freien.

Der Papa läutete. Im Treppenhaus ging das Licht an, und die Oma kam herunter und schloss uns auf.

“Als ihr fort wart”, sagte sie, “hat das Inge die Tür aufgemacht und mich wieder hereingelassen. Jetzt ist es in seinem Zimmer.”

Wir gingen hinauf. Der Papa bekam ein Bier, ich einen Sirup und die Mutti eine Tasse Tee.

“Das Inge war schon immer hysterisch”, meinte die Mutti dann noch.

Dann war alles still.

Nachdem wir eine Weile in der Küche gesessen waren, kam Tante Inge dann aus ihrem Zimmer und setzte sich zu uns. Sie sass auf dem Stuhl und schaute einfach vor sich auf den Boden.

Und es war weiter alles still. Die Mutti und der Papa rauchten Zigaretten, und die Oma rauchte eine mit. Mir war es natürlich recht. Denn solange die Erwachsenen nicht miteinander redeten, hatte ich schliesslich nichts zu befürchten.

Ich hatte das mit der Strafarbeit auch in Ordnung gebracht. Ich hatte zuerst nur die erste Seite von dem Kapitel abgeschrieben und es auf dem Schulhof der falschen Fräulein gezeigt. Unser Fräulein Teffner war inzwischen ja auch zurück, so dass ich mit der falschen gar nichts mehr zu tun hatte.

Das hatte sie aber gemerkt und mir erklärt, sie hätte mir gesagt, ich sollte das Ganze abschreiben.

Und weil ich Angst gehabt hatte, die würde vielleicht zu uns nach Hause kommen und sich über mich beschweren, so dass die Sache dann doch noch herauskäme, hatte ich dann auch noch den Rest abgeschrieben.

Aber an dem Abend bei der Oma, als wir so zusammensassen und nichts redeten, sagte ich mir dann schon insgeheim: Wenn noch einmal etwas ist in der Schule, dann erzähle ich daheim nichts mehr. Ganz bestimmt nicht!

Obwohl ich so eine gute Mutti hatte, die schön aussah und mich gegen alles in Schutz nahm.

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Achim H. Pollert: Ein Koffer voll Geld!

Achim H. Pollert (*) über die Möglichkeiten, die Bank zu beklauen /// — ///

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Ich war jung und arbeitete bei einer grossen Bank.

Ich hatte mit 21 Jahren als Sachbearbeiter im Bankfach angefangen. An meinem ersten Arbeitsplatz, einer anderen grossen Bank, hatte ich zwei Jahre ausgehalten, bis ich mich abseilte, um dann im nachhinein zu erfahren, dass man viel mit mir vor gehabt hätte.

Am zweiten Arbeitsplatz dann, eben jener Grossbank, am Hauptsitz, mit damals so an die 5,000 Angestellten, war es etwas zügiger vorwärts gegangen. Das sass ich dann im Vorzimmer eines Abteilungsdirektors, offiziell zwar ohne Vollmachten, inoffiziell aber wohl derjenige, der in der Abteilung das Heft in der Hand hatte.

Es sah gut aus, was die absehbare Karriere anging.

Klar. Ich hatte keine Frau, und was zur Auswahl stand, waren alles die angestellten Damen dort, für die ich wohl ein recht vielversprechender möglicher Heiratskandidat war. Das beruhte nur teilweise auf Gegenseitigkeit, und ich war mir auch noch nicht bewusst, wie bedeutend es für die persönliche Entwicklung es ist, jemanden zu haben, auf den man sich verlassen kann.

Sicher. Ich hatte eigentlich auch künstlerische Ambitionen. Ich wollte grosse Romane schreiben, brachte aber nur so eher mässige Action-Geschichten zustande, die mich selbst langweilten. Auf der anderen Seite gab es bei der Bank ja auch genug zu schreiben – Weisungen, Aktennotizen, Berichte, Personalbeurteilungen. Ich wollte vielleicht auch zeichnen und malen, beispielsweise Karikaturen. Aber zum einen hatten mich die verschiedenen Lehrer an den verschiedenen Schulen stets davon überzeugt, dass ich kein zeichnerisches Talent habe – bzw. dass ich angesichts solcher Lehrer auf dessen Entwicklung gerne verzichtet hätte. Und andererseits hatte man mir auch beigebracht, dass man es als Mannlimaler nie zu so einem besseren Herrn in seriösen Verhältnissen bringt. Ausserdem konnte ich ja auch bei der Bank ein bisschen zeichnen. Einladungen, Präsentationen u.s.w.

Aber auch wenn ich mir etwas Besseres hätte vorstellen können, als mein Leben bei der Bank zu verbringen, sah es wirklich gut aus bei dem, was man erwarten konnte. Ich war jung. Ich verdiente ganz gut. Ich stand ganz oben auf der Beförderungsliste.

Und jeder Tag dieser Existenz dort war ein neuer Anschiss.

Schlimm war, dass ich erkennen musste, dass die alte Annahme nicht stimmt, man müsste sich nur ordentlich Mühe geben und fachlich stets auf der Höhe sein, so dass man für „die“ interessant wäre, damit man dann auch weiterkommt. Schlimm waren auch die inkompetenten Vorgesetzten, denen man allüberall begegnete, die einem trotz aller Inkompetenz aber doch gerne frech kamen und den Chef heraushängten. Schlimm waren die vielen irregeleiteten Menschen, die nicht die geringste Ahnung hatten, wie ein erfülltes und glückliches Leben aussieht. Schlimm war, dass man einem ganzen System von Demütigungen und Einschränkungen ausgesetzt war. Dass man nicht essen und trinken konnte, wann man Lust hatte. Dass man morgens, mittags und abends mit einer Stechuhr seine Arbeitszeit erfassen musste, was einem dann jeweils am Monatsende minutengenau vorgerechnet wurde – ausser natürlich die Bonzen.

Am schlimmsten war aber wahrscheinlich, dass ich mitten in diesem Milieu sass und erst ganz langsam begriff, dass ich überhaupt nicht dort hin passte und eigentlich sowohl todunglücklich war, als auch nie etwas erreichen würde, was für mich irgendwie sinnstiftend und erstrebenswert war.

Nicht zuletzt ist ja gerade das immer am schmerzlichsten: erkennen zu müssen, dass man einen gänzlich falschen Weg im Leben eingeschlagen hat und sich das ursprüngliche Traumziel mehr und mehr als hohles Phantom entpuppt. Wer weiss, wie viele Menschen diese schmerzliche Erkenntnis, sich in ihrer Lebensplanung geirrt zu haben, während Jahrzehnten verdrängen.

DIE VERSUCHUNG

Natürlich ist das eine hoch explosive Konstellation.

Ein Angestellter, der ein bisschen etwas zu sagen hat und der befürchtet, er könnte sein Leben verpassen. Und das bei einer Bank, mehr noch: am Hauptsitz einer internationalen Grossbank, wo die Millionen tagtäglich nur so durchhuschen.

Tatsächlich kam es auch immer wieder einmal vor, dass Angestellte dieser ständigen Versuchung erlagen.

Da gab es zum einem wohl die echten frechen Betrüger, die im grossen Stil bei den Kunden etwas behaupteten, das nicht stimmte, die gegenüber der Geschäftsleitung der Bank Gewinne vortäuschten, die gar nicht existierten, und so überzeugend waren, dass sie zeitweise sogar als besonders begabte Nachwuchskräfte galten.

Und daneben gab es die kleinen Betrüger, die sich immer mal wieder um einige hundert oder tausend Franken, mehr so nebenbei, bereicherten. Falsch abgerechnete Spesen. Faule Absprachen mit Angestellten bei Lieferanten und Geschäftspartnern. Rückvergütungen, die eingesackt wurden. All die kleinen und grösseren Mauscheleien in so einer bestimmten Grauzone.

Ich meinerseits habe alle diese Menschen damals nie so recht verstanden. Die echten Betrüger setzten sich der Gefahr einer massiven Strafverfolgung mit jahrelanger Gefängnisstrafe aus, denen danach meist nur noch eine sozial deklassierte Existenz in der Fürsorge winkte. Einige von denen enden in der Psychiatrie, oder sie werden wieder straffällig – weil sie auf ehrliche Weise kein Geld mehr verdienen können. Noch weniger Verständnis hatte ich natürlich für die Kleinbetrüger, die für ein paar lumpige Tausend alles aufs Spiel setzen. Oft gar für weniger.

Aber das heisst natürlich auch nicht, dass die Versuchung, die der Umgang mit so viel Geld mit sich bringt, auch mich ergriff. Zumal ich die Verhältnisse als hoch unerfreulich empfand.

Es gab seinerzeit auch den spektakulären Fall von drei Lehrlingen.

Drei junge Männer, wie die meisten von uns Bankangestellten wohl nicht aus den grossformatigen Verhältnissen der Gesellschaft. Diese drei kamen nun im Verlauf ihrer Ausbildung, in der sie jeweils für einige Monate in den verschiedensten Abteilungen der Bank eingesetzt wurden, neu in den zentralen Tresorraum.

Und da wurden diese drei Jugendlichen übermannt. Nicht von den grossen Buchungen im Bank-Zahlungsverkehr, von den enormen Beträgen im Devisenhandel, die da von Soll nach Haben wechselten, nicht von den Vorgängen in der Akkreditiv-Abteilung, wo ganze Schiffsladungen bezahlt wurden. Nein, sie wurden übermannt von dem, was sie auch im Zivilleben beeindruckte: dem Bargeld. Banknoten, die in einem bestimmten Milieu gerne gezeigt werden, um die eigene Bedeutung und Solvenz zu demonstrieren. Banknoten, die manch einer in einer Geldklemme mit sich herumträgt, um sie bei Bedarf zur Schau zu stellen.

Und nun war es eben so, dass die drei jungen Männer hier in ein Umfeld kamen, wo überall bündelweise Bargeld herumlag. Wer dort arbeitet, unterliegt nach und nach dem Sex-Shop-Effekt: für die Angestellten ist es Ware, viele andere sind beeindruckt und erregt davon.

Wie auch immer: die drei Burschen waren nach einigen Tagen Einsatz im Tresorraum so beeindruckt, dass sie – wahrscheinlich eher aus einer Bierlaune heraus – den Entschluss fassten, sich da an all den Bündeln doch einmal zu bedienen und dann abzuhauen.

So kamen sie dann an einem Morgen in die Bank, warteten ab, bis gerade niemand hinschaute, rafften auf die Schnelle eine Reisetasche voll mit herumliegenden Banknoten, sprangen am Hauptbahnhof auf den nächsten Zug zum Flughafen und buchen dort Tickets für die nächste Maschine nach Lima, Peru.

In der Regel wurden solche Vorkommnisse bei der Bank vertraulich gehalten. Dass das überhaupt möglich war, sollte aus Image-Gründen nicht nach aussen dringen. Hier aber hatte wohl die Presse irgenwie Wind davon bekommen, und das Ganze stand dann am nächsten Morgen im Tagesanzeiger. Daneben ging es auch intern im Hause um wie ein Lauffeuer.

DIE REAKTIONEN

Es hatte insgesamt so etwas von einer Abenteuergeschichte. Ein bisschen wie ein Road Movie. Bonnie and Clyde. Thelma und Louise. Al Capone im deutschen Wald. Das liess einen sicher im ersten Augenblick schmunzeln.

Ich hörte dann, die drei hätten insgesamt etwa 700,000 Franken erbeutet.

Das war dann irgendwie auch klar. Der Koffer voll Geld… so richtig grosse Beträge bringt man in Form von Bargeld nicht so ohne weiteres zusammen. Eine Million wiegt in 10er Banknoten um die siebzig Kilo, als 20er immer noch um die vierzig Kilo. Als Tausender dann wiegt die Million vielleicht noch zwei Kilo – aber wo im Ausland will man mit einem Tausender eigentlich etwas bezahlen?

Drei junge Leute, 18 oder 19 Jahre alt, müssen noch sechzig oder siebzig Jahre leben, hocken in einem südamerikanischen Land, sind namentlich bekannt und international zur Fahndung ausgeschrieben… was will man da eigentlich mit 700,000 Franken? Macht pro Nase so etwas über 200,000. Eigentlich kein akzeptabler Schnitt, bedenkt man die vielen Jahrzehnte auf der Flucht, die man dann noch vor sich hat.

Diese Rechnung machten indessen nur wenige. Es überwog insgesamt wohl die Bewunderung für diese drei Lehrlinge, die es gewagt hatten, was keiner wagt, und die jetzt dem Establishment der Bank eine lange Nase drehten.

Da war etwa der altersmässig damals schon etwas fortgeschrittene Peter, der unter seiner ganzen Existenz so sehr litt, dass man es ihm auffällig ansah. Er sah immer etwas ungewaschen und zerknittert aus, mit einem Gesicht, als hätte er gerade in eine sehr sauere Zitrone gebissen. Seinen Posten als Abteilungsleiter hatten sie ihm schon lange abgenommen. Er trank viel, und er hielt immer eine Zigarette zwischen den zittrigen Fingern, an der er jedes Mal zog, als wäre es das letzte Mal. Der geriet ob dieses Ereignisses regelrecht ins Schwärmen. Von den jungen Männern, die alles noch vor sich hätten, die ihr Leben in die Hand genommen hätten.

Peter war dabei unter den Bankangestellten beileibe kein Einzelfall.

Ob es die Erkenntnis der Realität war oder vielleicht auch nur Skrupel und schlechtes Gewissen, ist schwer zu sagen. Die drei jungen Burschen kamen seinerzeit ein paar Tage später samt Geld wieder zurück. Das machte das Ganze dann vollends zum Wochenendabenteuer und zur Bieridee. Ihnen passierte nicht viel – ausser dass sie natürlich ihre Ausbildung bei der Bank nicht abschliessen konnten.

Wie gesagt: Die Versuchung empfand ich auch. Warum eigentlich hier zu unwürdigen Bedingungen jeden Tag antanzen, sich von schrägen Vögeln alles gefallen lassen, sich in ein Leben zwängen, das einem nicht entspricht, wenn man mit einem Schlag so viel auf die Seite bringen konnte, dass es für ein ganzes Leben reichte?

DIE ERWÄGUNGEN

Aber dazu gab es natürlich eine Reihe von weitergehenden Erwägungen.

Wieviel ist eigentlich genug für ein Leben? Wenn man 25 ist und auf einen Zeithorizont von sechzig Jahren hinaus planen muss.

Ich verdiente damals vielleicht 60,000 Franken im Jahr. Um das aufrecht zu erhalten, müsste ich also für die kommenden sechzig Jahre mehr als dreieinhalb Millionen haben. Abwicklungskosten aller Art und Geldentwertung inklusive, wahrscheinlich vier Millionen. Und zwar für mich alleine – jeder Komplize würde die erforderliche Summe erhöhen und würde ein zusätzliches Risiko darstellen.

Natürlich müsste man es so planen, dass idealerweise der Tatbestand als solcher nicht bemerkt würde, oder wenigstens nicht feststellbar wäre, wer das begangen hatte. Aber man musste auch von vorne herein einkalkulieren, dass man auffliegen, vor Gericht gestellt und verurteilt würde. Und dann müsste man für die Zeit danach, wenn man aus der Kiste kam, genug Geld sicher versteckt haben, um auch dann noch sorgenfrei leben zu können.

Also müsste man noch einmal vier Millionen irgendwo anonym deponieren, so anonym, dass man über alle Zweifel hinweg nur selbst alleine Zugang dazu hätte. So etwas ist machbar, als solches aber mitunter zeitaufwändig und sehr teuer.

In Anbetracht der Tatsache, dass diesen Zahlen ein normales bürgerliches Einkommen zugrunde liegt, ist ohnehin anzunehmen, dass es sich dabei eher um untere Minimlagrenzen handelt.

Realistisch wäre wohl ein Gesamtbetrag von zehn Millionen, den man hätte abzweigen müssen, die Hälfte, um ein Alltagsleben zu bestreiten, die andere Hälfte zum Verstecken, um wirklich für die kommende Zeit unbesorgt und sicher sein zu können.

Um die hundert Kilo in Hunderter-Noten, fast 200 Kilo in Fünfzigern. Ausserdem ist es auch bei einer grossen Bank schwierig, an eine solche Menge von Bargeld zu kommen.

Also von wegen: Mit einem Koffer voll Geld auf die britischen Jungferninseln…

DIE GELEGENHEIT

Um einen Betrag abzuzweigen, für den sich das alles lohnt, wäre es also realistisch gewesen, das Geld auf dem Wege der konventionellen Buchung auf der Bank herauszuschaffen – also irgendwo 10 Millionen belasten und irgendwo hin – auf ein Konto bei einer anderen Bank im Ausland – überweisen.

Ich war damals zwar tätig im Bereich Devisen, wo der internationale Zahlungsverkehr zwischen den Banken durchlief, die verschiedenen Handelsgeschäft, Währungskonversionen, kurzfristige Depots u.s.w.

Also alles grosse Beträge, wo grundsätzlich genug Geld vorhanden war, anders vielleicht als dort, wo Bausparverträge oder Kleinkredite abgerechnet werden.

Man hätte also irgendwo auf einem Konto – einer grossen Firma, einem internen Transferkonto o.ä. – zehn Millionen belasten und auf ein eigenes Konto irgendwo weit weg überweisen.

Die Gelegenheit hätte ich gehabt.

Aber die Frage wäre dann eben erneut gewesen, wie man unbehelligt an dieses Geld herankommen wollte. Irgendwo bei der Barclay Bank in St. Helier auf den Kanalinseln, der Liechtensteinischen Landesbank in Vaduz, dem Crédit Agricole auf Gouadeloupe könnte ich nur schlecht persönlich erscheinen und zehn Millionen in bar abheben – und zwar die zehn Millionen, die vorgestern ohne Vorankündigung für mich überwiesen worden waren.

Ausserdem: Wenn das inzwischen in Zürich aufgedeckt worden wäre, dann würde ich auch im Finanzparadies an Ort und Stelle verhaftet. Denn Unterschlagung, Diebstahl, Untreue sind dort ebenso strafbar wie überall. Wäre das also aufgefallen und hätten mich die Schweizer Behörden mich zur Fahndung ausgeschrieben, dann wäre ich dort – wo immer es auch gewesen wäre – bereits von der Polizei in Empfang genommen worden.

Unter dem Strich bleibt das das Problem, dass jede Buchung bzw. Überweisung verfolgbar ist und in vielen Fällen auch rückgängig gemacht werden kann. Natürlich kann man sich einen Betrag überweisen. Den bekommt man dann bei einer Bank auf dem Konto gutgeschrieben. Dort aber kann es jederzeit blockiert werden, so dass es von vorne herein fraglich ist, ob man ohne weiteres daran kommt.

DIE WÄSCHEREI

Und dann wäre abschliessend noch eine weitere Frage aufgetreten: Hätte ich das Geld irgendwie dann am Ende doch in meinen Besitz bekommen, wie hätte ich es danach legalisieren können?

Verstecken ist gut, Waschen ist besser. Anstatt irgendwo solche Gelder irgendwo zu deponieren, in der Hoffnung, sie mögen nicht entdeckt werden, wäre es natürlich besser, sie so zu „waschen“, dass sie nachher wie legal erworbenes Vermögen aussehen. Sechzig Jahre sind eine lange Zeit, und eine geschickte Geldwäscherei hätte durchaus den Unterschied machen können zwischen geruhsamem Leben und ständigen Existenz auf der Flucht.

Natürlich hätte man versuchen können, das Ganze in hochwertige Kunstwerke zu tauschen und dann jeweils bei Bedarf wieder eins abzustossen. Aber ob das immer so diskret funktioniert wie beim einen oder anderen Nazi-Helfershelfer und seinen Abkömmlingen, ist fraglich. Normalerweise wirbelt es viel Staub auf, wenn das eine oder andere Meisterwerk plötzlich öffentlich zur Versteigerung steht. Und so etwas würde ich ja nicht riskieren können.

Trotz allem, was so herumgeht an Gerüchten, gibt es letztendlich nur eine Möglichkeit, um Geld zu waschen. Man muss vortäuschen, man hätte das Geld irgendwo ordnungsgemäss verdient. Man muss ein Geschäft eröffnen und das Schwarzgeld als Einkünfte deklarieren.

Aber natürlich wird es an dieser Stelle nun endgültig unübersichtlich.

Selbstverständlich könnte man sagen, ich wäre ein Sicherheitsfanatiker mit solchen Überlegungen. Einer, der immer auf Nummer Sicher gehen will und nie ein Risiko eingeht.

Aber es ist natürlich schon wohl auch so, dass es keinen Sinn macht, beim Versuch, sich aus einer repressiven, schwer autoritären Hierarchie abzuseilen, im Gefängnis zu landen – einer ebensolchen Hierarchie, die zudem noch gewalttätig ist und keine Gehälter zahlt – und später dann als Sozialfall und Ex-Knacki irgendwo verwahrlost herumzulungern und den verpassten Chancen im verpfuschten Leben nachzutrauern.

Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Vielleicht könnte man auch sagen, dass ich nicht genügend Mumm hatte, um so ein Verbrechen so kaltblütig durchzuziehen. Einfach zu viel Angst, schon bei der Ausführung, erst recht später dann davor, am Ende doch noch geschnappt zu werden.

Später dann, im vorgerückten Alter, mag ich mir dann vielleicht rückblickend gesagt haben, dass ich es hätte machen sollen. Womöglich hätte ich mir manche spätere Sorge in meinem Leben erspart. Aber es ist so gewesen, dass ich der durchaus vorhandenen Versuchung, mich an den Millionen der Bank angemessen zu bedienen, in all den Jahren damals nicht erlag. Aus welchen Gründen auch immer.

Trösten hätte man sich natürlich mit dem Gedanken daran, dass es ja keinen Armen getroffen hätte. Trösten hätte man sich auch können mit dem Gedanken daran, dass selbst schon mittelgrosse Banken für den grössten Blödsinn zehn Millionen – quasi nebenbei – aus dem Fenster werfen.

Es wäre also niemand durch mich ernsthaft geschädigt und in seiner Existenz bedroht worden. Mancher kleinere Manager hat grösseren Schaden angerichtet, einfach nur durch Unfähigkeit.

Aber auch wenn ich es vielleicht zu späteren Zeiten in meinem Leben bereut haben mag, ist es doch so, dass ich der Versuchung damals eben nicht erlegen bin, so dass ich mir über mögliche moralische Erwägungen keine Gedanken zu machen brauchte.


Wer weiss: Ein Leben ohne quälende Skrupel, Gewissensbisse und Selbstzweifel ist womöglich mehr wert als alle finanzielle Unabhängigkeit zusammen. Mehr wert als ein Leben auf jahrzehntelanger Flucht.

DIE AUFLÖSUNG

Dabei wäre es eigentlich ganz einfach.

Es gab da etwa einen gehobenen Manager, den ich damals kannte. Noch nicht ganz vierzig. Major im Militär, was bei den Schweizer Banken damals sehr gerne gesehen war. Grossmaul mit nicht ganz so viel dahinter, was bei den Schweizer Banken damals nicht so sehr auffiel. Von vorne herein auserwähltes Mitglied für den Führungsnachwuchs, was bei den Schweizer Banken damals üblicher Brauch war.

Der Mann fiel u.a. dadurch auf, dass er teilweise merkwürdigen Figuren sein Vertrauen schenkte. Immer wieder tauchten aus seinem Büro Typen auf – Pfeifen, Arschlöcher, teilweise Wahnkranke -, die sich auf die Gunst des Direktors bezogen und teilweise in der Abteilung für erhebliche Verstimmung und Unruhe sorgten.

Später dann wurde der Major Mitglied der Geschäftsleitung einer kleineren Bank. Dort schenkte er auch wieder einem Mitarbeiter sein Vertrauen, der das nicht verdiente. Der versuchte nämlich, einen zweistelligen Millionenbetrag zu unterschlagen und wurde dann irgendwo in einem asiatischen Paradies von der Polizei wieder eingefangen – wohl aus ähnlichen Gründen, wie ich sie oben beschrieben habe.

Und noch später dann wurde der Major – inzwischen wahrscheinlich Oberstleutnant – als hohes Tier im Effektenhandel selber Angeschuldigter in einem Ermittlungsverfahren, was das Ansehen der ganzen Branche massiv belastete. Schliesslich wurde er von dort noch in ein Gremium verfrachtet, wo Banken ihre überzähligen Manager parkierten, wenn deren Abgang zu spektakulär und rufschädigend gewesen wäre.

Man kennt solche Fälle. Häufig und vielgestaltig. Manager mit eher mässiger Begabung, die sich im Laufe der Jahre mehr oder minder peinlich über die Runden mogeln. Nicht wirklich bösartig, aber auch nicht wirklich leistungsfähig. Eher schlau als intelligent. Eher faul als kreativ. Eher laut als fleissig. Und natürlich opulent bezahlt in all den Jahren, meist in einer Grössenordnung, die nicht in einem vertretbaren Verhältnis zum Wert der erbrachten Leistung steht. Bei weitem nicht.

Interessant ist eben immer wieder die Beobachtung, was passiert, wenn bei so jemandem etwas so schief läuft, das man nicht mehr gerade heraus ableugnen und dementieren kann. Dann nämlich – oder kurz bevor ein dickes Ende kommt – tritt so jemand vom Posten zurück und erhält ein kleines Vermögen als Abfindung. Eine vertragliche Zahlung, die von vorne herein so im Vertrag steht, ausgerichtet nicht als Sonderzahlung für besondere Erfolge, Leistungen und Verdienste. Vielmehr eine Millionenzahlung einfach dafür, dass der Betreffende geht.

Umgangssprachlich wird dergleichen gerne auch als „goldener Handschlag“ bezeichnet, der übrigens weiter verbreitet ist, als viele Menschen sich bewusst sind. Denn als richtig skandalös wird dergleichen in der Öffentlichkeit meist erst empfunden, wenn der Betreffende im grossen Stil Mist gebaut und Millionenschäden verursacht hat.

Wie auch immer: Für mich stellt die Tatsache, dass das alles so ist, zugleich auch die Auflösung des Problems dar. Nachdem es sich nicht wirklich lohnt, einen solchen, sagen wir, kleineren Millionenbetrag an den Kontrollmechanismen vorbei abzuzweigen, weil der Ertrag nicht ausreicht und man zu viel riskieren müsste dafür, wäre es doch eigentlich viel einfacher, diesen legalen Weg zu gehen.

Man müsste zusehen, dass man möglichst zügig in so eine Position kommt. Und sobald man diesen Job hat, bei dessen Abgang man eben diesen goldenen Handschlag bekommt, müsste man sich so benehmen und alles dafür tun, dass die einem die Kündigung aussprechen müssen. Denn von dann an könnte man sich mit so einem kleinen Millionenvermögen ins Privatleben zurückziehen.

Aber ich weiss nicht, ob ich zu der Zeit schlau genug gewesen wäre, um das zu erkennen.

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Veröffentlicht unter Geschichten aus dem Leben

Achim H. Pollert: Die abgekartete Sache

Achim H. Pollert (*) über Abschlussarbeiten /// — ///

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Man könnte wohl den Standpunkt vertreten, in der Schweiz werde zur Vorverurteilung geneigt. Tatsächlich gibt es Fälle in der Schweizer Justiz, bei denen man den Eindruck erhält, Polizist, Staatsanwalt oder Richter bildeten ganz zu Anfang eines Verfahrens ihr persönliches Urteil, um dann den Rest des Prozesses nur noch als „Gebrauchsanleitung“ zu verstehen, über die die persönliche Meinung des Betreffenden in die Realität umgesetzt wird.

Das gilt keineswegs nur für die grossen, spektakulären Fälle, die man aus den Medien kennt, am bekanntesten wohl der Fall Zwahlen in Kehrsatz bei Bern und der Fall Jeanmaire aus dem schweizerischen Generalstab. Das gilt vielmehr auch für durchaus alltägliche Vorkommnisse im geschäftlichen und rechtlichen Alltag.

Wenn etwa eine Behörde ein Verfahren einstellt mit der Begründung „Davon kann keine Rede sein“. Wenn ein Staatsanwalt ohne Angabe von Gründen den einen oder anderen Gauner springen lässt und ein Verfahren einfach einstellt. Wenn eine Steuerbehörde ohne weitere nachvollziehbare Anhaltspunkte zwischen straffreier Steuerhinterziehung und strafbarem Steuerbetrug unterscheidet.

Bei solchen alltäglichen Ereignissen hat man immer wieder den Eindruck, dass das jeweils angestrengte Verfahren nicht wirklich der Feststellung der Tatsachen dient, sondern lediglich der Inszenierung des von Anfang an bereits gefassten Urteils.

Und so hat dann das Ganze den Geruch einer abgekarteten Sache. Wenn etwa vor dem Zürcher Obergericht nach erfolgtem Vortrag drei Richter zunächst einmal nicht-öffentlich beraten (also die Sache schon einmal unter sich ausloten), dann nacheinander referieren, und zwar so, dass zunächst Stimmengleichheit vorliegt, so dass das zu verkündende Urteil dann beim Vorsitzenden liegt.

Dann sieht das aus wie eine abgekartete Sache.

Es wäre, wie gesagt, ein vertretbarer Standpunkt. Es gibt diese generelle Tendenz zur abgekarteten Sache. Dass also im voraus feststeht, wie ein bestimmtes Verfahren auszugehen hat. Und zwar besonders auch dann, wenn der Ausgang eigentlich Zweck des durchgeführten Verfahrens wäre.

Oft hat man auch die Unwägbarkeiten des Lebens, wie sie sich durch offene Entscheidungsverfahren offenbaren, nicht so sehr gerne. Es ist nun einmal sicherer, kontrollierter und überschaubarer, sich von vorne herein gleich entsprechend einzurichten.

Allerdings dürfte das ein psychologischer Mechanismus sein, der sich bei vielen Menschen in Bewegung setzt, ohne dass sie sich dessen auch nur bewusst sind, oder gar darüber im klaren, dass dergleichen nicht in Ordnung ist.

Der Ablauf dürfte vielfach so vor sich gehen, dass der Machthaber – Beamte, Polizist, Lehrer, Richter u.ä. – vorab das ihm Präsentierte überfliegt und aufgrunddessen dann schon einmal ein Vorurteil fällt. Und dieses Urteil wird dann zur Messlatte für das ganze Verfahren. Mehr noch: Der eigentliche Zweck des betreffenden Verfahrens, die Entscheidungsfindung, die Feststellung der Tatsachen, jede Unvoreingenommenheit wird in dieser Konstellation zum absolut unerwünschten Störfaktor.

Wir alle kennen das geflügelte Wort: „Meine Meinung ist gefasst. Verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen“…

IN DER WISSENSCHAFT

Das gilt überall dort, wo es im weitesten Sinne um Machtausübung geht.

Also sehr wohl auch in der Wissenschaft. Überdeutlich greift dieser Mechanismus dort, wo es darum geht, dass ein Machthaber – sagen wir ein Lehrer – ohne nähere Kontrolle das bewerten soll, was ein Untergebener – sagen wir ein Student – abliefert.

Dabei ist es einfach nur naiv anzunehmen, eine solche wissenschaftliche Begutachtung orientiere sich vorwiegend an objektiven Gesichtspunkten und nachvollziehbaren Qualitätskriterien. Beim Lehrverhältnis handelt es sich vielmehr eindeutig um eine Machtbeziehung, und es wäre wohl die Frage, was im Einzelfall grössere Bedeutung hat: Ob nun jemand tatsächlich über entsprechende Kenntnisse verfügt, oder ob er im alltäglichen Unterrichtsbetrieb den Vorgaben gerecht wird und entsprechend spurt.

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Tatsache bleibt in jedem Fall, dass ein und derselbe Text von unterschiedlichen Bewertern im Blindversuch sehr unterschiedlich benotet wird.

Die Annahme, dass auch bei der Beurteilung wissenschaftlicher Leistungen – Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Doktorarbeiten u.a. – das wesentliche Ergebnis von vorne herein feststeht, ist zumindest naheliegend, für diejenigen, die häufiger damit zu tun haben, darüber hinaus ein offenes Geheimnis. Sagen wir für den Ghostwriter.

Wenn seitens des Machthabers – des Lehrers, Dozenten, Professors u.ä. – der Entschluss gefasst ist, dass ein bestimmter Student, eine bestimmte Studentin den Abschluss erfolgreich machen können soll, dann wird dagegen kaum noch etwas wirken. Dann werden die Betreffende, der Betreffende auf ihre Arbeit eine ausreichende Note bekommen.

In Extremfällen kann das selbst dann passieren, wenn herauskommt, dass man sich der Unterstützung eines Ghostwriters bedient hat, oder das Ganze sonst irgendwo abgeschrieben hat.Wenn beim Machthaber – aus welchen Gründen im einzelnen auch immer – die Neigung besteht, über dergleichen hinwegzusehen, dann wird darüber hinweggesehen.

Ähnlich wie auch im Gegenteil.

Wenn etwa der Machthaber sich mit einer gewissen Regelmässigkeit echauffiert hat über das Deutsch des einen oder anderen tschechischen oder spanischen Studenten, dann wird dieser Student auf das Deutsch seiner Arbeit wohl kaum etwas Besseres als einen Vierer bekommen.

Selbst dann nicht, wenn der betreffende Student sich seinen Text durch einen Profi korrigieren und in astreines Hochdeutsch hat übertragen lassen.

Dabei mag man ohnehin noch so sehr fragen, was für ein Armutszeugnis es eigentlich ist, dass da im Bereich der Wissenschaft Erwachsene Benotungen auf ihr Deutsch bekommen. Es ist jedenfalls so… und die Benotung steht nicht selten im voraus fest, ganz unabhängig von der tatsächlich erbrachten Leistung.

BEDROHLICH

Natürlich ist dies bedrohlich. Immerhin geht es im Einzelfall um den Erwerb eines Titels, der für den weiteren Werdegang und die individuelle berufliche Entwicklung von grösster Bedeutung sein kann.

Kindisch oder nicht. Keinesfalls ist damit zu spassen. Besonders stellt sich vor diesem Hintergrund auch die Frage, wie man sich denn verhalten soll, wenn da ein Ergebnis von vorne herein feststeht, das man durch die eigentliche Leistung nur sehr eingeschränkt beeinflussen kann.

Der Umstand allerdings, dass es natürlich immer wieder auch andere gibt, die sich vielleicht bemühen, ihr Urteil nicht gar zu früh zu fällen, macht es für den Einzelnen komplizierter und weniger übersichtlich.

Was also kann man tun, um sich vor dieser Bedrohung einigermassen zu schützen?

Tödlich naiv wäre es wohl, sich einfach darauf zu verlassen, dass man mit seriöser Leistung das Ganze bewältigen könnte und so dann die Sache auf sich zukommen zu lassen. Das Vertrauen darauf, redlich sein Bestes zu geben und auf eine angemessene, ausgewogene Beurteilung zu hoffen, kann zum ganz bösen Schiffbruch führen.

Da kann es dann – bei entsprechender Gemengelage – durchaus auch einmal vorkommen, dass jemand einen respektablen Text abliefert, der dann vom Herrn Professor mit grossem Genuss komplett zerrissen wird.

Selbst wenn man es deutlich merkt. Selbst wenn klar erkennbar ist, dass der Herr Professor mit grösstem Genuss hier seine Gemeinheit ausschüttet. Nach Lage der Dinge lässt sich daran zunächst einmal nichts ändern. Es gibt das Grundrecht der Freiheit der Lehre, und somit wird die Tätigkeit des Lehrenden weder reglementiert, noch kontrolliert.

Für den Einzelnen heisst dies dann auch, dass es zu spät ist, wenn es erst einmal so weit ist.

Richtig ist vielmehr, von Anfang an den Kontakt zum Begutachtenden zu suchen. Zum Oberassistenten, zum Dozenten, zum Berichterstatter oder zum Professor. Richtig ist es, mit diesem Menschen den Inhalt der abzuliefernden Arbeit möglichst detailliert im Vorfeld abzusprechen, ein Inhaltsverzeichnis gleich am Anfang einzureichen und sich absegnen zu lassen.

Richtig ist es, während des ganzen Projekts möglichst eng Tuchfühlung mit dem Machthaber zu halten und sich Punkt für Punkt Feedback zu holen.

Richtig ist es, die einzelnen Kapitel mit dem Machthaber abzusprechen und gemäss seinen Wünschen und Anordnungen auszugestalten.

Betreibt man dieses Kontaktmanagement entsprechend langfristig im Vorfeld und entsprechend geschickt – Berücksichtigung von Input u.ä. -, dann hat man tatsächlich eine gewisse Gewährleistung, dass man von der brutalen Bruchlandung am Ende verschont bleibt.

Nur so kann man sich etwas Sicherheit verschaffen, etwa in dem Sinne, dass die Sache von vorne herein abgekartet ist, dass man selber aber wenigstens weiss, wie sie aussieht und nicht regelrecht ahnungslos ins offene Messer läuft.

Natürlich bleibt es Ihnen überlassen, ob Sie sich vor einem solchen Hintergrund fragen wollen, ob man die ganze Struktur insgesamt noch für voll nehmen kann.

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Achim H. Pollert: Jetzt musst Du handeln!

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Ob es früher besser gewesen ist, kann ich nicht so ohne weiteres sagen.

Die Gegenwart wäre, so eine weit verbreitete Ansicht, geprägt von der Kultur der Äusserlichkeit.

Der schöne Schein als das allein Massgebende unter der Sonne. Form ohne Inhalt.

Folglich auch die vielfach zu beobachtende Neigung, etwas „attraktiv“ (d.h. „anziehend“) zu nennen, wenn man es eigentlich „gutaussehend“ findet. Also so, als wäre die äussere Erscheinung (z.B. eines Menschen) automatisch das Anziehende.

Wie gesagt: Ganz so weit will ich mich aber gar nicht aus dem Fenster lehnen. Ob sich das heute verschlimmert hat, das lasse ich gerne einmal dahingestellt.

Vor Jahrzehnten immerhin bin ich sehr unglücklich verheiratet gewesen. Und zwar im kleinbürgerlich-katholischen Milieu. Man kennt das: Die guten Leute liessen nichts aus. An jedem Wochenenden natürlich zur Messe bei ihnen am Ort. Mit Segen und Kommunion.

Zu besonderen Anlässen – Feiertagen, persönlichen Jubiläen u.s.w. – wurden auch kleine Ausflüge organisiert, etwa irgendwo hin, wo es eine baulich besonders schöne Kirche gab oder wo ein Pfarrer eine besonders aussergewöhnliche Messe veranstaltete. Zum runden Geburtstag etwa zu einem Tagesausflug nach Einsiedeln. Zu diesem oder jenem Jahrestags auch einmal auf ein verlängertes Wochenende zu diesem oder jenem Münster irgendwo im Nirgendwo.

Weihnachten. Neujahr. Ostern und Pfingsten sowieso. Nichts spielte sich ab ohne Beteiligung der Kirche. Vor oder nach der Familienfeier, vor oder nach dem gemeinsamen Essen im Familienkreis. Nicht zuletzt auch wurde die Nähe von kirchlichen Institutionen gesucht. Und schön gespendet wurde auch immer mal wieder.

Das Ganze hatte durchaus etwas Idyllisches, wenn auch vielleicht ein wenig kindisch. Aber es gab in diesem Umfeld wohl auch Menschen, die durchaus mit sich und ihrem Lebens insgesamt zufrieden waren.

In diesem Umfeld sind mir auch die Segenshändler begegnet.

Menschen, die eine ursprünglich vielleicht gut Idee völlig veräussert, instrumentalisiert und damit in ihr Gegenteil verkehrt hatten.

So gibt es – ganz zentral im Christentum – den ursprünglichen Gedanken der Barmherzigkeit. Demnach soll demjenigen, der aufrichtig bereut, vergeben werden. Wer sein Gewissen ins Reine bringt, wer die eigene Fehlhandlung erkennt und wem sie aus einer anständigen Grundhaltung leid tut, dem soll vor Gott vergeben werden.

Förmlich ist dies im Katholizismus in Form der Beichte organisiert. Wer vor diesen Gott tritt, unter vier Augen, womöglich anonym seine Schuld bekennt und aufrichtig bereut, dem soll die Absolution erteilt werden.

Die Veräusserung fängt nun dort an, wo diese Formalität der Beichte im Empfinden gleichgesetzt wird mit dem aufrichtigen Bekenntnis der Reue. Wenn sich dieser Mechanismus der Vergebung verselbständigt, dann wird das Ganze zur banalen Äusserlichkeit und verkehrt sich ins Gegenteil.

Das beginnt damit, dass man kleine Kinder bereits dazu anhält, in der Beichte ihre „Sünden“ zu bekennen. Und das reicht bis zur Vorstellung, was immer man auch angerichtet habe, niemand würde mehr danach fragen, sobald der Pfarrer in der Kabine die Absolution ausspreche.

DEAL OR NO DEAL… ?

Denn diese Äusserlichkeit in der Gleichsetzung von Formalität (Beichte) und Inhalt (Reue und Vergebung) führt dann schnell zum Handel, der da lautet: „Ist egal, was ich mache: Ich kann es nachher ja beichten…“

Das gilt nicht nur für Schandtaten und deren förmliche Vergebung.

Vielmehr ist in einem bestimmten formalreligiösen Milieu diese Vorstellung von einem Gott, der mit sich handeln lässt, weit verbreitet.

Es ist dies die Vorstellung von einem Gott, der einem bestimmte Handlungen oder Prozeduren auferlegt, und damit wäre dann alles andere erledigt.

Der Segenshandel. Demnach würde ein Gott irgendwo im Nirgendwo sitzen und abzählen, wie oft ich in der Messe gewesen bin, ob ich regelmässig gebeichtet habe, ob ich immer brav die Kommunion empfangen habe…

Nur das, was man von aussen nicht wirklich sieht, das fragt dieser Gott in dieser Vorstellungswelt dann nicht, nämlich einfach nur, ob ich stets bemüht war, ein anständiger Mensch zu sein.

Für mein Seelenheil ist es in diesem Umfeld günstig, alle Regeln genau befolgt zu haben. vielleicht auch möglichst hochrangigen Segen empfangen zu haben, stets äusserlich untadelig den Formalitäten entsprochen zu haben. Der Segen eines Bischofs oder gar Kardinals. Die Stiftung eines Heiligenbilds für eine bedürftige Gemeinde in Südamerika. Die Finanzierung des Theologie-Studiums für einen Nigerianer aus mittellosen Verhältnissen.

Die eigentliche Feststellung, nämlich dass ein Gott sich nicht mit Äusserlichkeiten wie besonderer Linientreue oder bereitwilligem Spenden bestechen lassen wird, sondern eben vor allem darauf achtet, ob ich mich ernsthaft, aufrichtig und ohne Hintergedanken bemühe, ein anständiger Mensch zu sein, wird in diesem Milieu eher mit Befremden aufgenommen.

Nicht allzu lange ist es somit auch her, dass der neue Papst höchstselbst für solches Befremden sorgte, als er sagte, Gott interessiere sich wohl eher für den Menschen selbst als dafür, ob jemand homosexuell ist.

Denn eine solche Frage stellt den Segenshändler vor ein schwerwiegendes Problem. Solange man sich an an die Marktbedingungen hält, solange man dem Gegenüber – dem Gott – das bietet, was es von einem halben will, kommt man immer wieder zu einem Abschluss. Habe ich etwas zu bieten, dann kommen wir eben zu einem Deal. Habe ich nichts zu bieten, dann nicht.

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Und zwar unabhängig davon, ob ich im Grunde meines Herzens versuche, ein anständiger Mensch zu sein.

Schlimmer noch: In dieser Vorstellungswelt lässt sich das Eine durch das Andere ersetzen. Anstatt mich zu bemühen, anständig zu sein und zu bleiben, reicht es hier aus, eben einen entsprechenden Handel zu bieten.

Selbstverständlich ist dieses Milieu nicht auf den Katholizismus und das Christentum begrenzt. Ganz im Gegenteil: Wir kennen durchaus jene Menschen, die allen Ernstes von einem allmächtigen Gott erzählen, für den es eine Sache von Leben und Tod ist, ob ich nun ein Kopftuch trage, mich regelmässig rasiere oder Gummibärli aus Schweinegelatine esse.

… UND OHNE GOTT?

Sicher.

In der laizistischen Gesellschaft Europas ist diese „Don-Camillo-Frömmigkeit“ inzwischen wohl eher die Ausnahme. Nicht nur bei Christen und Juden, sondern durchaus wohl auch bei den meisten Muslimen, die der Religion gar nicht genug Bedeutung beimessen, um sich solche Gedanken wie der Frage nach dem Handel mit Gott zu machen.

Wer nun aber glaubt, damit könnte man der Problematik der Veräusserlichung ausweichen, gibt sich indessen einer Selbsttäuschung hin.

Denn die Mentalität, mit dem Leben insgesamt handeln zu wollen, anstatt sich um Substanz zu bemühen, bleibt natürlich auch erhalten ausserhalb der religiösen Gläubigkeit. Denn dass ein bestimmtes Milieu dazu neigt, den tatsächlichen Anforderungen auszuweichen und eben als Ersatz einen Handel anzubieten, das hängt mit der Verbreitung des gesellschaftlichen Mittelstands zusammen. Für den nämlich gehört diese „deal or no deal“-Mentalität durchaus zum kennzeichnenden Merkmal.

Wie etwa sieht es aus mit dem Kleinbürger, der sich wohl für etwas Besseres hält, jedoch mit seinen Fähigkeiten und und seinen Kenntnissen nicht über das Mittelmass hinausreicht?

Der Handel, den so ein Mensch dann oft mit seinem Schicksal schliesst, kann häufig etwa in einem besonders gepflegten Kleidungskult bestehen. Anstatt sich darum zu bemühen, echte Gründe zu schaffen, sich von einer amorphen Masse abzuheben, kleidet sich dann der kleine Angestellte im Anzug mit weissem Hemd und Krawatte und ist besonders stolz darauf, dass er sich bei seiner Arbeit die Hände nicht schmutzig machen muss.

So ein Handel kann auch in der zwanghaften Betonung von Titeln und Rängen bestehen. Wenn etwa anstatt wirklicher fachlicher Kompetenz bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit der Hinweis auf den eigenen akademischen Grad, auf die jahrzehntelange Berufserfahrung u.s.w. angeboten wird. Immer wieder wird dann darauf gepocht, man wäre schliesslich Doktor, man sei Stellvertretender Landrat, man habe zwanzig Jahre Gerichtspraxis u.s.w.

Bekannt auch das Verhalten, ein Problem nicht lösen zu können, dafür aber einen vermeintlich fundierten Gemeinplatz von sich zu geben, selbst wenn der so gar nichts mit dem sich stellenden Problem zu tun hat. Beispielsweise der Arzt, der völlig hilflos vor seinem Patienten mit Kopfschmerzen steht und mit einem Schulterzucken darauf eingeht, dafür aber loswerden muss, der Patient müsste mal wieder zehn Kilo abnehmen.

Besonders heikel ist dieser Versuch, den Handel mit Äusserlichkeiten zu probieren, weil man die innere Substanz nicht bieten kann, wenn es um die Erfüllung elterlicher Pflichten gegenüber von Kindern geht. Denken wir an einen Menschen, der seinem Kind Rückhalt und Gemeinschaft bieten sollte, der sich gerade auch „hinter den Kulissen“ so verhalten müsste, dass sein Kind ihn respektieren kann, der seinem Kind durch die alltägliche Lebensführung ein Vorbild geben sollte.

Ein Mensch, der nun versucht, hier zu einem Deal zu kommen, d.h. Äusseres anzubieten, weil er bei der Substanz versagt, wird sehr schnell armselig. Mit dem Angebot von Designerklamotten und allerlei teurem Elektronik-Schnickschnack an die Kinder, etwa auch mit einem Gefühl grossen Unglücks, wenn man nicht die finanziellen Mittel hat, um den Kindern solchen Unsinn zu bezahlen.

Und wer würde nicht schon einmal den Spruch gehört haben: „Hätten unsere Eltern uns das geboten, was wir Dir bieten…“

Spätestens an diesem Punkt drängt sich eine Erkenntnis auf. Wahrscheinlich gibt es wohl einen Gott, der die Welt erschaffen hat (wer sollte dann seinerseits diesen Gott erschaffen haben?).

Aber genau so wenig, wie ein solcher potentieller Gott mit sich könnte handeln lassen, lässt wohl auch das dingliche Universum mit sich handeln. Die Vorstellung, den Anforderungen der uns umgebenden Welt mit sinnleeren, formalen Ersatzhandlungen begegnen zu können und damit dem eigenen Leben Bedeutung und Erfüllung zu geben, ist kindisch.

Wer versucht, sich auf dem Wege des Handelns als Deal mit der Realität in Einklang zu bringen, programmiert schlussendlich die eigene Havarie, womöglich auch die seiner ganzen Familie.

Natürlich: Es bleibt der erwachsene Mensch, der auf eigenes Risiko lebt und die Realität der Dinge erkennen kann.

Es fragt sich eben nur, ob jemand, der sich ein ganzes Leben lang in dieser „Deal-or-no-deal“-Mentalität bewegt hat, über genügend intellektuelle und psychische Kapazität verfügt, dieses zu erkennen. Denn auch eine solche Erkenntnis wäre ja schon wieder etwas, wo Substanz gefragt ist, die sich nicht durch äusserliche Formalitäten ersetzen lässt.

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Achim H. Pollert: Weg ohne Wiederkehr

Achim H. Pollert (*) über Wege, die man geht /// — ///

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Ich war jung.

Wir alle waren jung. Wir lungerten viel auf der Gasse herum, erstmals in der Nachkriegsgeschichte konfrontiert mit dem Umstand, dass es kein grenzenloses Wachstum gibt. Es gab erstmals Jahre, in denen die Wirtschaft schrumpfte.

Düstere Zukunftsvisionen beherrschten das öffentliche Klima. Die Charleton Heston Filme von „Planet der Affen“ bis „Soylent Green“! Künftige Generationen würden uns vor Gericht stellen, weil wir die Entwicklungsländer ausbeuteten und weil wir die Erde mit unseren Abfällen verpesten.

Weil wir Gassenkinder waren, gab es zwar wohl Erwachsene, die immer mal wieder gewalttätig gegen uns wurden oder uns viel Blödsinn predigten und befahlen. Es gab daneben aber kaum Erwachsene, die einem etwas mit Hand und Fuss erzählten, oder die einem gar etwas Nachahmenswertes vorlebten.

Eltern hielten ihre Schuldigkeit für getan, wenn man satt zu essen hatte und im Winter nicht fror. Lehrer beschimpften uns, wir wären dumm, faul und unreif. Manche Erwachsene spielten sich auf, als wären sie besonders berufen, den Jugendlichen ein Beispiel von Reife, Bildung und Charakter zu geben. Sie waren es halt nur nicht, eher im Gegenteil.

Die Gasse mit ihrem Volk eben.

Wir hatten keine richtigen Perspektiven, nachdem die Verheissungen der Gesellschaft wegfielen, schnell und unkompliziert zu Geld und Stellung zu kommen. „Null Bock“ – wie es damals hiess.

Es wurde viel getrunken. Manche tranken aus charakterlicher Schwäche, also weil sie Alkoholiker waren. Andere, die etwas beherrschter waren, tranken einfach nur aus Frust.

Aber gesoffen wurde.

Es gab solche, die mit grossem Stolz berichteten, schon einmal von den Ordnungskräften mit einer Alkoholvergiftung aufgegriffen und ins Spital eingeliefert worden zu sein.

Die Perspektive für junge Männer war, einen gediegenen Job irgendwo zu bekommen, idealerweise bei einer Bank, um dann eine gesicherte Existenz zu begründen. Für junge Frauen war die Perspektive eher, einen Mann mit einem solchen gediegenen Job an sich zu binden.

Weiter nichts.

Und auch das nur, wenn man ordentlich spurte, dazu noch eine Portion Glück hatte und als Charakter nicht zu stark von einem Durchschnitt abwich.

Dass es vielleicht Interessanteres im Leben gibt, als gut spurender Bänkler, Arzt, Lehrer, Pastoralassistent, Schichtleiter, Pilot o.a. zu sein, das ahnten wohl weitaus die meisten dort auf der Gasse. Dass man zumindest die Auffassung vertreten könnte, dass Zeit das einzige ist, was wir haben auf dieser Welt haben, und dass es töricht ist, massive Teile dieser Zeit zu verschwenden, das ahnten viele.

Aber natürlich sass das Nachplappern dessen, was allgemein anerkannt ist, so tief, dass sich die Menschen davon nicht ohne weiteres lösen konnten. So erinnere ich mich etwa daran, wie ich mit einem Gassenkumpel zusammen damals den Film „Die Reifeprüfung“ mit Anne Bancroft und dem jungen Dustin Hofman schaute, in dem es ja eben genau darum geht. Dass vordergründige Ambitionen allenfalls Zeitverschwendung sind, dass materielle Befriedigungen womöglich nicht das wirkliche Leben ausmachen, dass es vielleicht nicht die grösste Verlockung darstellt, sich nach dem zu richten, was die anderen denken, wollen, erwarten, raten.

Ich war immerhin damals schon hoch erstaunt, als ich meinen Kumpel, der durchaus von der Filmhandlung beeindruckt war, dann zwischendurch angesichts des roten Sportwagens, mit dem der reiche Erbe Benjamin über die Bildfläche düst, sagen hörte: „Was man mit so einer Karre Weiber aufreissen könnte…“

Die Fremdenlegion

Jugendliche auf der Suche. Jugendliche mit einem starken Mangel an Orientierung. Jugendliche, die dankbar sein sollten, wenn man ihnen ein Lebenskonzept ermöglichte, bei dem sie nicht wirklich sicher waren, dass dadurch ihre Existenz Sinn erhalten würde.

Und durchaus auch innerhalb einer Gesellschaft, die sie von der Gemeinschaft ausschliesst, wenn sie diesen Standards nicht entsprechen können oder wollen.

Es ging damals der Spruch um von der Fremdenlegion.

Wenn alles danebenginge, könnte man ja auch noch zur Fremdenlegion. Natürlich auch so hingeschwätzt auf der Gasse, ohne ernstzunehmende Substanz. Immerhin auch schon begleitet von der Bemerkung, es hätte da wohl im Metz in Lothringen so eine Aufnahmestelle der Legion.

Aber ich erinnere mich sehr wohl, wie mir dieser Spruch damals geblieben ist.

Die Verlockungen der Legion!

Zunächst einmal etwas, was sonst keiner macht. Etwas Einzigartiges!

Dann der Geschmack von Freiheit und Abenteuer! Algerien! Indochina! Polynesien! Lauter Dinge, die so ganz anders sind als das, was man beim Herumlungern auf der Gasse und im Wirtshaus erlebt.

Dann eine starke Gemeinschaft, in der man als unbeschriebenes Blatt wieder von vorne anfangen kann! Wo es egal ist, was man vorher gemacht hat. Wo es egal ist, wie man vorher geheissen hat. Wo man beurteilt wird vor allem danach, was man heute ist und heute macht.

Und dann natürlich noch der Umstand, dass man dort wohl als ganzer Kerl für voll genommen würde.

Lauter Dinge, die man als Jugendlicher auf der Gasse irgendwie vermisste. Neben solchen Verlockungen traten natürlich sachliche Erwägungen, vor allem auch, dass man sich vielleicht in zwanzig Jahren für eine solche Handlung würde verantworten müssen, klar in den Hintergrund.

Natürlich war das alles Spinnerei.

Aber dass solche Spinnerei immer mal wieder junge Menschen in ihren Bann zieht, dafür ist ja alleine schon die Tatsache Beleg, dass die französische Fremdenlegion nach wie vor existiert. Es muss also Menschen geben, die diese Faszination erfasst.

Ich hatte immerhin Glück.

Ich schaffte den Einstieg ins Bankfach durch die Hintertür, ganz unvorbereitet und unerwartet. Bei mir war also nicht alles daneben gegangen, obwohl ich mich über all die Jahre bei der Bank hinweg so verzweifelt auch nach Gemeinschaft, Abenteuer, Kameradschaft, Sinngebung sehnte.

Dass ich mich dann bei Nacht und Nebel nach Metz, Mulhouse oder Besançon gemacht hätte, um mich in die Hände der Legion zu begeben, das blieb trotzdem aus… vielleicht hatte ich ja auch nur Angst, sie würden mich allenfalls wegen Fettleibigkeit nicht wollen…

Ich war jung, wie gesagt.

Woran erinnert das?

Jugendliche. Eher daheim in einem bildungsfernen mittelständischen Milieu. Auf der Gasse sich selbst überlassen. Auf der Suche nach etwas, das dem eigenen Leben Sinn und Befriedigung gibt. Auf der Suche nach Gemeinschaft und Verlässlichkeit, die ihnen die Gasse so nicht gibt. Nach aussergewöhnlichem Erleben, das sie auf der Gasse so nicht haben. Auf der Suche nach dem Ausstieg, mit dem sie alles hinter sich lassen können.

Und da kommt dann einer und bietet das alles an.

Der bietet dem Jugendlichen einen festen Platz in einer starken Gemeinschaft mit massiver Wertebindung. Die Werte, die propagiert werden, geben dabei vor, sich anstatt auf das Baby-Exkrement („… werden WIR Weltmeister…?“) auf die angeblichen letzten Dinge zu beziehen („… erkenne den Willen Gottes…“).

Der suggeriert dem Jugendlichen, Teil einer Avantgarde von Auserwählten zu werden. Und auch diese Avantgarde ist nicht auserwählt für Banalitäten wie eine möglichst protzige Lebensführung, sondern für angeblich Grossartiges wie die historische Unsterblichkeit oder das ewige Leben im Widerschein Gottes.

Der verheisst dem Jugendlichen das grosse Abenteuer. Irgendwo in einer fernen Weltgegend gemeinsam mit goldtreuen Kameraden Gefahren bestehen im Kampf für das Gute und jeden Unwürdigen, der sich einem in den Weg stellt, einfach nur zermalmen. Furchtlos und unerschrocken.

Und alles, was bisher gewesen ist, so die Verheissung, wird damit ausgelöscht. Deine Herkunft. Die Dinge, die du getan hast. Du bist durch deine Entscheidung ein anderer Mensch.

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Ein besserer Mensch.

Und daneben verblasst dann alles andere. Rückblickend auf ureigene Erfahrungen ist mir bis heute klar, wie faszinierend eine solche Botschaft auf so einen Jugendlichen wirken muss.

Einen Jugendlichen, der zwar einerseits wirtschaftlich aus dem Mittelstand kommt und dabei in bildungsfernen Verhältnissen auf der Gasse herumlungert. Einen Jugendlichen, der von Erwachsenen umgeben ist, die ihm gepredigte Werte nicht vorleben. Einen Jugendlichen, der auf der Suche nach Sinn und Abenteuer ist und dem sein Umfeld nichts weiter verheisst als materiellen Erfolg, und auch das nur, wenn er ordentlich spurt.

Da wird dann der Aufruf zum Heiligen Krieg schlagartig zur Frohen Botschaft von Freiheit und Erlösung.

… und an diesen Aufruf zum Heiligen Krieg erinnert es halt schon.

Nichts Neues

Neu ist das Ganze nicht.

Es gab in der Vergangenheit immer mal wieder solche Verheissungen, bei denen viele in dem bewussten Gassenmilieu nicht verstanden, warum einige ihnen erlagen.

Es gab schon immer die Faszination, in politisch und religiös motivierten Kämpfen mitzuwirken. Schon aus dem Mittelalter kennt man diesen Aufruf zum Heiligen Krieg, damals natürlich unter umgekehrten Vorzeichen. Und gerade auch, was Irrationalität und Nachvollziehbarkeit angeht, sind die Kreuzzüge von damals mit den religiösen Kämpfen der Gegenwart gut vergleichbar.

Es gab das Engagement für allerlei Zwecke. Und es gab solche, die diese Bereitschaft zum Engagement missbrauchten.

Politischer Idealismus. Sektentum aller Art. Nationalismus. Linker Terrorismus.

Sie alle operieren mit diesen Verheissungen von Gemeinschaft, Erweiterung des eigenen Ich, Idealismus, Abschluss mit allem Bisherigen, die Gelegenheit, etwas von Bedeutung zu tun.

Eigentlich ist es ganz einfach mit Heiligen Krieg…

Dem Prinzip nach hätte es mir vor Jahrzehnten auch widerfahren können. Wie gesagt: Eher mit der Fremdenlegion als mit der einen oder anderen religiösen Verirrung, aber durchaus aus denselben Motiven.

Allerdings wäre aus pragmatischer Sicht zu beachten, dass es für mich damals von der Fremdenlegion einen Weg zurück gegeben hätte.

Die meisten solcher Engagements allerdings lassen diese Wiederkehr in die Legalität nicht zu. Hat man erst einmal eine schlimmere Straftat begangen, beginnt eine Reise ohne Wiederkehr. Was aber denjenigen, die der Verheissung erliegen, zu Anfang egal ist.

Was ist zu tun?

Ist eine Zahl von jungen Menschen bereits dieser Verheissung erlegen, dann sind praktische Massnahmen nicht ganz einfach.

Ein leistungsfähiges Aussteiger-Programm scheitert wohl von vorne herein daran, dass solche Aussteiger durchaus schwere Verbrechen bis hin zu Mord und Folter begangen haben und dass man mit ihnen unvoreingenommen reden müsste.

Verbote greifen meist erst, wenn sie tief in die individuellen Rechte vieler Menschen eingreifen bis hin zur massiven Gesinnungsschnüffelei und zum kompletten Überwachungsstaat.

Militärische Massnahmen können wohl einen akuten Flächenbrand eindämmen, dienen aber der Sache auf längere Sicht nicht, etwa indem sie die feindliche Stimmung gegenüber dem Westen eher fördern als abmildern.

Das Zauberwort dagegen hiesse Prävention. Die Gesellschaft könnte Angebote schaffen, die für Jugendliche auf der Suche interessant sind.

Beispielsweise mit echten Bildungsangeboten, statt blosser Ausbildung. Dass es nicht zum Normalfall werden darf, wenn jemand bis zum 20. Lebensjahr das Gymnasium besucht, um dann eine Lehre als Tierpfleger zu machen und nicht zu wissen, dass der Plural von „Praktikum“ nicht „Praktikas“ ist.

Beispielsweise mit echter Substanz statt nachgeplapperten Sprüchen. Dass die Sprüche nicht überall dieselben sind. Zum Beispiel: „Wenn du nicht ordentlich spurst, dann versaust du dir alles im Leben.“

Beispielsweise dadurch, dass die Gesellschaft sich der Menschlichkeit öffnet. Etwa durch die allgemeinverbindliche Anerkennung des Umstands, dass weder ein bissiger Kampfhund noch ein altersschwacher Pandabär auf dem gleichen Niveau wie Mensch stehen und deshalb auch nicht wie Menschen zu beurteilen und zu behandeln sind.

Beispiele über Beispiele, die alle in die Richtung Vernunft gehen. Vernunft, diese grosse Gabe des Menschen, mit der man ohne weiteres selbst der Religion begegnen kann. Viel besser als „mein Unsinn gegen Dein Unsinn“…

Mit entsprechender Prävention hätte man verhindern können, dass Jugendliche auf der Suche in zu grosser Zahl den Verheissungen des Heiligen Krieges erliegen.

Nur: Ist es dafür jetzt zu spät?

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Achim H. Pollert: Der Präsident und das Model

Achim H. Pollert (*) über das Ende des französischen Pragmatismus /// — ///

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Es war einmal ein Land, das ich kannte.

Ein Land, das über Jahrhunderte massgebend war für Zivilisation, Wissenschaft und Gesellschaft.

Das metrische System wurde in dem Land erfunden. Dass es also nicht sieben unterschiedliche Meilen gibt, neben einer grösseren Zahl von lokalen Messgrössen, sondern eben den vierzigtausendsten Teil des Erdumfangs als Kilometer. Dass es nicht allerlei Hohlmasse gibt – Schoppen, Pint, Fuder u.s.w. -, sondern eben den tausendsten Teil dieses Kilometers hoch drei als Kubikmeter. Dass es nicht eine Unzahl an Gewichten gibt, die alle irgendwie Tonne heissen und manchmal 835.3 oder auch 1054 Kilo wiegen, sondern eben das Gewicht von einem Kubikmeter Wasser.

Etwas, das das Leben einfacher macht.

Ebenso wurde eine grosse Zahl von verwaltungstechnischen Details in dem Land erfunden. Etwa, dass Strassen immer von der Ortsmitte nach draussen nummeriert sind, dass gerade und ungerade Hausnummern einander gegenüber liegen und dass die ungeraden Nummern jeweils links, die geraden rechts liegen.

Auch dies so etwas, das das Leben einfacher macht.

Dass das alltägliche Zivilrecht von Heirat, Verwandtschaft, Erbschaft und Eigentum bestimmten nachvollziehbaren Regeln folgt und eben nicht vom Ortsgebrauch, von kirchlichen Vorschriften oder Familienkonventionen bestimmt wird, ist so eine Erfindung aus diesem Land, die das Leben einfacher macht.

FRANKREICH

Musterbeispiel für eine Gesellschaft, die danach strebt, die Dinge des Alltags einfacher zu gestalten.

Nicht unnötig belastet sollen die Menschen mit Alltagsdingen werden, sondern eher befähigt werden, die wertvolle Zeit des Diesseits mit Sinnvollem zu verbringen anstatt mit sinnlos komplizierten Formalitäten.

Beispielsweise mit der Entwicklung von Kunst. Der ganze Bereich des Visuellen, der so bezeichnend ist für die französische Kultur. Angefangen bei genialen Malern wie Edouard Manet, über Daguerre mit der Erfindung der Fotografie, Lumière mit der Erfindung des Films bis zu den trivialen Niederungen der Gegenwart in Form von modischer Gestaltung und weltbekannten Comics.

Möglicherweise gehört es zu den traditionellen Wesensmerkmalen der französischen Kultur, die Banalitäten des Alltags möglichst simpel zu halten, damit man sich mit der Realisation der wichtigen Dinge des Lebens befassen kann.

So habe ich die französische Gesellschaft gekannt und geschätzt.

Das hatte durchaus auch seine Schwächen.

Das Fehlen oder besser: die lokale Auslegung von betonierten Vorschriften lässt immer mal wieder auf Flickwerk und fortdauerndes Provisorium schauen. Das begann einst bei klapperigen Autos, die trotz durchgerosteter Bodenbleche irgendwie über die Runden kamen und rollten. Und das ging bis zu einer Wiederaufbereitungsanlage von nuklearen Brennstoffen an der Aermelkanalküste, von der es heisst, sie wäre mit einem einfachen Blechdach gedeckt.

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Ob dergleichen immer auch wahr ist, bleibe einmal dahingestellt. Wer Frankreich von damals kannte, würde solche Dinge zumindest für möglich halten.

Dahingehend, dass es wichtigere Dinge gibt als die alltägliche Perfektion in Technik und Wortfolge. Insbesondere dann, wenn die Dinge funktionieren so, wie sie sind.

VORAUSSETZUNG

Damit so etwas funktionieren kann, muss innerhalb einer Gesellschaft eine Voraussetzung erfüllt sein.

Es muss auf den verschiedenen gesellschaftlichen Rängen Menschen geben, die den eigentlichen Grund dessen, was sie da tun, verstanden haben und die bereit sind, ihr Handeln an diesem Sinn und Zweck auszurichten.

Nicht ganz von ungefähr hat man ehedem in dieser Kultur der Funktionalität immer mal wieder die Worte „en principe“ gehört. Im Prinzip müsste dieses oder jenes repariert werden. Im Prinzip war schon in den 80er Jahren in Frankreich das Rauchen in geschlossenen Räumen verboten. Im Prinzip müsste man diesen oder jenen Beleg noch beibringen.

So etwa der Apotheker, der im Prinzip ein Rezept haben müsste.

Oder der Steuerverwalter, der im Prinzip keine Barzahlung annehmen dürfte.

Auch in Frankreich gab es natürlich in der Vergangenheit durchaus auch solche wandelnden Alpträume, wie sie für anderen Gesellschaften typisch sind. Die also einen Diabetiker mitten in der Nacht an die Notaufnahme des 40 Kilometer entfernten Spitals verweisen. Die ein Steuerstrafverfahren in Gang setzen, obwohl man am letzten Tag der Zahlungsfrist mit dem geschuldeten Betrag in bar gekommen war.

Aber es gehörte mit zur gesellschaftlichen Praxis, dass sich irgendwo ein vernünftiger Mensch fand, der sich im Interesse des Funktionierens über dieses Prinzip hinwegsetzte, das da eigentlich vorgeschrieben war.

Eben: Der Apotheker muss sich darüber im klaren sein, dass der Sinn seiner Tätigkeit die Versorgung von Menschen mit Medikamenten ist. Ebenso wie der Steuerbeamte, dass er dafür da ist, Steuerzahlungen entgegenzunehmen.

Der Mann am Schalter in Dünkirchen, der Billets für das Fährschiff nach England verkauft und der fragt, wie lange man denn dort bleiben werde. Sagte man, bis Ende der Woche, dann würde er einem eine einfache Überfahrt verkaufen, weil Tagesbillets nur 48 Stunden gültig sind und man besser die Rückfahrt dann in Dover kaufen würde, weil es dort billiger ist.

Beispiele für Menschen, die „im Prinzip“ an bestimmte Vorschriften gebunden sind, die sich aber über den Sinn ihrer Aufgabe im klaren sind. Menschen, die grossen Wert darauf legen, als freie Bürger geboren zu sein, und die für sich in Anspruch nehmen, diese für ihre Gesellschaft identitätsbildende Freiheit im praktischen Alltag zu leben.

ES WAR EINMAL…

Wie gesagt: Es war einmal ein Land, das ich kannte.

Es war noch weitgehend so in den 1990er Jahren. Die Dinge funktionierten. Das grosse Ganze lief, auch wenn man sich im Einzelfall auch einmal fragen würde, warum. Wie gesagt: Es funktionierte, weil es dazwischen in den Hierarchien Menschen gab, die ihre jeweilige Aufgabe ausführten.

Inzwischen, knapp zwei Jahrzehnte später, scheint dort alles anders zu sein in dem Land, in dem es immer mal wieder einen kleinen Funktionär gegeben hatte, der sich die Freiheit heraus nimmt, seinen Job zu machen.

Zum ersten Mal versetzt, sagen wir, nach Deutschland oder auch nach England fühlte ich mich dann in den 2000er Jahren im Hafen von Calais. Ich wartete auf einen Lastwagen aus England. Der war am Vorabend mit dem Schiff herübergekommen. Der Chauffeur schlief im Wagen.

Es ging nun darum, an die Tür des Lastwagens zu klopfen und dem guten Mann zu sagen, er sollte das Freihafengelände verlassen und mir hinterher fahren.

Ich sah den Lastwagen etwa fünfzig Meter hinter der Barriere. Und im Häuschen dort sass eine gelangweilte Gestalt, die mich weder schnell zu dem Wagen hin laufen liess, noch selber schnell hin gelaufen wäre, um an die Tür zu klopfen.

Es war wohl das erste Mal, dass ich in Frankreich diesem An-die-Wand-reden wegen einer Kleinigkeit. Alles, was der Herr damals für mich tun konnte, war, mir den Rat zu geben, mich bei der Verwaltung um Zutrittspapiere zu bemühen. Eine halbe Stunde anstehen, um das Formular zu bekomme, das dann ausfüllen und wieder eine halbe Stunde anstehen, das Formular prüfen lassen und die Zutrittsbewilligung entgegennehmen.

Insgesamt eineinhalb Stunden verplemperte Zeit… um dann festzustellen, dass man die Prozedur auch für meine Frau hätte durchführen müssen.

… PAS LA REVOLUTION

Natürlich sind wir alle geneigt, uns über das Bürokratenpack aufzuregen, wenn wir gerade Schwierigkeiten gemacht bekommen, und zwar überall auf der Welt. Und gerade auch in einem sicherheitsempfindlichen Bereich wie einem Freihafen möchte man niemandem einen Vorwurf machen, dass er sich stur an seine Vorschriften hält.

Problematisch ist dagegen mein Eindruck, dass in diesem Frankreich inzwischen eine Mehrheit von Menschen bei all diesen Kleinigkeiten auf stur schaltet, also nicht mehr ansprechbar ist.

Es gibt da die Redewendung „Je ne demande pas la revolution“, sinngemäss etwa: „Ich verlange nichts Unmögliches“.

Bei der Bank. Ich komme nicht als Nobody und will einen Kredit, eine komplizierte Finanzierung, einen zehn Jahre alten Wechsel einlösen. Nein: Ich will nach einer längeren Abwesenheit ein Bankkonto eröffnen, auf das ich etwas Geld einzahlen kann, um die lokalen Rechnungen (Strom, Wasser, Grundbesitzsteuer u.s.w.) zu begleichen.

Eine solche Kontoeröffnung hat zu meinen Bankzeiten ein Schalterbeamter nebenbei erledigt. Zumal in Frankreich.

Also wirklich nicht die Revolution… trotzdem wurde mir in Frankreich querbeet bei den Banken erklärt, zur Eröffnung eines Kontos müsste ich einen Termin vereinbaren und dann wiederkommen.

Was ich ebenfalls gebraucht hätte – mehr noch als ein Bankkonto -, wäre ein Telefonanschluss gewesen, um einen extrem wackeligen WLAN-Zugang zu ersetzen. An ein stabiles Handy-Netz ebenfalls nicht zu denken.

Nicht die Revolution… aber auch hier musste ein Termin vereinbart werden, in einem Laden in der Innenstadt, wo nette, aber gänzlich ahnungslose Menschen von Dingen redeten.

In beiden Fällen – Bank und Telefon – begannen die Woche zu vergehen. Leute gingen in die Ferien und hatten keine Stellvertreter, so dass Rückfragen aus Missverständnis wochenlang liegen blieben. Zugesagte Termine wurden einseitig verschoben, was man aber nur erfuhr, wenn man online das vorgesehene Datum abfragte.

Vor Ort angesprochene Sachbearbeiter erklärten schulterzuckend, es wären nicht sie, sondern die Regionaldirektion in Lille, und dort könnte es eben dauern…

Drei Monate.

Kein Telefon. Kein Bankkonto. Weil jeder einem vorgeschriebenen Ablauf folgt, ungeachtet jeder vernünftigen Erwägung, den aber keiner ganz zu kennen scheint.

Und das nicht, weil ich die Revolution verlangt hätte.

Frankreich eben, wie ich es nicht gekannt habe. Wo sich schon immer wieder einzelne Menschen aus Tradition dem Sinn und der Vernunft der Dinge verpflichtet fühlten, was das Ganze unkompliziert am Laufen hielt.

Ich werde wohl damit leben müssen. Dass man sich auch in Frankreich im einen oder anderen Laden dumm anschwätzen lassen muss, man habe gefälligst diese oder jene Tür als Ausgang zu benutzen. Dass die Dinge nicht funktionieren, egal, wie es mir dabei geht. Dass mir eine 500-Euro-Note am Schalter einer Grossbank nicht gewechselt wird.

Natürlich: Wenn das Leben in Frankreich so kompliziert und detailverliebt ist wie überall, dann kann ich auch nach England oder nach Deutschland (von der Schweiz einmal zu schweigen). Dort habe ich zwar auch allerlei Komplikationen im Alltag. Aber dort habe ich eine brauchbare Infrastruktur, ein umfangreiches lokales Kulturangebot und erhebliche bessere Einkaufsmöglichkeiten.

Was ich mich allerdings auch frage: Hat dieser Verlust von Vernunft und Unkompliziertheit in der Gesellschaft wohl etwas damit zu tun, dass man sich seit Jahren schon in diesem Land fragt, ob der Staatspräsident ein Fotomodel heiratet, ob diese Präsidentengattin sich nackt fotografieren lassen durfte, ob ein anderer Präsident mit dem Töffli früh morgens durch Paris zu seiner Geliebten tuckert…

… und ähnlicher Illustrierten-Blödsinn.

Wie war das? Eine Verpflichtung zur Vernunft, sich mit dem Sinn der eigenen Aufgabe zu befassen und deren Zweck zu kennen…

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